Nicht jedes Hochhausprojekt in Berlin kommt schnell voran. Die Übersicht zeigt Türme, die noch auf politische Entscheidungen, Genehmigungen, Investoren oder überarbeitete Planungen warten – ergänzt durch eine interaktive Karte.
„Messeturm Berlin“
SEZ-Hochhaus
„The Hub“
Rudolfstraße
„Spandauer Ufer“
Lea-Grundig-Straße
Greifswalder Straße
© Titelbild: REALACE GmbH
Berlin baut wieder in die Höhe – zumindest an einigen Stellen. Während der Estrel Tower längst die Skyline im Südosten der Stadt prägt und auch rund um den Alexanderplatz neue Hochhäuser entstehen, wird andernorts noch geplant, diskutiert und verhandelt. Besonders entlang der Warschauer Straße, aber auch an vielen weiteren Standorten in Berlin, gibt es seit Jahren ambitionierte Hochhauspläne.
Doch nicht jedes Vorhaben, das vorgestellt wird, wird auch gebaut. Manche Projekte befinden sich in konkreten Planungsverfahren, andere warten auf politische Entscheidungen, Investoren oder Baurecht. Wieder andere sind zwar weiterhin im Gespräch, ihre Realisierung erscheint derzeit jedoch ungewiss.
ENTWICKLUNGSSTADT gibt einen Überblick über die wichtigsten Hochhausprojekte in Berlin, deren Zukunft aktuell noch offen ist. Eine interaktive Karte ordnet alle Standorte im Stadtgebiet ein.
SEZ: Hochhaus-Modell als Alternative zum Abriss

Eine Visualisierung zeigt die geplante Neubebauung des SEZ-Areals in Berlin-Friedrichshain. Vorgesehen sind mehrere Hochhäuser sowie ein gemischt genutzter Gebäudekomplex an der Danziger Straße. / © Bild: studio adhoc GmbH
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Landsberger Allee 77, 10249 Berlin
- Nutzung: Wohnen, Sport, Schule, Gewerbe
- Hochhäuser: vier Türme im Alternativmodell
- Status: politische Idee
Für das ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ) gibt es unterschiedliche Zukunftsszenarien. Die landeseigene WBM plant bislang den Abriss und den Neubau eines Wohnquartiers mit mehreren hundert Wohnungen. Parallel dazu werben Bezirkspolitiker und Initiativen für ein alternatives Modell, das den Erhalt von Teilen des Bestands und die Ergänzung durch mehrere Wohnhochhäuser vorsieht.
Bisher handelt es sich jedoch nicht um ein offizielles Bauprojekt. Das Hochhausmodell ist Teil einer politischen Debatte über den Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand. Ob daraus tatsächlich eine konkrete Planung entsteht, ist derzeit offen. Die Entscheidung hängt von weiteren Untersuchungen und politischen Beschlüssen ab.
„The Hub“: Hochhaus an der Warschauer Brücke bleibt umstritten

Auf der früheren Buswendeschleife an der Warschauer Straße könnte mit „The Hub“ ein weiteres Hochhaus nahe der Warschauer Brücke entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Warschauer Brücke / ehemalige Buswendeschleife
- Höhe: rund 120 Meter
- Nutzung: Büros, Mobility Hub, Bahnhofshalle, öffentliche Nutzungen
- Projektträger: Anschutz Entertainment Group
- Status: Machbarkeits-/Prüfphase
Mit „The Hub“ prüft die Anschutz Entertainment Group Hochhaus-Projekt am U-Bahnhof Warschauer Straße. Das Projekt gehört zu mehreren Hochhaus-Überlegungen im Umfeld des Ostbahnhofs und der Warschauer Brücke. Der Turm könnte auf der ehemaligen Buswendeschleife entstehen und etwa 120 Meter hoch werden. Geplant sind Büroflächen, ein Mobility Hub, öffentliche Nutzungen und eine neue Bahnhofshalle.
Die Diskussion konzentriert sich vor allem auf die städtebauliche Wirkung. Bereits heute prägen mehrere Hochhäuser und Großprojekte das Umfeld. Kritiker bezweifeln, dass ein weiterer Turm an dieser Stelle sinnvoll ist. Das Projekt befindet sich deshalb weiterhin in einer frühen Phase, konkrete Genehmigungsverfahren wurden noch nicht abgeschlossen.
„Messeturm Berlin“: 200-Meter-Hochhaus am „Stadteingang West“

Im Berliner Baukollegium herrscht Uneinigkeit über das geplante 200 Meter hohe Hochhaus auf dem Gelände des „Artemis“ nahe der Stadtautobahn A100. Die Gespräche über das Vorhaben sind jedoch noch nicht abgeschlossen. / © Visualisierung: REALACE GmbH
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Halenseestraße 32, 14055 Berlin
- Höhe: Varianten mit 179, 200 und 224 Metern
- Nutzung: Büros, Hotel, Konferenzflächen, Gesundheit, Showrooms, temporäres Wohnen
- Architekturstudien: Max Dudler, C.F. Møller Architects
- Status: Konzeptstudie
Mit dem „Messeturm Berlin“ könnte eines der höchsten Hochhäuser der Hauptstadt entstehen. Für das Grundstück an der Halenseestraße wurden mehrere Varianten vorgestellt, die Höhen zwischen 179 und 224 Metern erreichen. Geplant ist ein vertikal gemischter Stadtbaustein mit Büros, Hotelnutzung, Konferenzflächen, Gesundheitsangeboten und temporärem Wohnen. Der Standort liegt direkt am westlichen Stadteingang Berlins zwischen Funkturm, ICC und Messegelände.
Trotz der prominenten Lage bleibt die Zukunft des Projekts offen. Im Baukollegium stießen die Entwürfe auf Kritik. Diskutiert werden die Höhe, die städtebauliche Einbindung und die Wirkung auf das Umfeld. Bevor konkrete Planungsverfahren starten können, müssen zunächst grundlegende Fragen zur städtebaulichen Verträglichkeit geklärt werden.
Rudolfstraße: 167-Meter-Hochhaus sorgt für Debatten

In der Nähe der Warschauer Brücke soll dieses Hochhaus in der Rudolfstraße gebaut werden. / © Visualisierung: Henning Larsen Architekten
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Rudolfstraße 18/19, 10245 Berlin
- Höhe: bis zu 167 Meter
- Geschosse: rund 50
- Nutzung: Wohnen, Kita, Gastronomie, Dienstleistungen
- Architektur: Henning Larsen Architects
- Status: Überarbeitung nach Werkstattverfahren
An der Rudolfstraße nahe der Warschauer Straße plant die Atrium Development Group ein spektakuläres Hochhausprojekt. Der ausgewählte Entwurf sieht einen bis zu 167 Meter hohen Wohnturm vor. Ergänzt werden sollen öffentliche Nutzungen, Gastronomie, eine Kita und weitere Gebäude auf dem Grundstück.
Gerade die Höhe sorgt jedoch für Diskussionen. Mit 167 Metern würde der Turm zu den höchsten Wohnhochhäusern Deutschlands gehören. Während einige Fachleute einen schlanken Wohnturm an diesem Standort für vertretbar halten, verweisen andere auf frühere Empfehlungen deutlich geringerer Gebäudehöhen. Das Baukollegium sieht weiteren Überarbeitungsbedarf. Ob der Turm tatsächlich mit der vorgesehenen Höhe realisiert werden kann, bleibt offen.
„Spandauer Ufer“: Großprojekt wartet weiter auf den Baustart

Die Visualisierung zeigt das geplante Quartier Spandauer Ufer in Berlin-Spandau. Mehrere Hochhäuser und urbane Blockrandgebäude sollen entlang der Heerstraße entstehen und das Stadtbild im Zentrum von Spandau nachhaltig verändern. / © Visualisierung: Spandauer Ufer GmbH & Co. KG
- Bezirk: Spandau
- Adresse: Klosterstraße, ehemaliges Postareal
- Nutzung: Wohnen, Hotel, Büros, Einzelhandel
- Projektentwickler: FAY Projects
- Status: baureifes Quartier mit offenem Start
Das Projekt „Spandauer Ufer“ gehört zu den größten Entwicklungsflächen in Spandau. Auf dem ehemaligen Postareal nahe Bahnhof und Altstadt soll ein neues Quartier mit Hochhäusern, Wohnungen, Büros und Hotelnutzungen entstehen. Die Lage gilt als einer der wichtigsten Entwicklungsstandorte im Berliner Westen.
Trotz bestehender Planungen hat der Bau bislang nicht begonnen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Büroanteils gilt als zentrale Voraussetzung für den Baustart. Erst wenn ausreichend Nutzer gefunden sind, will der Entwickler die nächsten Schritte einleiten. Ein verbindlicher Termin für den Baustart liegt weiterhin nicht vor.
Lea-Grundig-Straße: 19-geschossiges Hochhaus in einer frühen Phase

In Marzahn an der Lea-Grundig-Straße Ecke Jan-Petersen-Straße soll ein 19-geschossiges Hochhaus entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT /KI
- Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
- Adresse: Lea-Grundig-Straße / Jan-Petersen-Straße
- