Im Romanischen Café der 1920er-Jahre trafen Künstler, Intellektuelle und vor allem selbstbewusste Frauen aufeinander, die ihre Freiheit lebten. Ihre Präsenz veränderte das Bild der Berliner Bohème, bevor die Diktatur alles zum Schweigen brachte.

Else Lasker-Schüler, Jeanne Mammen, Renée Sintenis: sie alle prägten das Leben im Romanischen Café. Doch mit dem Ende der Weimarer Republik verschwand auch ihre Bühne: die Berliner Bohème. / Foto: Wikimedia Commons

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons

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Hier könnt Ihr den ersten Teil zum Romanischen Café lesen und hier den zweiten Teil.

Die Klientel im Romanischen Café bestand aber nicht nur aus der Dominanz der Männer, sondern wurde auch von Frauen begleitet, die im Café verkehrten.

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Emanzipierte Frauen im Romanischen Café

Die Frauen, die sich ins Romanische Café „trauten“, waren durchweg emanzipiert – egal, welche Beweggründe sie in diese bekannte Künstlerszene der Stadt führten. Und die im Café verweilenden Maler, angeblich der Architekturdarstellung verpflichtet, fanden in diesen Damen Objekte, die aufgrund ihrer Ausstrahlung genug Anlass gaben, sie auf dem Papierbogen mit Bleistift oder auf Aquarellen zu verewigen.

Diese der Malkunst zugewandten Künstler widmeten der besonderen Atmosphäre des Cafés ihre Aufmerksamkeit, speziell auch den Frauen, die hier regelmäßig anzutreffen waren. Das Verhalten dieser Frauen lässt vermuten, dass sie über genügend Selbstbewusstsein verfügten, um sich in dieser brisanten Szenerie zurechtzufinden.

Die Beweggründe waren naturgemäß völlig unterschiedlich. Einerseits kamen Damen ins Café, die auf Männerfang aus waren: jung, modebewusst und der Neuen Sachlichkeit zugewandt. Andererseits waren andere vom Typus her ganz anders unterwegs, wie etwa Jeanne Mammen, die Malerin, die Kaffeehausszenen in Aquarellen verewigte.

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Else Lasker-Schüler, Jeanne Mammen oder Valeska Gert verkehrten regelmäßig im Romanischen Café

Weitere bekannte Frauen verkehrten regelmäßig in diesen Kreisen, wie Else Lasker-Schüler, die Permanentraucherin, oder Valeska Gert, die Tänzerin. Auch Ruth Landshoff, eine aus Berlin-Schöneberg stammende deutsch-amerikanische Schauspielerin und Schriftstellerin, gehörte dazu.

Nicht zu vergessen Renée Sintenis, die Bildhauerin, die aus Galizien stammende Elisabeth Bergner, eine österreichisch-britische Theater- und Filmschauspielerin, in die angeblich „das ganze Café verliebt war“, und nicht zu vergessen Leni Riefenstahl, die angeblich von im Café verkehrenden Filmregisseuren darauf angesprochen worden war, Probeaufnahmen machen zu lassen oder in deren Filmen mitzuwirken.

Die Liste der Frauen, die im Romanischen Café verkehrten, ließe sich beliebig fortführen, aber allein diese Aufzählung unterstreicht zur Genüge, welche Rolle diese emanzipierten Frauen im Romanischen Café spielten.

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Romanisches Café alias „Rachmonisches Café“

In den 1920er-Jahren nannten viele Stammgäste das Romanische Café scherzhaft so, denn als sich die Ära der Weimarer Republik unvermeidlich ihrem Ende zuneigte, nahmen auch die politischen Auseinandersetzungen mit einer zunehmenden Gewalttätigkeit zu.

„Rachmonisch“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „erbarmungswürdig“, denn in der Umgebung am heutigen Breitscheidplatz blühte der Schwarzmarkt, und es tummelten sich Devisenschieber.

Zocker und Spekulanten pausierten im Romanischen Café

Ein Zentner Kohle kostete mehr als das Aktienpaket eines ganzen Bergwerks. Im „Rachmonischen“ pausierten die Zocker und Spekulanten, aber sie saßen immerhin in Sichtweite der dichtenden Hungerleider und Theaterleute der umliegenden Bühnen, und zu jener Gruppe gehörten auch viele Juden.

Auch NS-Propagandaminister Goebbels hetzte gegen die „Fäulnis“ und „Geistigkeit der Asphaltdemokratie“ rund um die Gedächtniskirche und trug somit zu den Provokationen der nationalsozialistischen Schlägertrupps gegen jüdische Passanten bei.

Für die Nationalsozialisten war das Romanische Café ein bewusstes Ziel ihrer Krawalle

Bereits am 20. März 1927 veranstalteten Nationalsozialisten einen Krawall am Kurfürstendamm, bei dem unter anderem auch das Romanische Café ein bewusst ausgewähltes Ziel des Vandalismus war.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten und die damit verbundene Emigration vieler, oftmals jüdischer Stammgäste bedeuteten das endgültige „Aus“ als Künstlercafé. So verlor das Romanische Café allmählich seinen Status als Sammelpunkt für die Künstler- und Intellektuellenszene der Reichshauptstadt.

Charlottenburg: Ab 1933 nahm die Zahl der prominenten Gäste im Café rapide ab

Ab 1933 nahm die Zahl der prominenten Stammgäste rapide ab, denn viele gingen ins Exil, wurden verhaftet, vertrieben oder begingen Suizid. Als Ergebnis dessen wurde das legendäre „Bassin für Schwimmer“ zu einem ordinären Bierlokal.

