Architekt Christoph Langhof will dem brachliegenden Flughafengebäude Tempelhof neues Leben einhauchen, mit bis zu 5.000 Wohnungen in zwölf neuen Hochhäusern. Sein Entwurf verzichtet bewusst auf Eingriffe ins Tempelhofer Feld und stellt Denkmalschutz und Stadtentwicklung neu in Beziehung.

Architekt Christoph Langhof will mit einem neuen Entwurf für das Flughafengebäude Tempelhof die Diskussion um Stillstand und Denkmalschutz neu ausrichten. Statt weiter zu warten, plädiert er für eine behutsame Transformation mit urbaner Strahlkraft – und schlägt zwölf Hochhäuser direkt am historischen Flughafengebäude vor. / © Visualisierung: LANGHOF GmbH
© Visualisierungen: LANGHOF GmbH
Mit einer neuen Idee zur Bebauung des Flughafenareals Tempelhof ist der Berliner Architekt Prof. Christoph Langhof proaktiv vor die Berliner Presse getreten. Gemeinsam mit dem Architekturhistoriker Prof. Dr. Wolfgang Schäche erörterten sie den spektakulären Entwurf Langhofs und stellten sich den Fragen der anwesenden Journalisten, die am Pressegespräch im zehnten Stock des Upper West am Kurfürstendamm teilnehmen durften.
Bei der vorgestellten Leitidee zur Bebauung geht es um die Zukunft des historischen Flughafengeländes, das seit der Einstellung des Flugbetriebs im Oktober 2008 brachliegt und – von sporadischen Kulturveranstaltungen abgesehen – seitdem vor sich hinsiecht. Eine effektive Nutzung hat sich bislang in keinem der sieben riesigen Hangars etabliert, die in den 1940er Jahren fertiggestellt worden waren und größtenteils seit dieser Zeit unangetastet geblieben sind.
Christoph Langhof: Berlin verschenkt mit dem Flughafengebäude Tempelhof ein riesiges Potenzial
Damit verschenkt die Stadt Berlin nach Ansicht von Christoph Langhof ein gehöriges Potenzial, vor allem an ungenutzten Flächen. Sicher ist das Areal des ehemaligen Tempelhofer Airports der Ort einer wechselvollen Geschichte, speziell in den Zeiten der Blockade und der Teilung der Stadt, gehört aber mit seinen Dimensionen zu den herausragenden Bauten Europas.
Doch Berlin sollte diesen Ort neu denken, aber nicht mit Stillstand und einem „Weiter so wie bisher“, sondern mit Visionen, so der Ansatz Langhofs. Und dafür tritt der Österreicher an, will seinen Beitrag dazu leisten, sich einmischen in die Debatten und Verantwortung übernehmen. Es sei müßig, so Langhof, tatenlos dem unerbittlichen Streit zweier Parteien zuzusehen, vielmehr sieht er sich in der Rolle, diesen Streit zu suspendieren.
Handeln statt Zusehen: Langhof präsentiert Hochhaus-Vision für den Flughafen Tempelhof
Der in der heutigen Presserunde präsentierte Lösungsansatz soll daher ein Weg aus dem Dilemma sein, dass der Denkmalschutz und die horrend hohen Sanierungskosten eine moderne Weiterentwicklung des Gebäudeensembles auf Jahrzehnte verhindern. In der Hoffnung, dass diese Diskussionsvorschläge auch angenommen werden, erläuterte Langhof seinen Vorschlag im Detail.
Zwölf Wohntürme in unterschiedlichen Höhen stellt sich Langhof vor, die rund um die historischen Hallen gruppiert werden sollen. Die Bebauung soll nicht die Außenflächen des Areals mit dem kontaminierten Flugfeld betreffen, sondern das Flughafengebäude mit einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 300.000 Quadratmetern.
Langhofs Ideen für Tempelhof: Sanierung, Denkmalschutz und Neubau im Einklang
Zur Erhaltung und Instandsetzung des Gebäudekomplexes gibt der Berliner Senat jährlich mehrere Millionen Euro aus, ohne dabei große Sprünge machen zu können. Geld, das man laut Langhof besser in einen Neubau bzw. eine Umnutzung des gesamten Komplexes investieren sollte. Langhof nennt dies einen „Dialog zwischen Alt und Neu„.
