Ab 2026 übernimmt der Verein parallelgesellschaft e. V. den Ausstellungsbetrieb der kommunalen Galerie Nord im Brüder-Grimm-Haus in Moabit. Der Wechsel markiert das Ende einer mehr als 20-jährigen Ära und den Beginn eines neuen Kapitels für den Kulturstandort in der Turmstraße. Das neue Konzept setzt auf Beteiligung, Dialog und künstlerische Prozesse im Stadtteil.

© Foto: IMAGO / Schöning

 

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Das Bezirksamt Mitte hat entschieden: Der Verein parallelgesellschaft e. V. wird ab 2026 den Ausstellungsbetrieb der Galerie Nord im Brüder-Grimm-Haus fortführen. Die Entscheidung fiel nach einem Interessenbekundungsverfahren, an dem sich 28 Initiativen aus der Berliner Kunst- und Kulturszene beteiligten, ein deutliches Zeichen für die hohe Nachfrage nach öffentlichen Ausstellungsräumen in der Stadt.

Die neue Trägerschaft ist mit einer Projektförderung in Höhe von 60.500 Euro sowie der entgeltfreien Nutzung der Galerie verbunden. Das Bezirksamt betont, dass das Auswahlverfahren streng nach den Vorgaben der Landeshaushaltsordnung und auf Grundlage einer unabhängigen Juryentscheidung durchgeführt wurde. Diese setzte sich aus Fachleuten der Kunst- und Kulturszene sowie Vertreterinnen und Vertretern mit Bezug zum Stadtteil Moabit zusammen.

Neues Ausstellungsprogramm stärkt Nachbarschaftsdialog und kulturelle Teilhabe in Moabit

Das überzeugende Konzept des Vereins sieht ein vielstimmiges, prozessuales Ausstellungsprogramm vor, das den Dialog mit der Nachbarschaft entlang der Turmstraße stärken soll. Geplant sind drei kuratierte Ausstellungsphasen pro Jahr sowie ein umfangreiches Vermittlungs- und Outreach-Programm mit Workshops, Lesungen, Kooperationen mit lokalen Initiativen und einer Zusammenarbeit mit der JVA Moabit.

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So soll die Galerie Nord zu einem offenen Begegnungsraum werden, der Kunst, Stadtgesellschaft und Kiez gleichermaßen einbindet. Ziel ist es, zeitgenössische Kunst stärker im sozialen Umfeld zu verankern und neue Perspektiven auf urbane Teilhabe zu eröffnen. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger lobte das Konzept als „Verbindung von künstlerischer Qualität, Offenheit und einer starken Verankerung im Stadtteil“.

Nach zwei Jahrzehnten: Kunstverein Tiergarten übergibt Galerie Nord an neuen Betreiber

Mit dem Betreiberwechsel endet eine prägende Ära: Der Kunstverein Tiergarten hatte die Galerie Nord über mehr als 20 Jahre lang betreut und zu einem wichtigen Ort für zeitgenössische Kunst in Berlin entwickelt. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche Ausstellungen und Kooperationen mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die die Wahrnehmung des Hauses als profilierten kommunalen Ausstellungsort prägten.

Bezirksbürgermeisterin Remlinger würdigte das Engagement des Vereins ausdrücklich. Sie erklärte, sie blicke „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ auf die Veränderung: Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit gingen mit Vorfreude auf die neuen Impulse einher, die der Verein parallelgesellschaft e. V. mitbringe. Das neue Programm soll im zweiten Quartal 2026 starten.

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Historisches Brüder-Grimm-Haus: Neuer Impuls für Moabits kulturelle Infrastruktur

Das Brüder-Grimm-Haus in der Turmstraße 75 blickt auf eine lange Geschichte zurück. Zwischen 1874 und 1876 vom Stadtbaurat Hermann Blankenstein errichtet und 1914/15 von Ludwig Hoffmann erweitert, diente das Gebäude zunächst als Schulhaus. Nach Kriegszerstörungen wurde es an die moderne Nutzung der Turmstraße angepasst und erhielt seinen heutigen Namen durch die dort angesiedelte Brüder-Grimm-Bibliothek.

Heute beherbergt das denkmalgeschützte Haus mehrere Bildungseinrichtungen des Bezirksamts Mitte, darunter die Volkshochschule, die Musikschule Fanny Hensel sowie die Galerie Nord. Eine bekannte Kunstinstallation an der Außenfassade, „15 Buchstaben – 101 Wörter“ von Penelope Wehrli, greift spielerisch den Gebäudenamen auf und macht die Fassade seit 2022 in mehreren Sprachen zum leuchtenden Symbol für die kulturelle Vielfalt Moabits.

Mit dem Neustart der Galerie Nord unter neuer Trägerschaft wird die kulturelle Infrastruktur des Bezirks weiter gestärkt. Die Entscheidung zugunsten des Vereins parallelgesellschaft e. V. steht somit nicht nur für einen Generationenwechsel in der Berliner Galerienlandschaft, sondern auch für die Verbindung von Kunst, Stadtentwicklung und sozialem Engagement.

 

Quellen: Bezirksamt Mitte, Kultur-Mitte, Berlingeschichte

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