Berlins Kulturbauten schreiben weiter an einer Geschichte aus Verzögerungen, Kostensteigerungen und politischer Verantwortungsteilung. Bauhaus-Archiv, Komische Oper, Museum der Moderne und Pergamonmuseum stehen exemplarisch für offenkundige strukturelle Probleme.

Ob am Kulturforum, in Mitte oder auf der Museumsinsel: Mehrere bedeutende Kulturprojekte der Hauptstadt überschreiten Zeit- und Kostenrahmen deutlich. Die Ursachen sind vielschichtig, die Konsequenzen gravierend. Hier ist die Baustelle des Bauhaus-Archivs in Berlin-Tiergarten zu sehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Nachricht darüber, dass das aufwendige Sanierungs- und Ausbauprojekt am Bauhaus-Archiv in Berlin-Tiergarten deutlich teurer werden soll, wird in Kulturkreisen vermutlich mit Schulterzucken wahrgenommen worden sein, schließlich reiht sich das Projekt damit ein in eine erkleckliche Auswahl verzögerter und finanziell völlig in Schieflage geratene Kulturbauvorhaben in Berlin.
Neben dem Umbau des Bauhaus-Museums unweit des Lützowplatzes ist auch das Museum der Moderne, welches im Kulturforum am Potsdamer Platz errichtet wird, ein Beispiel dafür, wie weit ursprüngliche Kalkulationen und tatsächliche Kosten auseinander liegen können.
Bauhaus-Archiv, Pergamon, Koimsche Oper, Museum der Moderne: Berlins schwierige Kulturprojekte
Aber immerhin läuft der Bau im Ortsteil Tiergarten, was man vom geplanten Umbau der Komischen Oper am Boulevard Unter den Linden in Berlin-Mitte nicht behaupten kann. Die Arbeiten an der umstrittenen Erweiterung des Opernhauses ruhen derzeit größtenteils, während nach Wegen für die Weiterführung des kostspieligen Umbaus gesucht wird.
Das wohl komplexeste der großen Berliner Kulturbauprojekte befindet sich allerdings auf der historischen Museumsinsel am Kupfergraben. Dort soll das weltberühmte Pergamonmuseum bis tief in die 2030er Jahre hinein modernisiert und baulich erweitert werden. Ein Mammutprojekt, welches nicht nur den zeitlichen sondern auch den ursprünglich avisierten Kostenrahmen längst gesprengt hat.
Woher kommen die Probleme bei Berlins Kultur-Großbaustellen?
Die Frage ist nur, woher diese unrühmliche Kontinuität bei kulturellen Großprojekten rührt. Bevor man hier in das (häufig berechtigte) Bashing des Berliner Senats verfällt, sei gleich zu Beginn festgehalten, dass zwei dieser vier Bauprojekte von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verantwortet werden – und damit vom Bund.
Sowohl der Umbau des Pergamonmuseums als auch der Neubau des Museums der Moderne, welches nach Plänen des Büros Herzog & de Meuron umgesetzt wird, fallen in die Zuständigkeit der SPK, bis vor kurzem noch geleitet von Hermann Parzinger. Mittlerweile steht Prof. Dr. Marion Ackermann der Kulturstiftung vor.
Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berliner Senat und Bauhaus-Archiv in der Verantwortung
Beim Umbau der Komischen Oper hingegen trägt der Berliner Senat die volle Verantwortung, während die Sanierung und Erweiterung des Bauhaus-Archivs und -Museums von der Institution selbst getragen wird.
Am Lützowufer ist immerhin bereits der neue Turm des Bauhaus-Museums sichtbar, doch rundherum präsentiert sich das Areal noch immer als große Baustelle, obwohl das Projekt nach ursprünglichen Plänen bereits im Jahr 2021 abgeschlossen werden sollte, also vor rund vier Jahren.
Neuer Zeitplan: Bauhaus-Archiv soll erst 2027 fertig werden
Zuletzt war spekuliert worden, dass der Bau bis zum Herbst 2025 abgeschlossen werden kann, doch diese Hoffnung hat sich mittlerweile wieder zerschlagen. Nach einem aktuellen Bericht der Berliner Morgenpost verschiebt sich die Eröffnung um weitere zwei Jahre auf das Jahr 2027.
Brigitte Franzen, ab April 2026 neue Direktorin des Bauhaus-Archivs, musste diesen neuen Zeitplan im Rahmen ihrer eigenen Vorstellung gleich mit verkünden. Mittlerweile ist das Museum seit über sieben Jahren geschlossen. Nach Fertigstellung der Modernisierung und Erweiterung wird aller Voraussicht nach also fast ein ganzes Jahrzehnt vergangen sein.
Museum der Moderne im Kulturforum: Verzögerung der Bauarbeiten um ganze zwei Jahre
Immerhin aber gibt es eine zeitliche Perspektive für das Bauhaus-Museum. Auch das Museum der Moderne hat diese Perspektive, doch auch hier gibt es, wenig überraschend, eine deutliche Verzögerung.
Die Ursachen für den Rückstand sind nach einem Bericht der Beauftragten für Kultur und Medien an den Bundestag vielschichtig. Neben einer verspäteten Rohbaufertigstellung werden insbesondere Koordinationsprobleme zwischen den beteiligten Gewerken sowie eine verzögerte Planung durch Architektinnen und Architekten genannt.
Kulturforum: Neues Museum der Moderne soll nicht vor 2028 eröffnet werden
Der gesamte Zeitplan gerät dadurch ins Wanken, mit weitreichenden Folgen für die Eröffnungsperspektive. Ursprünglich sollte das Museum 2026 seine Türen öffnen. Inzwischen wird ein realistischer Fertigstellungstermin frühestens im Jahr 2028 angenommen.
Damit vergrößert sich die Bauzeit um ganze zwei Jahre; eine Entwicklung, die sowohl für die Öffentlichkeit als auch für die beteiligten Institutionen zur Belastung wird.
Baukosten für Neubau im Tiergarten steigen auf 526 Mio. Euro
Mit der Verzögerung steigen auch die Kosten des Projekts. Ursprünglich waren für den Neubau 200 Millionen Euro eingeplant. Bis zum Baubeginn im Jahr 2019 erhöhte sich diese Summe auf rund 450 Millionen Euro, inklusive Baupreissteigerungen und Risikoreserven.
Inzwischen liegen die geschätzten Gesamtkosten bei rund 526,5 Millionen Euro. Diese Entwicklung ist nicht nur dem Zeitverzug geschuldet, sondern auch der technischen und gestalterischen Komplexität des Bauwerks. Weitere Kostensteigerungen sind derzeit wohl nicht ausgeschlossen. Insbesondere die nächsten großen Vergabepakete – etwa für Fassade, Dach und Innenausbau – könnten das Budget zusätzlich belasten.
Für die Erweiterung der Komischen Oper fehlt derzeit jegliche Perspektive
Noch sehr viel verfahrener ist jedoch die Situation bei der geplanten Sanierung und Erweiterung der traditionsreichen Komischen Oper. Das Projekt leidet wie kaum ein anderes unter den harten Einsparungen des Berliner Senats im Kultursektor.
Die Komische Oper, zwischen Glinkastraße und Unter den Linden gelegen, soll nach den Plänen des nordrheinwestfälischen Architektenteams kadawittfeldarchitektur umgebaut und modernisiert werden.
Der geplante Umbau der Komischen Oper ist eine planerische und bauliche Herausforderung
Der Saal von 1898, im Neorokoko-Stil errichtet, ist ein Teil des historischen Erbes des Gebäudes. Die Foyers und die Fassade an der Behrenstraße, die 1967 in strengem, modernen Stil errichtet wurden, sind der zweite. Der dritte Aufsatz – der bislang geplante Umbau – muss also mit diesen beiden architektonischen Vorgängern so gut wie möglich korrespondieren.
Eine schwere Aufgabe, deren geplante Umsetzung nicht nur Freunde hat. Vor allem regt sich Widerstand gegen das Projekt von einer sogenannten “Allianz Berliner Bürgervereine”. Dazu gehören unter anderem der Verein Berliner Historische Mitte, das Forum Stadtbild Berlin oder der Stadtbild Deutschland e.V. Insgesamt fünf Bürgerverein haben sich in dieser Allianz zusammengetan.
„Allianz Berliner Bürgervereine“ kritisiert geplanten Umbau der Komischen Oper
Gemeinsam hatten sie im Juni 2023 eine Pressemitteilung veröffentlicht, mit der sie gegen die Umbaupläne am Boulevard Unter den Linden protestierten. Der Entwurf von kadawittfeldarchitektur stößt bei den Berliner Bürgervereinen auf Ablehnung, da sie eine schwere Bausünde an Berlins Prachtboulevard fürchten.
Adressiert wurde der damals neu ins Amt gekommene Bürgermeister Kai Wegner in der Hoffnung, dass der bestehende Entwurf noch einmal überarbeitet werden könne. Doch dieser legte das Projekt erst einmal gänzlich auf Eis.
Komische Oper: Neubau wird eine Fläche von 8.600 Quadratmetern umfassen
Der Neubau, so er denn realisiert wird, soll eine Fläche von 8.600 Quadratmetern umfassen. Die künftige Fassadengestaltung setzt auf den Einsatz unterschiedlicher Materialien wie Stein, Stahl, Keramik und Streckmetall in unterschiedlichen Champagner- bis Rottönen. Die bereits bestehende Fassadengestaltung enthält auch Sandsteinelemente.
Doch bevor wirklich gebaut wird, wird erst einmal die bestehende Bausubstanz analysiert. Damit soll der Erkenntnis Rechnung getragen werden, dass Bauen im Bestand eine umfassende Analyse des Gebäudes und seiner Bausubstanz voraussetzt. Wann diese Arbeiten mit voller Kraft fortgesetzt werden soll, steht allerdings in den Sternen.
Das Marathon-Projekt: Der Umbau des Pergamon-Museums
Das langwierigste aller genannten Projekte ist jedoch der hochkomplexe Um- und Ausbau des in den 1920er Jahren errichteten Pergamonmuseums. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hatte im März 2023 mit einem überraschenden und völlig unerwarteten neuen Zeitplan für die Sanierung und den Umbau des historischen Pergamonmuseums aufgewartet.
Zuerst einmal wurde verkündet, dass das Museum im Oktober 2023 für die kommenden vier Jahre komplett geschlossen wird, was schließlich auch erfolgt ist. Die Fertigstellung der Sanierung von Nord- und Mittelflügel, die derzeit läuft, ist zwar für das Jahr 2025 vorgesehen, doch erst im Frühjahr 2027 soll dieser Teil des Museums dann wieder für den regulären Betrieb öffnen.
Der Südflügel des Pergamonmuseums bleibt noch für über zehn Jahre geschlossen
Noch viel länger geschlossen bleiben wird allerdings der Südflügel des Museums, der bis dahin nicht Teil der Sanierungsarbeiten war. Hier gehen die Experten von einer etwa 14-jährigen Bauzeit aus, währenddessen der Museumsteil nicht zugänglich sein wird. Derzeit plant die Stiftung, die Umbauarbeiten bis 2036 fertigzustellen und diesen Teil des historischen Gebäudes ab 2037 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Eine geradezu schwindelerregende Perspektive. Der südliche Gebäudeteil befinde „sich in einem sehr schlechten Bauzustand, der Auswirkungen auf die Standsicherheit des Gebäudes und auf die Sicherheit der Exponate hat“, teilte die Stiftung mit. Nun wurde im Rahmen eines Baustellenrundgangs nicht nur die zeitliche, sondern auch die finanzielle Perspektive für das Großprojekt präsentiert.
Die Sanierung und Erweiterung des Pergamonmuseums soll insgesamt rund 1,5 Mrd. Euro kosten
Der erste Abschnitt der Sanierungsarbeiten habe bereits 489 Millionen Euro gekostet, erklärte Petra Wesseler, die Leiterin des für die Baumaßnahmen zuständigen Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), während eines Rundgangs über die Baustelle. Für den zweiten Abschnitt werde mit Kosten von 722,4 Millionen Euro gerechnet. Zusammen mit knapp 300 Millionen Euro, die für Risiken und Preissteigerungen eingeplant seien, könnten sich die Gesamtkosten der Sanierung des Pergamonmuseums auf 1,5 Milliarden Euro belaufen. Finanziert wird das Projekt vollständig vom Bund.
Ob die vorgesehenen Rücklagen für unvorhergesehene Risiken tatsächlich benötigt würden, wird sich wohl erst im weiteren Bauverlauf zeigen. Die Projektverantwortlichen betonen zudem, dass die gesamte Baumaßnahme vollständig aus Bundesmitteln finanziert werde.
Museumsinsel: Auch der Zeitplan für das Pergamonmuseum steht auf wackeligen Füßen
Die Bauarbeiten im Südflügel, die im März 2025 begonnen haben, beinhalten auch die Errichtung des vierten Flügels, die Anbindung an die übrigen Häuser der Museumsinsel über die Archäologische Promenade und die Neugestaltung der Außenanlagen.
Betrachtet man die Genese dieser vier Kultur-Großbaustellen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch beim Pergamonmuseum angesichts der schwer zu kalkulierenden Einflüsse und Faktoren weitere zeitliche und finanzielle Veränderung eintreten könnten. Auch das würde man in Expertenkreisen wohl nur mit einem Schulterzucken quittieren. Ein Umstand, der zu denken geben sollte.

Die Berliner Kulturlandschaft wartet – auf Neubauten, Sanierungen und klare Perspektiven. Eines der unsichersten Bauvorhaben ist die Sanierung und Erweiterung der Komischen Oper. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Mammutprojekt auf der Museumsinsel: Bis 2037 soll der Um- und Ausbau des Pergamonmuseums andauern, nach aktuellem Stand. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bauhaus-Archiv, Herzog & de Meuron, kadawittfeldarchitektur
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