Nach jahrelanger Diskussion zeichnet sich für das Berliner „House of Jazz“ ein konkreter Durchbruch ab. Durch eine Umwidmung von Haushaltsmitteln soll der neue Kulturort im ehemaligen Militärkino L’Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm realisiert werden.

Da die ursprünglich eingeplanten Mittel für die Sanierung der Alten Münze nicht ausgereicht hätten, entschied sich die Koalition für eine langfristige Vermietung des Gebäudes. Dadurch sinken die Sanierungskosten und es entstehen finanzielle Spielräume für das geplante „House of Jazz“. / © Foto: Wikimedia Commons, nineties berlin, CC BY-SA 4.0
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Mehr als zehn Jahre lang wurde über das „House of Jazz“ in Berlin diskutiert, nun kommt Bewegung in das Vorhaben. Kultursenatorin Sara Wedl-Wilson (parteilos, für CDU) hat einen finanziellen Weg aufgezeigt, um das Projekt umzusetzen. Als Standort ist das frühere Kino und Theater L’Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm 121 vorgesehen, das bislang leer steht.
Möglich wird dieser Schritt, weil das Land Berlin Mittel aus einem anderen Kulturprojekt neu verteilt. Ursprünglich waren 49 Millionen Euro aus dem „Sondervermögen für die wachsende Stadt für die Sanierung (Siwa)“ der Alte Münze eingeplant. Da diese Summe nicht ausgereicht hätte, entschied sich die Koalition für eine langfristige Vermietung des Gebäudes. Dadurch sinken die Sanierungskosten des Gebäudes und eröffnen finanzielle Spielräume für das „House of Jazz“.
Finanzielle Freigabe und Haushaltsverfahren in Berlin: Entscheidung im Hauptausschuss steht noch aus
Konkret verhandelt die Kulturverwaltung über die Umwidmung von 11,5 Millionen Euro aus dem Budget der Alten Münze. Finanzsenator Stefan Evers (CDU) ist in diesen Prozess eingebunden. Bevor das Geld für den neuen Kulturort im Wedding eingesetzt werden kann, muss jedoch der Hauptausschuss des Abgeordnetenhaus von Berlin zustimmen.
Begleitet wird das Verfahren von der landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM Berliner Immobilienmanagement. Anders als bei früheren Projekten legt der Senat diesmal zuerst den finanziellen Rahmen fest. Auf dieser Basis sollen Umfang und Tiefe der Baumaßnahmen geplant werden. Dadurch will das Land Kostenrisiken reduzieren und die Umsetzung realistisch gestalten.
Erhaltener Kinosaal und Sanierungsbedarf am Kurt-Schumacher-Damm: Baulicher Zustand des L’Aiglon
Das Hauptgebäude des L’Aiglon befindet sich in einem vergleichsweise guten Zustand. Besonders der Kinosaal mit rund 350 Plätzen gilt als zentrales Argument für den Standort. Gleichzeitig zeigen sich Spuren des jahrelangen Leerstands, etwa durch bröckelnden Putz und veraltete technische Anlagen.
Hinzu kommen Anforderungen des Denkmalschutzes. Prägende Elemente wie Holzvertäfelungen und Teile der historischen Kinotechnik müssen erhalten bleiben. Das schränkt Umbauten ein, bewahrt jedoch den besonderen Charakter des Hauses. Jede künftige Nutzung muss diese Rahmenbedingungen berücksichtigen und in ein tragfähiges Nutzungskonzept integrieren.
Vom Militärkino zum neuen Kulturort im Wedding: Geschichte und Perspektive des Standorts
Ursprünglich war das „House of Jazz“ in der Alten Münze geplant. Der Trompeter Till Brönner hatte das Projekt angestoßen, der Bund stellte bereits 2016 Fördermittel bereit. Politische Widerstände und steigende Kosten führten jedoch zum Stillstand. Inhaltlich blieb das Vorhaben dennoch präsent und wird weiterhin von Bund und Land gefördert.
Das L’Aiglon entstand in den 1950er-Jahren als Kulturstätte für die französischen Streitkräfte und diente als Kino und Theater. Nach dem Abzug der Truppen 1994 endete der Betrieb. Später ging das Gebäude an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, blieb jedoch ungenutzt. Mit dem „House of Jazz“ könnte der Leerstand enden.
Quellen: rbb24, Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), Frankfurter Allgemeine Zeitung, Berliner Morgenpost
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2 Kommentare
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Das ist ein himmelweiter Unterschied, ob das „House of Jazz“ im Stadtzentrum beheimatet ist oder JWD, wo die Tegeler Füchse und Hasen sich „Gute Nacht“ wünschen. In der Münze hätten sie einen normalen Besucherstrom, dort in der Pampa müssen sie permaent Leckerbissen aufbieten, dass einer mal in die Pampa rausfährt.
Aber wenn am L’Aiglon schon Hand angelegt wird, bitte die Fassade unterm fliegenden Dach mit dem Eingang glattziehen und diesen angebastelten Eindruck rausnehmen. Auch wenn es in der Tat wirklich nachträglich angefriemelt wurde, kann man es jetzt besser machen.
Wie auch immer…trotz alledem ist das L’Aiglon ein schöner moderner Bau.