In Berlin-Kreuzberg soll bis Ende 2026 eine neue Geflüchtetenunterkunft in einem ehemaligen Bürogebäude an der Hasenheide entstehen. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg kritisiert die Planungen des Senats deutlich und fordert mehr Mitsprache, soziale Infrastruktur sowie eine Großküche für die Bewohnerinnen und Bewohner statt Catering.

An der Hasenheide, an der Grenze zwischen Neukölln und Kreuzberg, entsteht derzeit eine Unterkunft für bis zu 1.500 Geflüchtete. Schon vor dem Bezug sorgt das Projekt für politischen und gesellschaftlichen Streit darüber, wie viel Geld in Integration und soziale Teilhabe investiert werden sollte. / © Foto: IMAGO
© Fotos: IMAGO
Im ehemaligen Bürogebäude an der Hasenheide 23–27 in Berlin-Kreuzberg sollen ab Ende 2026 bis zu 1000 Geflüchtete untergebracht werden. Die Pläne sehen die Aufnahme von Familien und unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten vor. Zwölf Willkommensklassen sind Teil des Konzepts.
In einer Sondersitzung im Rathaus Kreuzberg formulierte der Bezirk deutliche Kritik. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) forderte zusätzliche Mittel in Höhe von zwei Millionen Euro sowie Raum für soziale Einrichtungen. Sie warnte laut dem Tagesspiegel davor, so viele Menschen in einem ohnehin strukturschwachen Quartier wie der Werner-Düttmann-Siedlung unterzubringen.
Sozialraum überlastet: Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg fordert Raum und Angebote für Integration
Herrmann betonte, der Bezirk verstehe sich als „Willkommensbezirk“, sehe jedoch große Herausforderungen für den Sozialraum. In dem Viertel lebten viele Menschen in prekären Verhältnissen, Grün- und Rückzugsflächen seien knapp. Die Integration von 1000 neuen Bewohnerinnen und Bewohnern sei nur mit ausreichend Raum und Angeboten möglich.
Auch das geplante Verpflegungskonzept stieß auf Kritik. Die Geflüchteten sollen per Catering versorgt werden und erhalten kein Geld für eigene Einkäufe. Der Bezirk fordert stattdessen die Einrichtung von Großküchen zur Selbstverpflegung. Herrmann erklärte laut Sitzung, Kochen habe auch mit Selbstbestimmung und Teilhabe zu tun.
Kritik an Willkommensklassen: Bezirk fordert Räume für Beratung und Gesundheit an der Hasenheide
Die zwölf vorgesehenen Willkommensklassen sollen laut Senatsverwaltung im Gebäude selbst eingerichtet werden. Bezirksverantwortliche kritisieren das. Sie wünschen sich stattdessen Räume für Beratung, Begegnung oder Freizeitangebote. Der CDU-Stadtrat für Jugend und Gesundheit, Max Kindler, wies darauf hin, dass auch das Gesundheitsamt Räume benötige, etwa für Impfungen.
Die Senatsverwaltung verweist hingegen auf den Mangel an Schulplätzen in Berlin. Gleichzeitig soll die Reinhardswald-Grundschule in Kreuzberg ab 2028 aufgrund schwerer baulicher Mängel abgerissen werden und ein Wiederaufbau ist nicht geplant. Catharina Rehse, Leiterin der Sozialabteilung, sagte, das Catering sei gesetzlich vorgeschrieben. Willkommensklassen seien notwendig, da man nicht alle Kinder in Regelschulen unterbringen könne. Gleichzeitig betonte sie, viele Vorschläge aus dem Bezirk prüfen zu wollen.
Wohnen auf engem Raum: Herrmann plädiert für integrative Lösungen trotz Rechtslage
Die Unterkunft hat noch keinen Betreiber. Der Bezirk fordert Mitspracherecht bei der Auswahl, da dieser auch über die Nutzung der Räume entscheidet. Herrmann kritisierte, dass die Menschen dort in Mehrbettzimmern ohne ausreichende Außenflächen wohnen sollen. Sportmöglichkeiten fehlen, Rückzugsräume ebenso.
Die Monatsmiete beträgt laut Senatsverwaltung rund 1,2 Millionen Euro, gezahlt an die private Eigentümerin, die Kaphag-Unternehmensgruppe. Ein Kauf sei gescheitert, da die Kaphag-Unternehmensgruppe nicht verkaufen wolle. Ein ursprünglich geforderter Mehrzweckraum mit 400 Quadratmetern wurde auf 130 Quadratmeter reduziert, zugunsten der Willkommensklassen.
Der Bezirk plädiert für ein Modellprojekt, das rechtliche Hürden zugunsten praktischer Lösungen überwindet. Bürgermeisterin Herrmann äußerte, man müsse sich mehr zutrauen, auch gegen bestehende Regeln. Statt Parallelstrukturen wünscht sie sich echte Teilhabe und eine bessere Verknüpfung von Nachbarschaft und Unterkunft.
Quellen: Tagesspiegel, Willkommensbündnis Hasenheide, Berliner Morgenpost
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
2 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.




Ungenügende Infrastruktur und nicht ausreichend Geld für vieles, was wünschenswert wäre. Wer hätte das gedacht? Dazu keine Akzeptanz in einem großen Teil der deutschen Bevölkerung für einen nicht enden wollenden Flüchtlingsstrom … Klingt nach erfolgversprechender Politik! Erfolg dahingehend, Deutschland immer weiter voran zu bringen… hin zu einer dysfunktionalen, heruntergewirtschafteten, sozial schwachen, bunten und heterogenen Banananenrepublik. Eine Republik, in der sich der ethnisch Deutsche zunehmend fremd fühlt- im eigenen Land.
Früher: Deutschland über alles..
Heute: genau umgekehrt. Ein Volk, ein Land, eine Ideologie- die der Selbstrelativierung, Selbstverleugnung und Selbstauflösung. Gesund und normal, das geht in Deutschland nicht. Dumm, dümmer, Deutschland! Es hat sich nichts geändert!
Wohnungsbewerbung
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit bewerbe ich mich um die von Ihnen angebotene Wohnung. Ich bin alleinerziehende Mutter mit einem 4-jährigen Kind und suche ein sicheres, familienfreundliches Zuhause.
Ich bin eine ruhige, zuverlässige Mieterin und lege großen Wert auf ein ordentliches Wohnumfeld sowie ein gutes Miteinander in der Nachbarschaft.
Über eine positive Rückmeldung und die Möglichkeit einer Besichtigung würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Samah Taan