Am Kurfürstendamm 231 plant Stumpf Development das „Quartier 231“ mit einem 120-Meter-Hochhaus, Wohnungen und einem öffentlichem Hof. Das Baukollegium fordert aber deutliche Änderungen.

Die Visualisierung aus dem Jahr 2023 zeigt den damaligen Entwurf von Henning Larsen für das Karstadt-Areal am Kurfürstendamm. / © Visualisierung: Henning Larsen Architects
© Titelbild: Henning Larsen Architects
Wo heute das große Galeria-Warenhaus den Block am Kurfürstendamm prägt, soll langfristig ein gemischtes Stadtquartier entstehen. Nach dem Verkauf des früheren Signa-Areals liegen nun deutlich konkretere Pläne vor. Erstmals stellte das Planungsteam den neuen Entwurf öffentlich vor. Dabei zeigte sich allerdings: Vor allem beim Hochhaus sieht das Berliner Baukollegium noch erheblichen Änderungsbedarf.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Kurfürstendamm 231, 10719 Berlin
- Projektname: Quartier 231
- Projektstatus: Entwurfs- und Qualifizierungsphase
- Geplanter Hochpunkt: bis zu 120 Meter im Rahmenplan
- Wohnanteil: rund 40 Prozent
Das Projekt hat bereits mehrere Planungsphasen hinter sich. Nach der Insolvenz von Signa übernahm Stumpf Development das Areal. Grundlage für die weitere Entwicklung bleibt aber der 2024 vom Senat beschlossene Rahmenplan für den Block zwischen Kurfürstendamm, Rankestraße, Augsburger Straße und Joachimsthaler Straße. Er sieht den Erhalt des Warenhausstandorts sowie Wohnen, Gewerbe, Gastronomie und gemeinwohlorientierte Nutzungen vor.
Der neue Eigentümer arbeitet dabei weiter mit Henning Larsen zusammen. Das dänische Büro hatte bereits das frühere Wettbewerbsverfahren gewonnen. Der aktuelle Entwurf trägt nun den Namen „Quartier 231“. Nach Angaben der Planer soll der bisher weitgehend geschlossene Block geöffnet werden. Eine öffentliche Passage soll vom Kurfürstendamm durch das Grundstück führen und sich im Inneren zu einem großen Hof erweitern.
„Quartier 231“: Wohnungen, Kita und öffentlicher Innenhof geplant
Entlang des Blockrands sind vor allem Wohnungen vorgesehen. Insgesamt soll ihr Anteil inzwischen rund 40 Prozent ausmachen. Das liegt deutlich über den mindestens 30 Prozent, die der Rahmenplan ursprünglich vorsieht. Dort ist zudem ein Anteil mietpreisgebundener Wohnungen nach dem Berliner Baulandmodell vorgesehen.
Im Erdgeschoss sollen Gastronomie und Einzelhandel die Passage und den Hof beleben. Eine Kita erhält einen geschützteren Innenbereich. Im zweiten Obergeschoss prüfen die Planer derzeit unter anderem einen Foodcourt und ein Fitnessstudio mit direkter Rolltreppenverbindung zum Kurfürstendamm. Ab dem fünften Obergeschoss erreicht der Block eine Traufhöhe von 22 Metern, bevor die Gebäude zurückspringen. Für die verschiedenen Häuser ist außerdem ein eigener Fassadenwettbewerb vorgesehen.

Die aktuelle Galeria-Filiale am Kurfürstendamm 231 prägt heute noch den gesamten Block in Berlin-Charlottenburg. Für das Areal ist mit dem „Quartier 231“ eine umfassende Neuentwicklung mit Wohnungen, Gewerbe und Hochhaus geplant. / © Foto: Wikimedia Commons, Dguendel, CC BY 3.0
Hochhaus am Kurfürstendamm: Baukollegium hält Entwurf für zu massiv
Den größten Konflikt löst in der 113. Sitzung des Baukollegiums der Hauptturm aus. Der Rahmenplan ermöglicht hier grundsätzlich einen Hochpunkt von bis zu 120 Metern. Der zweite Hochpunkt in Richtung Los-Angeles-Platz wurde gegenüber dem früheren Siegerentwurf bereits deutlich von 79 auf 61 Meter reduziert. Zugleich soll seine Schmalseite zum denkmalgeschützten Agrippina-Haus und zum Los-Angeles-Platz zeigen.
