Am 24. Juli 2025 erfolgte in Hamburg-Moorburg die nächste kontrollierte Sprengung auf dem Gelände des stillgelegten Kohlekraftwerks. Dabei sollten zwei massive Kohlekreislager zum Einsturz gebracht werden. Der Rückbau markiert einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur künftigen Nutzung des Areals für grüne Wasserstoffproduktion.
© Titelbild: Wikimedia Commons, Ajepbah, CC BY-SA 3.0 de
Der Rückbau des ehemaligen Kohlekraftwerks Moorburg schreitet weiter zügig voran. Nachdem bereits im Frühjahr die beiden Kesselhäuser gesprengt wurden, folgte nun ein weiterer entscheidender Schritt: Am Abend des 24. Juli wurden die beiden Kohlekreislager mit gezielten Sprengungen abgetragen. Dabei handelte es sich um zentrale Bestandteile der früheren Kohlelogistik, die durch massive Förderbandbrücken miteinander verbunden waren.
Die Maßnahme steht im Zeichen der umfassenden Neugestaltung des Areals, auf dem ab 2027 grüner Wasserstoff produziert werden soll. Die vorbereitenden Abrissarbeiten sind dabei nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch mit weitreichenden Sicherheitsvorkehrungen verbunden.
Gezielte Sprengung in Hamburg-Moorburg unter Berücksichtigung des Artenschutzes
Die Sprengungen sollten ausschließlich im Inneren der Kohlekreislager stattfinden. Im Vorfeld wurde ein sogenannter Vergrämungsknall ausgelöst, um die dort lebende Vogelwelt zum Verlassen des Areals zu bewegen. Erst danach erfolgte die eigentliche Detonation, bei der die Förderbandbrücken zum kontrollierten Einsturz gebracht werden sollten.
Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, arbeiteten die beteiligten Unternehmen – darunter die Deutsche Sprengunion und die Firma Hagedorn – eng mit Polizei, Technischem Hilfswerk und Sicherheitsdiensten zusammen. Die Hamburger Energiewerke betonten, dass die Sprengungen keine Gefahr für die umliegende Bevölkerung darstellen. Die Straße Moorburger Schanze wurde lediglich für die Dauer der Arbeiten kurzzeitig gesperrt.
Kraftwerk Moorburg: Rückbau als Vorbereitung für den Wasserstoffstandort 2027
Mit dem Abriss der Kohlekreislager wurde eine weitere Voraussetzung für den Bau des geplanten Großelektrolyseurs geschaffen. Denn auf dem Gelände soll ab 2027 grüner Wasserstoff produziert werden – ein Schlüsselprojekt für die Transformation der Hamburger Hafenwirtschaft. Die bereits freigeräumten Flächen sollen noch in diesem Jahr übergeben werden, damit die Bauarbeiten für die neue Anlage beginnen können.
Dabei wird nicht das gesamte Kraftwerksgelände abgetragen: Teile der bestehenden Infrastruktur, darunter Anlagen zur Wasseraufbereitung sowie das Stromanschlussnetz, bleiben erhalten und werden in das neue Nutzungskonzept integriert.
Ein Kraftwerk mit konfliktreicher Vergangenheit: Stilllegung und Verkauf an die Stadt Hamburg 2021
Das Kraftwerk Moorburg war einst eines der modernsten Steinkohlekraftwerke Europas. Dennoch wurde es aufgrund wirtschaftlicher und ökologischer Bedenken bereits 2021 vom Netz genommen. Die ursprünglich mit Milliardenaufwand errichtete Anlage gilt heute als Symbol für die verfehlte Energiepolitik vergangener Jahre.
Kritik an der damaligen Entscheidung für den Bau kam unter anderem von Umweltverbänden, die schon früh auf die zu erwartenden CO₂-Emissionen sowie Risiken für die Elbfauna hingewiesen hatten. Trotz modernster Technik ließ sich das Kraftwerk nicht dauerhaft wirtschaftlich betreiben, was schließlich zur Stilllegung und zum Verkauf an die Stadt Hamburg führte.
Zukunftsvision „Hamburg Green Hydrogen Hub“: Hamburg als Wasserstoffstandort
Mit der Transformation des Kraftwerksgeländes verfolgt die Stadt Hamburg das Ziel, sich als Vorreiterin der Wasserstoffwirtschaft zu positionieren. Der geplante „Hamburg Green Hydrogen Hub“ soll künftig Industriebetriebe und Hafeneinrichtungen mit klimafreundlich produziertem Wasserstoff versorgen.
Die Europäische Union hat das Projekt als förderwürdig eingestuft. Insgesamt sollen mehr als 250 Millionen Euro an Fördergeldern in die Umsetzung fließen. Damit verbindet sich mit dem Abriss des Kohlekraftwerks Moorburg nicht nur ein städtebaulicher Wandel, sondern auch ein strategischer Schritt hin zu einer emissionsfreien Hafenlogistik.
Quellen: Hamburger Abendblatt, Wikipedia, NDR, Greenpeace Deutschland, BUND Hamburg
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