Errichtet werden sollen die zwölf Wohntürme in unterschiedlichen Höhen mit bis zu 5.000 Wohneinheiten insgesamt. So könnte Wohnraum für rund 10.000 Menschen entstehen. Diese Wohntürme sollen ausschließlich entlang der Stadtseite des 1,2 km langen Gebäuderings entstehen, ohne an die bisher am alten Gebäude installierten Treppenaufgänge anzudocken.
Ein Ring aus moderner Architektur soll an der Straßenseite des historischen Flughafengebäudes entstehen
Die beschriebenen Hochhäuser würden quasi einen Ring aus neuer Architektur bilden, der den historischen Gebäudekomplex rahmen soll. Die bisher von den Berlinern und ihren Gästen für Freizeitaktivitäten genutzte Freifläche soll durch diesen ungewöhnlichen Ansatz nicht angetastet werden.
Die im Gebäudekomplex bestehenden Hangars und alle weiteren verfügbaren Flächen sollen nach Vorstellungen von Langhof zur Tertiärnutzung dienen, also für Kitas, Schulen und Sporteinrichtungen.
Flughafen Tempelhof: Sporthallen in den Hangars, Pocket Parks zwischen den Hochhäusern
Zwischen den Wohntürmen, die eine Grundfläche von 34 mal 34 Metern haben, sollen Pocket-Parks, Spielplätze, Gärten und Kulturorte entstehen. Angesichts der angedachten Dimensionen kann man schon von einem neuen Stadtquartier sprechen, das hier entstehen könnte.
Christoph Langhof lebt seit den 1970er Jahren in Berlin, daher werden ihm die Vorbehalte der Landesdenkmalschützer bewusst sein. Langhof möchte mit seiner Idee daher ein „Manifest für offensiven Denkmalschutz“ anstoßen, wie er es nennt.
Christoph Langhof fordert ein „Manifest für offensiven Denkmalschutz“
Nicht nur die Konzentration auf das Bewahren der Vergangenheit, sondern auch die Mitgestaltung von Neuem sollte hierbei seiner Ansicht nach die Rolle des Denkmalschutzes sein. Das imposante Gebäudeensemble des ehemaligen Flughafens Tempelhof sollte nicht nur ein Relikt aus der Vergangenheit sein, sondern die Aufbruchsstimmung für eine weiterführende Stadterneuerung entfachen.
Und auch die Bedeutung des Tempelhofer Feldes für Berlinerinnen und Berliner will der Architekt berücksichtigen. Langhof sagt: „Die neue Stadt wächst zur Stadt hin, nicht ins Feld hinein. Die Weite und Freiheit des Tempelhofer Feldes bleiben erhalten, während die städtische Seite des Gebäudes – den Rhythmus der Fassade aufnehmend und betonend – mit neuem Leben erfüllt wird.“
Modulare Holzbauweise unter den historischen Dächern der Flughafenhangars
Langhof betont weiterhin, dass die bestehenden Hangars sowie auch die weitläufigen Kellersysteme erhalten bleiben sollen. Unter den imposanten Hallendächern kann er sich aber die Einrichtung von Kindergärten, Schulen, Sport- und Kulturflächen in modularer, nachhaltiger Holzbauweise vorstellen.
Auf diese Weise soll der Stillstand auf dem riesigen Areal durchbrochen werden: „Denkmalschutz darf nicht allein auf Bewahrung reduziert werden. Er kann und muss gestalten, erneuern, die Vergangenheit sichtbar halten und zugleich Zukunft schaffen. Das Flughafengebäude Tempelhof bleibt als Monument einer problematischen Geschichte erkennbar und erhalten – aber es wird in eine neue Erzählung überführt: nicht als belastetes Relikt, sondern als Motor für Stadterneuerung.“
Berlin wächst und benötigt Flächen: Tempelhof als Modellfall für progressiven Denkmalschutz?
