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Die Berliner Kulturbrauerei steht vor einem tiefen Einschnitt. Wegen steigender Mietforderungen der Eigentümergesellschaft Aroundtown erwägt das Land Berlin, die bislang genutzte Fläche für gemeinwohlorientierte Kultur von 4.500 auf 3.000 Quadratmeter zu reduzieren. Für zahlreiche kulturelle Initiativen und Kreativbetriebe könnte dies das Aus bedeuten.

Die Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee

Die Kulturbrauerei ist ein weitläufiges Ensemble historischer Backsteinbauten aus dem späten 19. Jahrhundert mit mehreren Innenhöfen und markanten Industriearchitekturen. Die sorgfältig sanierten Gebäude beherbergen heute ein vielfältiges Kultur- und Kreativangebot. / © Foto: Wikimedia Commons, Dosseman, CC BY-SA 4.0

© Foto: Wikimedia Commons, Dosseman, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Martin Abegglen from Bern, Switzerland, CC BY-SA 2.0 

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Die Zukunft der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg sorgt aktuell für heftige Debatten. Hintergrund sind gestiegene Mietforderungen der Eigentümergesellschaft Aroundtown, die das Land Berlin dazu veranlassen könnten, künftig deutlich weniger gemeinwohlorientierte Flächen anzumieten als bisher. Statt 4.500 Quadratmetern sollen nur noch 3.000 Quadratmeter bestehen bleiben. Eine Entscheidung, die zahlreiche kulturelle und soziale Einrichtungen hart treffen würde.

Der Bezirk Pankow und insbesondere die SPD-Fraktion warnen vor weitreichenden Folgen für den Kulturstandort. In einem Antrag an die Bezirksverordnetenversammlung fordert die Fraktion das Bezirksamt auf, sich bei der Senatsverwaltung für Kultur für den Erhalt der bisherigen Fläche einzusetzen. Man müsse verhindern, dass wichtige kulturelle Mieter verdrängt werden, heißt es.

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Panda Platforma, 17 Hippies und Alte Kantine fürchten Verdrängung durch geplante Flächenkürzung

Von den geplanten Kürzungen wären besonders die Einrichtungen betroffen, die nicht institutionell gefördert werden. Dazu zählen Panda Platforma, die Band 17 Hippies, die Alte Kantine, das Tourismusangebot Berlin on Bike, die Kindertheaterschule sowie eine Kinderkampfkunstschule. Ihre Zukunft wäre ungewiss, da sie sich die zu erwartenden, höheren Mietpreise kaum leisten könnten.

SPD-Politikerin Stephanie Wölk erklärte laut Tagesspiegel, der Bezirk habe Ende Oktober einen Brandbrief der betroffenen Mieterinnen und Mieter erhalten. Darin sei auf die Gefahr hingewiesen worden, dass der gewachsene Kulturmix auseinanderbrechen könnte. Wölk sagte laut BVV-Sitzung, nach bisherigen Erfahrungen mit Aroundtown sei zu befürchten, dass frei werdende Flächen an „kulturferne, höherpreisige Nutzungen“ vergeben würden.

Mieterhöhungen von Aroundtown setzen Kulturstandort Kulturbrauerei massiv unter Druck

Aroundtown, einer der größten Immobilienkonzerne Europas, besitzt das Gelände seit mehreren Jahren. Laut SPD und Tagesspiegel haben deutliche Mietsteigerungen dazu geführt, dass eine Fortführung des bisherigen Vertragsvolumens für das Land Berlin finanziell schwieriger geworden sei. Die Eigentümergesellschaft war in der Vergangenheit immer wieder wegen mangelnder Pflege und hoher Preisforderungen kritisiert worden.

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Die Folge: Projektgeförderte oder rein eigenfinanzierte Kulturstätten geraten zunehmend unter Druck, während institutionell abgesicherte Einrichtungen wie das Kesselhaus/Maschinenhaus, das Haus der Poesie oder das Theater RambaZamba weiterhin bestehen könnten. Damit würde der bisherige Charakter des Standorts verloren gehen, so die Kritik.

BVV Pankow fordert Erhalt der 4.500 Quadratmeter gemeinwohlorientierter Kulturflächen

Auch andere Fraktionen in der Pankower BVV äußerten sich besorgt. Grünen-Politikerin Silke Gänger betonte laut Tagesspiegel, die Kulturbrauerei sei eine der wichtigsten Kulturstätten Berlins. Es sei daher entscheidend, die gemeinwohlorientierten 4.500 Quadratmeter nicht „der maximalen Verwertung“ zu überlassen. Gänger sagte laut Sitzung, diese Räume seien „unwiederbringlich verloren“, sollten sie aufgegeben werden.

Die Bezirksverordneten stimmten dem SPD-Antrag zu und forderten das Land Berlin offiziell auf, auch künftig die vollständige Fläche anzumieten. Die Kulturbrauerei sei ein kulturwirtschaftliches Modell mit jährlich rund 2,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern und ein identitätsstiftender Ort für den Stadtteil. Ein Rückzug des Landes würde diese Struktur nachhaltig gefährden.

Ob die Senatsverwaltung die Flächen in voller Größe weiterführt, bleibt abzuwarten. Jedoch geht der Konflikt weit über einzelne Mieter hinaus. Es geht um die Frage, welchen kulturellen Anspruch Berlin in Zeiten steigender Mieten stärken will und ob langjährig gewachsene Orte wie die Kulturbrauerei eine Zukunft haben sollen, die mehr ist als ihre ökonomische Verwertbarkeit.

Quellen: SPD-Fraktion Pankow, Tagesspiegel, Kulturbrauerei

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