Doch dem Baukollegium reicht das nicht. Nach den in der Sitzung genannten Zahlen umfasst der aktuelle Entwurf rund 124.400 Quadratmeter Geschossfläche. Das Gremium hält diese Dichte für zu hoch und verweist auf die ursprünglich angesetzten rund 100.000 Quadratmeter. Vor allem der Hauptturm habe einen sehr großen Grundriss und füge sich noch nicht überzeugend neben Upper West, Zoofenster und Breitscheidplatz ein. Auch die geplante Krone überzeugte das Gremium bislang nicht.
Baukollegium fordert Architekturwettbewerb für Ku’damm-Hochhaus
Kritik gab es außerdem am Innenhof. Mit dem stark gestiegenen Wohnanteil müsse klarer zwischen öffentlichen und privaten Flächen unterschieden werden. Das Baukollegium vermisst zudem die früher geplanten öffentlichen Dachterrassen und Kulturflächen. Die Passage allein schaffe noch keinen ausreichend starken öffentlichen Ort.
Deshalb empfiehlt das Gremium mehr als den bisher vorgesehenen Fassadenwettbewerb. Für das Hochhaus sei ein vollständiger Architekturwettbewerb der bessere Weg. Damit bleibt der Entwurf vorerst ein Zwischenstand. Einen Baubeginn oder Fertigstellungstermin gibt es weiterhin nicht.
Quartier 231: Hochhaus am Kurfürstendamm
Quellen: 113. Sitzung des Baukollegiums Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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11 Kommentare
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Es erstaunt mich immer wieder, wenn irgendwelche Baugremien schrecklich gequält reagieren, wenn die Traufhöhe 72 m und nicht 61 m mißt, eine Nutzungsfläche 124.000 qm beträgt und nicht nur 100.000 qm oder eine Hochhauskrone angeblich zu mächtig ist. Wer ist dieses schöngeistige Baugremium? Würde das vom Bürger gewählt? Ist das so eine Art Olympiade lustiger Machtspielchen?
Geisteskranke Zusammensetzung des Baukollegiums!
113.Sitzung !!! Super konstruktiv – würde mich für die verschwendeten Finanzen interessiern.
Viel schlimmer, als bei uns in der Schweiz
Das Baukollegium bezieht seine Existenzberechtigung ganz offensichtlich aus Be- oder Verhinderung. Es ist bewundernswert, dass es überhaupt noch Unternehmen/Unternehmer gibt, die sich das antun!!
Also ich finde den Entwurf auch nicht gerade ansprechend. Dennoch frage ich mich auch, was die Kritik des Baugremiums genau soll? Als ob jetzt 10 m Unterschied entscheidend sind.
Dieses Gremium kommt mir wenig transparent, offen und auch wenig konstruktiv rüber.
Das Kollegium besteht aus Architekturprofessoren. Die Hauptaufgabe des Gremiums besteht anscheinend daraus, sicherzustellen dass neue Hochhäuser auf keinen Fall so groß oder größer werden als vorhandene Hochhäuser… warum auch immer.
Dieses Verhinderungskollogium gehört endlich abgeschafft, es kostet nur Geld und bringt nichts anständiges zustande.
Dieser Dilettantismus des Baukollegiums ist schwer zu ertragen.
Die Frage ist schon sehr berechtigt: wer ist dieses Baukollegium?? Gibt es dazu auch eine Antwort oder kann man dies irgendwo nachschauen?
Ich bin froh, dass es sowas wie ein Baukollegium gibt. Ansonsten hätten wir hier in Kürze amerikanische Downtowns mit maximaler Bruttogeschossfläche auf kleinstem Raum. Nichtsdestotrotz sollte man die Effizienz bei der Entscheidungsfindung des Baukollegiums hinterfragen, das ginge sicherlich besser. Warum man sich aber nicht mehr dem historischen Stadtbild mit seiner Gründerzeitarchitektur orientiert, blebt mir rätselhaft. Sehr schade, weil das das Berlin ist, dessen Reste heute noch den Charme der stadt ausmachen. Einzigartig sind nicht die modernen Hochäuser, wie sie auf der ganzen Welt derzeitig hochgezogen werden, sondern die typischen Berliner Gründerzeitgebäude.
Na toll und wieder wird ein Hochhaus in der City West kollektiv verhindert bzw. klein gehalten- (Hochaus Fan) danke
Auf der einen müssen mietpreisgebundene Wohnungen angeboten werden, Kita etc. und auf der anderen Seite wird die Geschossfläche verringert. und dann noch ein Architekturwettbewerb… Ein Wunder, dass überhaupt noch jemand in Berlin baut.