Seit Jahren sucht Berlin nach einem festen Ort für ein House of Jazz. Nun rückt das ehemalige Kino L’Aiglon im Wedding als möglicher Standort in den Fokus. Gleichzeitig steht das denkmalgeschützte Gebäude selbst vor einer offenen Zukunft zwischen Leerstand, Zwischennutzung und kultureller Wiederbelebung.

Kino L-Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm in Berlin

Ehemaliges Kino L’Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm in Berlin-Wedding: Seit 1994 steht das denkmalgeschützte Gebäude leer. Der erhaltene Schriftzug über dem Eingang erinnert an die frühere Nutzung als Kino und Veranstaltungsort für Film, Theater und Musik und rückt das Haus nun wieder als möglichen Kulturstandort in den Fokus. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

ANZEIGE

 

Berlin verfolgt seit längerer Zeit das Ziel, ein „House of Jazz“ als Zentrum für Jazz und improvisierte Musik zu etablieren. Der Trompeter Till Brönner hatte das Konzept angestoßen, um Jazz und improvisierter Musik in der Hauptstadt einen festen Ort zu geben. Geplant ist ein Zentrum für Konzerte, Nachwuchsförderung, Austausch und Forschung. Obwohl das inhaltliche Konzept weiterentwickelt wurde, fehlte lange ein geeigneter Standort. Deshalb blieb das Projekt vorerst abstrakt.

Medienberichten zufolge prüft nun das Land Berlin das ehemalige Kino „L’Aiglon“ am Kurt-Schumacher-Damm als mögliche Wirkstätte – die Senatskulturverwaltung bestätigt diese Option jedoch nicht ausdrücklich. Klar sei bisher nur, dass Berlin als Standort feststehe und man mehrere Orte prüfe, um eine langfristig tragfähige Lösung zu finden.

ANZEIGE

Das Kino L’Aiglon im Wedding: Vom Militärkino zum Leerstand

Das L’Aiglon entstand Mitte der 1950er-Jahre als Teil eines Kulturensembles für die französischen Streitkräfte. Es gehörte zum damaligen Quartier Napoléon, der heutigen Julius-Leber-Kaserne, und diente neben Filmvorführungen auch für Theater und Musik. Der Saal bot rund 350 Plätze, verfügte über einen Balkon und zeigte sich architektonisch aufwendig gestaltet.

Mit dem Abzug der französischen Truppen aus Berlin endete 1994 der Betrieb. Danach ging die Immobilie zunächst an die Bundeswehr und später in die Verwaltung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über. Trotz Verkaufsabsichten blieb das Gebäude jahrzehntelang ungenutzt, da die nötige Sanierung als wirtschaftlich schwierig galt.

Erhaltener Saal und Sanierungsbedarf im Wedding: Aktueller Zustand des Kinos

Bis heute wirkt das Innere des Kinos erstaunlich vollständig. Alte Projektoren, Leinwand, Vorhang und Sitzreihen vermitteln den Eindruck, als könne der Betrieb jederzeit wieder beginnen. Gleichzeitig zeigen sich Spuren des Verfalls. Putz löst sich von den Decken und technische Anlagen entsprechen nicht mehr heutigen Standards.

ANZEIGE

Hinzu kommen die Anforderungen des Denkmalschutzes. Zentrale Elemente wie Holzvertäfelungen und Teile der Kinotechnik müssen erhalten bleiben. Das erschwert Umbauten, bewahrt jedoch den besonderen Charakter des Hauses. Jede künftige Nutzung muss diese Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Ankauf durch das Land Berlin und neue Nutzungsperspektiven: Rolle der BIM

Im Jahr 2023 erwarb das Land Berlin das Gebäude vom Bund. Seitdem verantwortet die Berliner Immobilienmanagement die Entwicklung. Ziel ist eine kulturelle Nutzung in Zusammenarbeit mit einem privaten Investor. Dieses Modell soll das Haus am Kurt-Schumacher-Damm 123 beleben und gleichzeitig den Landeshaushalt entlasten.

Ein Zeitplan liegt noch nicht vor. Die Stadt verweist jedoch auf den Wandel des Umfelds: In unmittelbarer Nähe entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel das „Schumacher-Quartier“ mit über 5.000 Wohnungen. Damit dürfte auch der Bedarf an kultureller Infrastruktur im Wedding wachsen.

ANZEIGE

Zwischen House of Jazz und Zwischennutzung: Offene Fragen zur Zukunft

Das „House of Jazz“ wird weiterhin von Bund und Land gefördert, unabhängig davon, wo es letztlich angesiedelt wird. Gleichzeitig könnte das „L’Aiglon“ durch die Aktivitäten des Hauses nach und nach wieder stärker sichtbar werden. Ob es jedoch tatsächlich zum Standort eines Jazz-Zentrums wird oder ein anderes Kulturformat entsteht, bleibt vorerst abzuwarten.

Quellen: rbb24, offizielle Website der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), Frankfurter Allgemeine Zeitung, Berliner Morgenpost

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.