Der Verein Transiträume entwickelt sein langjähriges Engagement für kulturelle Zwischennutzungen weiter und überträgt die Prinzipien auf kurzzeitiges Wohnen. Projekte wie „Himmel unter Berlin“ und „House of Colour“ zeigen, wie flexibel Räume belebt werden können. Nun richtet sich der Blick verstärkt auf junge Fachkräfte, Studierende und Azubis, die kurzfristige Übergangslösungen benötigen.

Vorschlag des Vereins Transiträume: Wohnmodule, die technisch eher einem Hostel ähneln und für drei bis sechs Monate genutzt werden können – eine Zeitspanne, die vor allem für junge Fachkräfte, Studierende oder Azubis attraktiv sein soll. / © Visualisierung: Transiträume e.V., Tiny House Foundation
© Fotos: Transiträume e.V. / HuB
Der Berliner Verein Transiträume überraschte am vergangenen Freitag mit einer innovativen Idee zur Zwischennutzung leerstehender Gewerbeflächen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der Initiator Alexander Sascha Wolf erinnerte am Freitag im Rahmen seiner Präsentation an die aus seiner Sicht „geile 90er-Jahre-Erfahrung“ improvisierter Berliner Zwischennutzungen. Sein aktuelles Vorhaben setzt genau dort an: temporäre Wohnmodule in leer stehende Büroetagen zu integrieren: flexibel, kostengünstig und schnell realisierbar.
Transiträume selbst hat seit 2017 rund 60 Zwischennutzungsprojekte umgesetzt, darunter das populäre Kunstprojekt „The Haus“, kennt sich mit der Thematik also bestens aus. „Transitwohnen“, wie es Wolf nannte, soll nun das nächste Kapitel dieser Entwicklung markieren.
Das Ziel des Vereins Transiträume: Temporäre Nutzung von Immobilien für Künstler und Kreative
Das Konzept basiert auf der Idee, vorübergehende „Beherbergungen“ zu schaffen, nicht klassische Wohnungen. Da Büroimmobilien anderen Bauvorschriften unterliegen, wäre eine rechtliche Umwandlung zu komplex, so Wolf. Die Lösung: Wohnmodule, die technisch eher einem Hostel ähneln und für drei bis sechs Monate genutzt werden können – eine Zeitspanne, die vor allem für junge Fachkräfte, Studierende oder Azubis attraktiv sein soll.
Es ist kein Zufall, dass ein Verein wie Transiträume ein solches Projekt vorschlägt, denn die bislang umgesetzten Konzepte zeigen, dass die Projektinitiatoren große Expertise darin haben, ungenutzte Räume sinnvoll zu nutzen und revitalisieren, meist temporär.
Bevor ein Bauprojekt umgesetzt wird, kommt es oft zu jahrelangen Wartezeiten
Denn bevor ein Bauprojekt umgesetzt wird, kommt es mitunter zu jahrelangen Wartezeiten, während derer die Flächen vollkommen ungenutzt sind. Was im Berlin der 1990er Jahre zu einem weltweit bekannten Kulturprojekt avancierte – die künstlerische Zwischennutzung des Künstlerhauses „Tacheles“ in der Oranienburger Straße – macht der Verein seit mehreren Jahren zum zentralen Thema seiner Aktivitäten.
Dabei soll es jedoch nicht darum gehen – wie im Fall der Tacheles-Künstler – eine Heimat für Kunstschaffende zu finden, die für mehrere Jahre oder Jahrzehnte nutzbar ist, sondern um eine Zwischennutzung, bei der von vornherein klar ist, dass es sich um eine temporäre Nutzung handelt, die in einigen Fällen gar nur für wenige Wochen oder wenige Ausstellungstermine genutzt werden kann.
„Himmel unter Berlin“ und „House of Colour“: Die kulturellen Zwischennutzungen sind unterschiedlich ausgeprägt
Ein solches Projekt organisierte der Verein beispielsweise im Frühjahr 2022 in einem historischen Weinlager in Friedrichshain unweit des Strausberger Platzes, welches in eine unterirdische Kunst-Location verwandelt wurde. Das Kunstprojekt war Teil der Veranstaltungsreihe „Himmel unter Berlin“.
Ein anderes Beispiel ist das Projekt „House of Colour“, welches in den Peters-Höfen in der Gneisenaustraße in Berlin-Kreuzberg untergebracht ist. Dort werden niedrigschwellige Veranstaltungen für jedermann angeboten: Kunst, Kulinarik, Sport, Tanz oder andere Freizeitaktivitäten sollen hier eine Heimat finden.
Der Geist des Berlins der 1990er und 2000er Jahre soll reaktiviert werden
Mit dem Konzept der temporären Zwischennutzung will der Verein ganz offenbar an die Zeiten der 1990er und 2000er Jahre anknüpfen, als im Berlin der Nachwende-Ära vieles möglich war, und nur wenig reguliert.
Zwischennutzung war das Schlagwort in dieser Zeit. Im Wirrwarr des wiedervereinigten Berlins ergaben sich in unzähligen Lagerhallen, Wohnungen, Kellern und Fabrikgebäuden völlig neue Nutzungsmöglichkeiten und Kreativkonzepte, die von Künstlerinnen und Künstlern ersonnen, ausprobiert und umgesetzt wurden.
Ein Ansatz, der ganz offenbar auch im Berlin der 2020er Jahre noch hervorragend funktioniert und spannende Zwischennutzungen in brachliegenden Immobilien ermöglicht. Wer mehr über den Verein erfahren möchte, wird hier fündig.

Der Berliner Verein „Transiträume“ organisiert kulturelle Zwischennutzungen für leerstehende Immobilien und vermittelt zwischen Kreativen, Politikern und Immobilieneigentümern – und ermöglicht damit temporäre Kulturprojekte. / © Foto: Transiträume e.V. / HuB

Licht- und Klanginstallationen von insgesamt 14 internationalen Künstlern waren Teil der Ausstellungsreihe „Himmel unter Berlin“, die in Berlin-Friedrichshain vor einigen Jahren zu sehen war. / © Foto: Transiträume e.V. / HuB
Quellen: Transiträume e.V., HuB, EUREF AG, Tiny House Foundation
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