Der Neubau der Doppelsporthalle an der Reinhold-Burger-Schule in Pankow steht kurz vor der Fertigstellung und wird nun überraschend gestoppt. Eine massive Finanzierungslücke zwingt den Bezirk, die Arbeiten vorläufig einzustellen. Die jahrelange Baugeschichte zeigt, wie verwundbar Berliner Schulbauprojekte bleiben.

Doppelsporthalle Reinhold Burger Schule

Bereits 2009 wurde der Bau einer modernen Doppelsporthalle an der Reinhold-Burger-Schule beschlossen. Der Entwurf stammt vom Leipziger Büro Schulz & Schulz Architekten und sieht zwei übereinander angeordnete Zweifachhallen vor. Nun wurde das Bauprojekt kurz vor der Fertigstellung aus Geldgründen gestoppt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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In Pankow ist der Bau einer neuen Doppelsporthalle für die Reinhold-Burger-Schule erneut zum Stillstand gekommen. Der Bezirk bestätigte, dass kurz vor dem Abschluss ein Millionenbetrag fehlt, der aus dem Landeshaushalt nicht gedeckt werden kann. Die Halle sollte ursprünglich bereits 2018 fertiggestellt werden, doch Firmenpleiten, Baumängel und juristische Streitigkeiten hatten den Bau mehrfach verzögert.

Stadtrat Jörn Pasternack erklärte laut Tagesspiegel, die neue Kostenberechnung des Architekturbüros liege bei 28 Millionen Euro. Bewilligt seien jedoch nur 20,4 Millionen Euro gewesen. Auf die Anfrage, ob das Land die Lücke füllen könne, habe der Bezirk erfahren, dass alle verfügbaren Mittel bereits ausgeschöpft seien. Damit müsse das Projekt erneut ruhen, ein Eröffnungstermin Mitte 2026 sei nicht mehr zu halten.

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Lange Vorgeschichte: Sporthallenbau in Pankow seit 2009 von Problemen geprägt

Die Vorgeschichte des Projekts reicht weit zurück. Bereits 2009 beschloss der Bezirk den Bau der Doppelsporthalle nach einem Entwurf von Schulz & Schulz Architekten. Vorgesehen war ein Doppelstock-Hallenbau, der auch umliegende Schulen im Florakiez versorgen sollte. Doch schon in der Anfangsphase traten Verzögerungen auf. Die Planungs- und Genehmigungsphase dauerte fast sechs Jahre.

Weitere Rückschläge folgten. Beim Aushub wurde eine unerkannte Gasleitung entdeckt, und während der Rohbauphase kollabierte eine Bodenplatte aufgrund von Baumängeln. 2018 löste der Bezirk die Verträge mit einem Tiefbauunternehmen, einem Rohbauunternehmen und dem Generalplaner. Die Baustelle lag monatelang brach, während sich technische Normen und baurechtliche Vorgaben änderten.

Kritik im Schulausschuss: Sorge vor einer dauerhaften Bauruine an der Reinhold-Burger-Schule

Im Pankower Schulausschuss löste der erneute Baustopp deutliche Kritik aus. SPD-Schulexpertin Katja Ahrens äußerte laut Sitzung, sie sei „fassungslos“ über die Kostenentwicklung und stellte die Frage, ob die unvollendete Halle nun zur dauerhaften Bauruine werde. Eine Antwort darauf konnte das Bezirksamt nicht geben.

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Pasternack verwies auf die massiven Preissteigerungen in der Baubranche. Insbesondere Stahlpreise hätten sich zur Coronazeit vervielfacht, zudem würden in Berlin jährlich rund acht Prozent Mehrkosten anfallen, wenn ein Bauprojekt nicht fristgerecht vorankomme. Insolvenzen und Neuvergaben hätten die Entwicklung zusätzlich verschärft.

Materialmangel verzögert auch andere Sporthallen im Bezirk Pankow

Dass selbst kleine Bauteile große Verzögerungen auslösen können, zeigt ein zweites Hallenprojekt im Bezirk. Am Rosa-Luxemburg-Gymnasium verzögerte eine fehlende Rauchabzugsklappe die Eröffnung der neuen Sporthalle um zwölf Monate. Erst im Dezember soll das Bauteil geliefert werden. Auch hier wurde deutlich, wie eng technische Lieferketten und Baufortschritt zusammenhängen.

Die neue Doppelsporthalle der Reinhold-Burger-Schule hingegen steht äußerlich weitgehend. Fassaden, Fenster und große Teile des Innenausbaus sind abgeschlossen. Noch klebt eine Baufirma Fliesen, doch bleibt unklar, ob und wann die Arbeiten wieder aufgenommen werden können.

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Bezirk Pankow prüft Fördermittel: Fertigstellung der Sporthalle an Reinhold-Burger-Schule weiter ungewiss

Das Bezirksamt sucht nun nach Möglichkeiten, die Finanzierungslücke zu schließen. Ob Landesmittel umgeschichtet oder neue Förderprogramme genutzt werden können, ist offen. Pasternack erklärte auf Nachfrage vom Tagesspiegel, dass derzeit keine Lösung in Sicht sei. Priorität habe, ein unvollendetes Gebäude mitten im Florakiez zu verhindern.

Langfristig soll die Halle nicht nur für den Schulsport, sondern auch für Vereine und die Nachbarschaft nutzbar sein. Ein Kunstprojekt von Angela Lubič, das den Eingangsbereich gestalten soll, zeigt, wie weit die begleitenden Planungen bereits fortgeschritten sind. Wann die Halle jedoch tatsächlich eröffnet werden kann, bleibt ungewiss.

Das Bild zeigt die neue Doppelsporthalle der Reinhold-Burger-Schule im eingerüsteten Zustand. Die Fassade ist weitgehend geschlossen, erste Fassadenelemente sind bereits montiert.

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Bezirksamt Pankow, Tagesspiegel, Pichler Ingenieure GmbH, MTN Hochbau, Berliner Morgenpost

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