Langhof betont, dass die Hauptstadt weiter wächst und daher mutige Ideen brauche, um neue Flächen für intelligenten Wohnungsbau zu schaffen: „Tempelhof kann ein Modellfall werden, ein Ort, an dem Vergangenheit nicht blockiert sondern inspiriert und produktiv antreibt.“
Langhofs Vorschlag wird, so viel steht schon jetzt fest, kontrovers diskutiert werden, denn kaum ein Areal wird so sensibel behandelt wie das Tempelhofer Feld und die dazugehörigen Gebäudekomplexe des einstigen Flughafens. Ob sich Berlins Denkmalschützer auf eine Debatte über progressiven, gestaltenden Denkmalschutz einlassen, bleibt abzuwarten. Der Vorschlag jedenfalls hat allein dadurch Charme, dass die Flächen des Tempelhofer Feldes davon unberührt bleiben würden.
Quellen: LANGHOF GmbH, Architektur Urbanistik Berlin, Deutsches Architektur Forum
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15 Kommentare
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Find ich gut! Wüsste nicht, was dagegen sprechen sollte…
Die Berliner Hochhausphobie? Das erste was gemacht würde sie um 50 Prozent zu kürzen.
Mit dem Soli aus Bayern sollte das zu machen sein
Find es ein bisschen Marzahnmäßig monoton aber warum nicht.
Aber man sollte die dazugehörige Infrastruktur nicht vergessen, denn wo gehen diese ungefähr 10000 zusätzlichen Menschen zum Arzt, wo gehen deren Kinder in die Kita, zur Schule, wo gehen sie im Sommer ins Freibad, wo verbringen sie ihre Freizeit und wie kommen sie zur Arbeit, quetschen die sich alle in die überfüllte U Bahn am Platz der Luftbrücke oder verstopfen sie mit zusätzlichen Autos die schon überfüllten Straßen? All das darf man nicht vergessen und sollte dann im besten Fall alles vor Ort gleich mit dazu errichtet werden.
Sieht richtig cool aus und macht viel Sinn.
Aller Anfang ist schwer. Bevor das Team Langhof noch einmal solch einen Vorschlag einreicht… kommt bitte nach Südkorea und guckt Euch an, wie man es richtig macht.
Christian Langhoff ist immerhin der einzige, der die Berliner Szadtrntwicklungspolitik mit interessanten Beiträgen bereichert. Wann hat das zuletzt die Senatsentwicklung für Stadtrntwicklung geschafft. Ich erinnere nichts aus den letzten Jahrzehnten, insbesondere seit dem Dienstantritt von Regula Lüscher. Und leider ist es diese Senatsverwaltung, die wahrscheinlich beleidigt diese Pläne zerheckseln wird, adjutiert von einem Denkmalschutz, der alles Nötige eher bremst und verteuert statt beflügelt. Siehe Checkpoint Charlie … oder wahrscheinlich Tempelhof. Denke ich.
Wo ist die Vision? Nachhaltige Architektur (Biodiversity by Design, Animal-Aided Design, Biophilic Architecture) sieht anders aus.
Fraglich ist dabei nur für wen hier wieder gebaut/ geplant wird. Wir brauchen nicht noch mehr Büros oder Luxus Immobilien. Berlin braucht mehr bezahlbaren Wohnraum. Neben WBS Wohnungen auch bezahlbare Wohnungen für „Normalverdiener“ die keine 6k netto verdienen sondern 2,5 bis 3,5k im Monat. Diese fallen häufig genau in die Lücke für zu arm für Luxus, zu reich für WBS …
Ich finde das Ganze reichlich monoton – und auch die Staffelung albern. Ansonsten bin ich ja leidenschaftlicher Anhänger von Wolkenkratzern. Aber die sollten lieber zentral entstehen. Man sollte um den Alexanderplatz, aber vor allem in der City-West eine kräftige Verdichtung prüfen.
