Die Kosten für den Neubau des Jahn-Stadions steigen erneut deutlich. Statt der einst kalkulierten rund 100 Millionen Euro rechnet der Senat inzwischen mit mehr als einer Viertelmilliarde. Damit gerät auch der geplante Inklusionssportpark im dritten Bauabschnitt unter finanziellen Druck.

Sprengung Flutlichtmasten

Am Donnerstag, dem 12. Februar, wurden im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark zwei der vier historischen Flutlichtmasten gesprengt, ein sichtbarer Schritt auf dem Weg zum Neubau. Ursprünglich war für das umstrittene Stadion in Prenzlauer Berg ein Kostenrahmen von rund 100 Millionen Euro vorgesehen, inzwischen kalkuliert der Senat jedoch mit nahezu der dreifachen Summe. / © Foto: IMAGO

© Titelbild: KarachoBerlin / Volker Gehrmann

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Der Abriss des „Großen Stadions“ im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist nahezu abgeschlossen. Zuletzt wurden zwei historische Flutlichtmasten gesprengt. An ihrer Stelle soll eine moderne, zweitligataugliche Arena für rund 20.000 Zuschauer entstehen.

Doch die Kosten für das Projekt steigen weiter. Ursprünglich waren 2019 rund 97 Millionen Euro für den Neubau veranschlagt, ohne Abriss. Inzwischen geht die Senatsverwaltung laut Tagesspiegel von Gesamtkosten von bis zu 266 Millionen Euro für das Stadion aus. Hinzu kommen mindestens 20 Millionen Euro für den Abriss. Damit könnte das Gesamtprojekt bei rund 286 Millionen Euro liegen.

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Kostenentwicklung beim Jahn-Stadion: Hochrechnung bis 2029, Asbest-Abriss und Sparbeschluss im Abgeordnetenhaus

Nach Angaben der Verwaltung handelt es sich bei der Summe von 266 Millionen Euro um eine Hochrechnung bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2029. Man rechne derzeit mit einem Kostenrahmen von rund 207 Millionen Euro für den Bau. Kostensteigerungen zwischen Vorplanung und Bauplanung seien bei Projekten dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich.

Gleichzeitig steigen auch die Abrisskosten. Der Fund von Asbest hatte bereits 2025 zu Verzögerungen geführt. Die zusätzlichen Entsorgungsmaßnahmen dürften die Gesamtsumme weiter erhöhen. Schon Ende 2024 hatte das Abgeordnetenhaus eine „kostensenkende Umplanung“ für den Sportpark beschlossen. Ziel war ein Gesamtvolumen deutlich unter 300 Millionen Euro, möglichst unter 250 Millionen.

Dritter Bauabschnitt im Jahn-Sportpark: Inklusionssportpark und Sportwiese von Kürzungen betroffen

Besonders betroffen ist der dritte Bauabschnitt. Der Jahn-Sportpark soll langfristig zu einem Inklusionssportpark mit vielfältigen Angeboten für Schul-, Vereins- und Freizeitsport entwickelt werden. Für diesen Abschnitt waren ursprünglich rund 119 Millionen Euro vorgesehen.

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Bereits im August 2025 wurden erste Einsparungen beschlossen. Das geplante inklusive Begegnungszentrum entfiel, die Multifunktionshalle wurde verkleinert. Parallel dazu treibt der Senat die Sanierung der Sportwiese voran. Geplant sind ein Kunstrasenspielfeld, eine inklusive Lauf- und Rollstrecke sowie die Ertüchtigung der Naturrasenflächen. Diese Maßnahmen sollen, vorbehaltlich einer Förderung, bis 2028 umgesetzt werden.

Zukunft des Jahn-Sportparks: Steigende Stadionkosten stellen Inklusionskonzept und Gesamtplanung infrage

Mit jeder neuen Kostenprognose wächst der Druck, Prioritäten zu setzen. Die Arena gilt als Herzstück des Projekts. Doch je teurer sie wird, desto stärker geraten ergänzende Vorhaben ins Wanken. Ob der Inklusionssportpark in der ursprünglich geplanten Qualität realisiert werden kann, ist damit offen.

Der Jahn-Sportpark bleibt damit ein Projekt zwischen sportpolitischem Anspruch und haushalterischer Realität. Während der Senat auf moderne Infrastruktur und Inklusion verweist, mahnen Kritikerinnen und Kritiker zur finanziellen Zurückhaltung. Die endgültige Ausgestaltung des Areals wird auch davon abhängen, ob die Kosten weiter steigen, oder ob der aktuelle Rahmen gehalten werden kann.

Quellen: Tagesspiegel, Abgeordnetenhaus Berlin, Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, Bürgerinitiative Jahnsportpark, NaturFreunde Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, LOR Landschaftsarchitekten, Verein Pfeffersport, Bürgerverein Gleimviertel, rbb,  Architektenkammer Berlin, NOlympia

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