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Seit Jahren prägen die leerstehenden KWU-Türme das Bild am Offenbacher Kaiserlei. Nun gibt es Pläne für ein neues, urbanes Stadtquartier, doch die Umsetzung hängt von zähen Verhandlungen ab.

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

 

Wenn man an Offenbach vorbeifährt, fällt der Blick sofort auf die Hochhausruinen am Kaiserlei. Seit rund 20 Jahren stehen die ehemaligen Türme der KWU (Kraftwerk Union), einer Siemens-Tochterfirma, leer. Lange Zeit plante die ABG Holding Frankfurt, die Industrie-Ruinen abzureißen. An ihrer Stelle soll im Offenbacher Nordend ein neues Stadtquartier entstehen. Für das Projekt ist eine Investitionssumme von 600 Millionen Euro vorgesehen.

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Doch aktuell liegt das Quartiersentwicklungsprojekt auf Eis. Die Verhandlungen zwischen der ABG und der Stadt Offenbach kommen nicht voran. Der letzte gemeinsame Termin, eine Sitzung des Gestaltungsbeirats, die für den 8. Mai 2025 angesetzt war, wurde abgesagt. Die Zukunft der alten KWU-Türme in der Nähe der S-Bahn-Station Kaiserlei bleibt damit ungewiss.

Wohnfläche für 2.000 Menschen: Was anstelle der KWU-Türme vorgesehen ist

Die ABG Holding hat das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner mit der Entwicklung des ehemaligen Siemens-Areals beauftragt. Anstelle der beiden markanten Hochhäuser mit 20 und 24 Stockwerken könnte ein neues Wohnquartier entstehen. Geplant sind zwischen 800 und 1.000 Wohnungen für rund 2.000 Menschen. Vorerst sind ausschließlich Mietwohnungen vorgesehen.

Die ersten Entwürfe sehen vier achtgeschossige Wohnblocks mit begrünten Innenhöfen vor. An drei Gebäuden sollen zusätzliche Türme entstehen, einer mit 18, die beiden anderen mit 19 Stockwerken. Neben klassischen Wohnungen sind Flächen für studentisches Wohnen sowie für geförderten Wohnraum geplant.

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Kita, Büros und Supermarkt: Neues Stadtviertel im Offenbacher Nordend

Im geplanten Quartier sollen nicht nur Wohnungen entstehen, sondern auch zentrale Einrichtungen für den Alltag. Im Nordosten sind Büroflächen vorgesehen, im Südwesten eine Kindertagesstätte. Ergänzt wird das Konzept durch einen Supermarkt und ein Parkhaus.

Die Erschließung des Quartiers soll über die Strahlenberger Straße im Westen des Gebiets erfolgen. Für die Mietpreise veranschlagt die ABG rund 20 Euro pro Quadratmeter.

Quartiersentwicklung am Kaiserlei: Verhandlungen zwischen Stadt Offenbach und ABG laufen noch

Bei der Quartiersentwicklung am Kaiserlei gibt es noch Differenzen zwischen der Stadt Offenbach und der ABG Holding Frankfurt. Streitpunkte sind die verkehrliche Erschließung sowie die Umsetzung des Bebauungsplans. Die Stadt verweist darauf, dass seit 2020 ein rechtskräftiger Plan für das KWU-Gelände existiert. Die ABG hingegen möchte diesen nicht in der bisherigen Form umsetzen und fordert mehr Wohnflächen sowie weniger Gewerbeanteile.

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Ein weiterer Streitpunkt ist die Zahl der geförderten Wohnungen. Der aktuelle Planungsstand der ABG Holding sieht rund 13 Prozent gefördertes Wohnen vor. Die Stadt Offenbach beruft sich jedoch auf ihre wohnungspolitischen Leitlinien und fordert einen höheren Anteil. Derzeit verhandeln beide Seiten über eine alternative Planung. Die Themen sollen erneut in einem Fachgremium diskutiert werden. Erst danach können die Parteien über den Kaufpreis sprechen.

Die Zukunft der KWU-Türme: Vom Lost-Place zum Wohnquartier?

Mit den Plänen für das ehemalige Siemens-Areal zeichnet sich ein grundlegender Wandel ab: Aus den leerstehenden Türmen könnte ein neues Stadtquartier entstehen, das Wohnen, Arbeiten und Nahversorgung verbindet. Die vorgesehenen Flächen für gefördertes und studentisches Wohnen zeigen, dass soziale Aspekte in die Planungen einbezogen werden.

Ob das ambitionierte Vorhaben tatsächlich umgesetzt wird, ist offen. Fragen zur Erschließung, zum Bebauungsplan und zum Anteil geförderter Wohnungen verdeutlichen, dass die Verhandlungen noch dauern werden. Die Zukunft der KWU-Türme bleibt damit ein Symbol für die Herausforderungen der Stadtentwicklung im Offenbacher Nordend.

Quellen: FNP, Frankfurter Rundschau, Skyline Atlas, AS+P, Stadt Offenbach

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