Ja, das war auch mein erster Gedanke … die Reihung ist etwas stupide, die Höhenstaffelung albern…Wolkenkratzer erst mal am AlexanderPlatz, in der City West, am Potsdamer Platz, entlang der MediaSpree, am ErnstReuterPlatz, am Hauptbahnhof, dann an einigen Ringbahnstationen.. und dann vielleicht am ehem. Flughafen Tempelhof… Aber mittlerweile denke ich: Hauptsache es wird endlich mal losgelegt…dann kommt schon eins zum anderen..
Ja für (soziale!) Wohnungen im Tempelhofer Feld.
….aber das sieht leider sehr ähnlich als das Projekt von Le Corbusier für Paris aus. Sehr symmetrisch, ohne Seele mit Entfernung des Eiffelturms… Zum Glück wurde das Projekt für Paris abgebrochen.. ich hoffe das Gleiche für Berlin
Meistens bin ich dabei, was Langhof vorschlägt (Hardenbergplatz, Holzmarktstraße). Aber hier eher nicht. Da fand ich den Ansatz von Arno Brandhuber mit dem aufgesetzten Riegel wesentlich passender, gestenreicher und konfliktarmer. Ich kann mir auch irgendwie nicht ausmalen, dass der Denkmalschutz in diesem Fall mitspielt, da die Fassade des großen Außenbogens nicht mehr durchgängig ablesbar wäre… Aber unbenommen dessen fragt man sich schon, warum nach wie vor eine Randbebauung vom ehemaligen Rund-und Kontrollweg des Flughafens bis an die jeweiligen Quartierstrassen nicht möglich sein soll. Am Ende wäre immer noch eine überdimensional große um nicht zu sagen abartig große Freifläche übrig, die man in keiner anderen deutschen Großstadt findet…Als Stadtregierung würde ich mal endlich einen Punkt machen und mich nicht permanent in diesem vorauseilendem Gehorsam wie ein Aal winden…
Ich bin grundsätzlich dagegen, Wohnungen zu bauen, die vom Steuerzahler subventioniert werden (umgangssprachlich „billige oder bezahlbare Wohnungen“) Ich finde, wer wohnen möchte, der soll für seine Wohnung komplett selbst bezahlen dürfen. Zur Not muss dann halt auf weniger qm gewohnt werden … genauso mit dem Leben insgesamt: wer leben möchte, der muss zur Bestreitung seines Lebensunterhalts arbeiten gehen. Dass diese banalen Lebenszusammenhänge (die dem Leben erst eine gewisse Würze und Intensität verleihen) in unserem System permanent ausgehebelt werden (durch einen grenzenlos ausufernden, längst pervertierten Sozial- und Umverteilungsstaat) führt nur dazu, dass immer mehr Normalos (Bürger, die sich und ihr Leben komplett selbst finanzieren) in andere Länder auswandern… weil sie keine Lust mehr haben, diesen Asozialstaat mitzufinanzieren.. mit längst ungerechtfertigt hohen Steuern und Sozialabgaben (ungerechtfertigt angesichts immer geringer werdender Leistungsfähigkeit des Staates)…
Also, wenn die Wohnungen in Langhoffs Hochhäusern auf dem freien (nicht subventionierten) Wohnungsmarkt auf ausreichend Nachfrage trifft, dann habe ich mit seinen Hochhäusern kein Problem. Wie reich die Leute sind, die darin wohnen werden, das interessiert mich nicht (warum sollte mich das auch interessieren?).. Ich möchte diese Wohnungen nur nicht mit meinen Steuern bezahlen/subventionieren müssen..
Ansonsten gilt: JEDE Wohnung, die gebaut wird, entlastet den Wohnungsmarkt (auch die Wohnung, die für den normalen oder reichen Bürger gebaut wird).
Um die bebaute Fläche so gering wie möglich zu halten, deshalb bin ich grundsätzlich dafür, endlich auch in Berlin in die Höhe zu bauen.. sowohl bei Bürobauten, als auch im Wohnungsbau. Nichts ist umweltverträglicher und Ressourcen schonender, als die kompakte Stadt, die nicht grenzenlos ausufert und grenzenlos Fläche verbraucht..!
Korrektur: …Also, wenn die Wohnungen in Langhofs Hochhäusern. ..auf ausreichend Nachfrage treffen, dann…