Die Debatte um den 16. Bauabschnitt der A100 kreiste in den letzten Wochen um eine zentrale Frage: Wurde der Verkehr vor der Freigabe tatsächlich simuliert? Verkehrssenatorin Ute Bonde geriet mit ihrer Aussage in die Kritik. Nun wurde sie durch eine Richtigstellung der Autobahn GmbH entlastet.

Stau an der Elsenbrücke: Verkehrssenatorin Ute Bonde steht derzeit häufiger in der Kritik – zuletzt kamen Zweifel an einer von ihr benannten Verkehrssimulation zur A100-Anschlussstelle auf. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Wikimedia Commons, Sandro Halank, CC BY-SA 4.0 / ENTWICKLUNGSSTADT
Seit der Öffnung des 16. Bauabschnitts der A100 im August 2025 staut sich der Verkehr rund um die Elsenbrücke zwischen Alt-Treptow und Friedrichshain noch stärker als zuvor. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) hatte kurz nach der Eröffnung, im September 2025, Stellung zum Verkehrschaos bezogen. Damals hatte sie erklärt, dass die verkehrliche Situation vor der Öffnung simuliert worden sei.
Nachdem zunächst keine aktuelle Verkehrssimulation öffentlich nachvollzogen werden konnte, kam Kritik an Bondes Aussage auf. Der Tagesspiegel berichtete nach einer Anfrage an die Autobahn GmbH des Bundes, Bonde habe die Simulation „frei erfunden“. Nun hat die Autobahn GmbH am Freitagvormittag in einer Erklärung Stellung bezogen und die Verkehrssenatorin entlastet.
Verkehrssenatorin Ute Bonde in der Kritik: Gab es keine Verkehrssimulation?
Wie der Tagesspiegel zunächst berichtete, teilte die Autobahn GmbH am Donnerstag auf Anfrage mit, dass die letzte Verkehrsuntersuchung zum 16. Bauabschnitt im Zusammenhang mit dem Planfeststellungsbeschluss erfolgt sei. Dieser Beschluss stammt aus dem Jahr 2010 und ist damit rund 15 Jahre alt. Eine aktuellere Verkehrssimulation habe es demnach nicht gegeben. Das bestätigte zunächst auch ein Sprecher der Autobahn GmbH. Diese Darstellung brachte Bonde erheblich unter Druck.
Oppositionspolitikerinnen und -politiker reagierten scharf. Die Grünen-Verkehrsexpertin Antje Kapek sprach laut Tagesspiegel von einer Täuschung des Parlaments, da Bonde mehrere Gelegenheiten verpasst habe, über den tatsächlichen Stand der Simulationen aufzuklären. Auch SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf kritisierte die Senatorin deutlich und bezeichnete die Angelegenheit als Belastung für die schwarz-rote Koalition. Aus der Grünen-Spitze wurde zudem indirekt eine Rücktrittsforderung laut.
Autobahn GmbH korrigiert Aussage: Aktuelle Verkehrssimulation sei von 2024
Nur einen Tag später folgte jedoch eine Korrektur. Wie sowohl der Tagesspiegel als auch die Berliner Morgenpost berichten, stellte die Autobahn GmbH ihre eigene Aussage am Freitagvormittag als „unzutreffend“ richtig. Entgegen der zuvor verbreiteten Darstellung habe es doch eine aktualisierte Verkehrssimulation gegeben.
Diese sei im Jahr 2024 erstellt worden und umfasse sowohl makroskopische als auch mikroskopische Modellierungen für die Anschlussstelle Am Treptower Park und das nachgeordnete Straßennetz. Die Autobahn GmbH veröffentlichte dazu eine 59-seitige Präsentation mit Stand November 2024, also mehrere Monate vor der Eröffnung des Abschnitts. Damit wurde Bonde formal entlastet.
Verkehrschaos an der Elsenbrücke: Entspannung der Situation frühestens Ende Januar 2026
Unabhängig davon gibt es weiterhin kein gültiges Verkehrskonzept für die Stelle zwischen A100-Anschlussstelle und Elsenbrücke. Während die Senatsverwaltung für Mobilität und Verkehr von einer Verbesserung der Situation vor Ort spricht, hat die Grünen-Fraktion kürzlich einen Acht-Punkte-Plan zur Verbesserung der Lage vorgestellt. Darin fordern die Grünen unter anderem eine Optimierung der Ampelschaltungen und bauliche Maßnahmen wie Poller zur Verbesserung des Bus- und Radverkehrs. Ob und in welcher Form diese Vorschläge umgesetzt werden könnten, ist derzeit offen.
Klar ist: Mit einer spürbaren Entspannung der Verkehrssituation kann frühestens Ende Januar 2026 gerechnet werden, wenn der erste Bauabschnitt der Elsenbrücke abgeschlossen ist und zumindest wieder zwei Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung stehen.
Quellen: Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Autobahn GmbH
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2 Kommentare
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Wurde Bonde tatsächlich formal entlastet? Sie meinte ja nicht nur, dass es eine Simulation gab (richtig). Sondern, dass diese keine Probleme zeigte (falsch). Und „dann kam es anders“.
Offensichtlich war man ich sehr wohl über die verstopfenden Folgen nach der Eröffnung bewusst. Und Bonde tat vorher nichts, obwohl sie darüber informiert wurde.
Wie der Tagesspiegel heue belegt, ist Frau Bonde nicht entlastet: Tatsächlich gab es die Simulation, aber genau aners als Frau Bonde es darstellte ergab diese klipp und klar, dass es in jedem Fall zum später eingetretenen Verkehrschaos kommen musste.
Eine echte Schlappe für Frau Bonde, die hoffentlich 2026 nicht mehr als Senatorin dilettieren darf.
(Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/bislang-geheime-a100-verkehrsprognose-legt-offen-autobahn-planer-wussten-dass-es-am-treptower-park-zum-chaos-kommen-musste-15070080.html)