An den Marmortischen des legendären „Schwimmerbassins“ besetzte man Rollen für kommende Bühnenstücke, und nach den Vorstellungen strömte erst recht alles herbei. Nach Premieren gierte man nach den Morgenzeitungen, die bereits gegen Mitternacht herauskamen und mit den Kritiken von Alfred Kerr und Herbert Ihering versehen waren. Darüber wurde leidenschaftlich und unbedingt debattiert, denn wegen des Essens kam man ja nicht.

Es gab maximal „Makrönchen, Schnitzel, Bockbier, Buttercreme und jede Menge dichten Tabakqualm“. Und politisch war man in den „katzengoldenen Zwanzigern“ umso mehr mittendrin.
In den „Bassins“ trafen vor allem linke und ultralinke Cliquen aufeinander, die allerdings jeden Kontakt mieden.

Die Zeit des „bunten Treibens“ im Romanischen Café war endgültig vorbei

Und dann war ab 1933 das bunte Treiben im Romanischen Café und in seiner Umgebung als „der verheißungsvolle Ausdruck einer neuen Zeit mit den Ansätzen zu einem demokratischen Großstadtfrohsinn“ vorbei.

Bald stampften rechte und linke Radikale vor den Fenstern des Romanischen Cafés und brüllten ihre Kampfeshymnen. Zeitzeugen berichten, mit „welcher Elastizität sich auch im Romanischen Café eingefleischte ehemalige Linksleute in Nazis verwandeln konnten“.

Breitscheidplatz: Die Gestapo zog ein und besetzte ihren eigenen Marmortisch

Spitzel tauchten auf, so „wie ein angeblich sozialdemokratischer Polizeileutnant, der sich mit allen Roten, Rötlichen und Schwarzrotgoldenen vertraut gemacht hatte und bald nach der Machtergreifung als Gestapo-Funktionär die Verhaftungen vornahm“. Danach nahmen ab 1933 die uniformierten Gestapo-Burschen Platz an einem eigenen Marmortisch.

Nachdem im Juli 1933 das Romanische Café seinen Zeitungspark, der aus mehreren hundert deutschen und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften bestand, auflöste, war das Café kein Lesecafé mehr und versank spätestens jetzt in der Bedeutungslosigkeit.

Bedeutungslosigkeit und Ende der Berliner Bohème

Außenstehende mögen dies als banale Nachricht empfunden haben – dass dieser Umstand aber den finalen Abschluss eines Kapitels Berliner Kulturgeschichte bedeutete, begriffen vor allem diejenigen, die sich vorher dort als Stammgäste wohlfühlten.

Das Ende der Berliner Bohème, die im Romanischen Quartier ihr „Hauptquartier“ hatte, war somit besiegelt. Gelangten die ehemaligen Stammgäste unbeschadet ins Exil, zumeist vorerst nach Frankreich, bevölkerten sie später das Café de la Paix in Paris, und die Stammplätze im Berliner Romanischen Café waren nun frei.

Als die deutsche Wehrmacht Paris und große Teile Frankreichs besetzt hatte, mussten die Exilanten unter teilweise verheerenden Umständen wieder weiterziehen, hauptsächlich über den Atlantik Richtung Westen.

Nationalsozialismus: Neue Gäste in einem „endlich deutschen“ Kaffeehaus

Die neuen Besucher, die jetzt die frei gewordenen „Stammplätze“ belegten, waren nicht so erpicht auf Zeitungen wie die vorher ausgewanderte Stammkundschaft, die es einst verstanden hatte, aus der Berliner Presse ein Machtinstrument für sich zu machen.

Die danach das Romanische Café bevölkernden Gäste hatten auch gar nicht die Zeit, ganze Nachmittage oder Tage lang in diesem Kaffeehaus zu sitzen, zu diskutieren und zu intrigieren. Presse, Film, Theater, Literatur und andere künstlerische Gattungen hatten jegliche Bohèmezüge verloren, denn in all diesen „Kulturkammerzweigen“ wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten „angespannt, klar und sauber gearbeitet, und bleibt dem Einzelnen darüber hinaus noch freie Zeit neben seinem Beruf, so wird sie dem Sport oder dem Dienst in der SS und SA gewidmet“.

Der große Zeitungspark des Romanischen Cafés war überflüssig geworden

Der große Zeitungspark dieses westlichen Kaffeehauses war überflüssig geworden, und sein letzter Verwalter, der von den Trinkgeldern lebte, die ihm die einzelnen Stammgäste dafür zahlten, dass er ihre Leibzeitungen an den Tisch brachte, hatte sich überlegt, dass er als Facharbeiter bei Siemens & Halske sich und dem Vaterland besser diente.

Und das Ende der Bohème hatte aus dem Romanischen Café endlich ein deutsches Kaffeehaus gemacht. (Die letzten Passagen stammen wortwortlich aus dem „Berliner Bär“, Juli 1933, Anmerkung der Redaktion)

Die weitere Geschichte des Romanischen Cafés werden wir in anschließenden Folgen beschreiben – Fortsetzung folgt…

 

Hier könnt Ihr den ersten Teil zum Romanischen Café lesen und hier den zweiten Teil.

 

Quellen: Buch „Das Romanische Café im Berlin der 1920er Jahre“ (verlag für berlin-brandenburg), Wikipedia, Berliner Zeitung, Landesdenkmalamt Berlin

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