Viele gewerbliche Flächen stehen nur zeitweise leer. Statt monatelang ungenutzt zu bleiben, könnten sie künftig als Zwischennutzung für Kurse, Treffen oder Arbeit geöffnet werden. Ein digitales System will vorhandene Räume besser auslasten und sie kurzfristig für unterschiedliche Nutzergruppen öffnen.

Ein Konferenztisch und Arbeitsplätze statt Leerstand: So könnte die Zwischennutzung einer ungenutzten Ladenfläche aussehen. / © Foto: Pocket House
© Fotos: Pocket House
Wer durch Berlin geht, stößt in den Erdgeschossen vieler zentraler Gebäude mittlerweile auf geschlossene Rollläden, leergeräumte Ladenflächen und abgehangene Schaufenster. Ehemalige Läden, Büros oder Praxisräume stehen teils monatelang leer. Das fällt gerade dort auf, wo der Stadtraum eigentlich dicht bebaut und belebt ist.
Ein Konzept, das vom digitalen Gebäude- und Quartiersmanagement Pocket House im Rahmen der Konferenz „Neustart Berlin“ eingereicht wurde, setzt genau hier an. Pocket House schlägt vor, die leerstehenden Erdgeschoss-Flächen kurzfristig und flexibel für Berlins Bürgerinnen und Bürger wieder nutzbar zu machen. Es sollen multifunktionale Räume entstehen, die für verschiedene Zwecke gebucht werden können.
Von Kindergeburtstag bis Yogakurs: Erdgeschosse als temporär buchbare Räume für die Stadtgesellschaft
Der Ansatz basiert auf einer einfachen Beobachtung: Viele Räume stehen nicht permanent leer, sondern nur zeitweise. Zwischen zwei langfristigen Mietverhältnissen oder außerhalb fester Nutzungszeiten bleiben Potenziale ungenutzt.
Statt diese Flächen monatelang leerstehen zu lassen, sollen sie temporär für unterschiedliche Zwecke geöffnet werden – etwa für Yoga- und Sportkurse, Workshops, Nachbarschaftstreffen, flexible Arbeitsformate oder kleinere Veranstaltungen wie Kindergeburtstage. Der Leerstand soll so zur Ressource für die Stadtgesellschaft werden.
Zwischennutzung von Erdgeschossen: Buchung der Räumlichkeiten über eine digitale Plattform
Im Mittelpunkt des Konzepts steht eine digitale Plattform, die Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Nutzerinnen und Nutzern eine kurzfristige, unkomplizierte Vermietung ermöglicht. Räume können tage- oder stundenweise angeboten und gebucht werden.
Digitale Buchungskalender, automatisierte Abrechnung und smarte Zugangssysteme reduzieren den organisatorischen Aufwand erheblich. Damit sollen auch Hemmschwellen für Eigentümer sinken, die bislang aus Angst vor Schäden, hohem Verwaltungsaufwand oder rechtlicher Unsicherheit auf eine Zwischennutzung verzichtet haben.
Zusätzliche Einnahmen für Eigentümer, flexible Räume für die Gesellschaft
Für Eigentümerinnen und Eigentümer bietet das Modell zusätzliche Einnahmen und eine bessere Auslastung bestehender Flächen, ohne sich langfristig binden zu müssen. Zugleich bleibt die Möglichkeit erhalten, Räume jederzeit wieder zu deaktivieren.
Nutzerinnen und Nutzer profitieren von flexiblen, bezahlbaren Raumangeboten, ohne selbst langfristige Mietverträge eingehen zu müssen. Gerade für Gründerinnen und Gründer, Selbstständige oder Initiativen mit wechselndem Raumbedarf eröffnet das neue Handlungsspielräume.
Zwischengenutzte Erdgeschosse werden zu sozialen Treffpunkten und beleben das Stadtbild
Aus stadtentwicklungspolitischer Sicht liegt der eigentliche Gewinn jedoch anderswo: Aktive Erdgeschosse tragen wesentlich zur Aufenthaltsqualität bei, stärken lokale Gewerbestrukturen und beleben das Straßenbild. Temporär genutzte Räume können zu Treffpunkten werden, die Nachbarschaften zusammenbringen und neue soziale Netzwerke entstehen lassen.
Der Begriff der „Stadtrendite“, der im Konzept verwendet wird, zielt genau auf diesen immateriellen Mehrwert: eine Stadt, die vorhandene Flächen besser nutzt, ohne neu zu bauen.
Konzept gegen Leerstand: Modell braucht Akzeptanz bei allen Akteurinnen und Akteuren
Das vorgestellte Modell versteht sich nicht als Allheilmittel gegen Leerstand, sondern als pragmatischer Baustein einer vielfältigen Stadtentwicklung. Gerade in einer Metropole wie Berlin, in der Flächen knapp und Nutzungskonflikte alltäglich sind, kann die temporäre Öffnung leerstehender Erdgeschosse einen Beitrag leisten – ökonomisch, sozial sowie städtebaulich.
Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Eigentümerinnen und Eigentümer, Verwaltung und Stadtgesellschaft gleichermaßen für diese neue Form der Nutzung zu gewinnen.
Quellen: Pocket House, Neustart Berlin
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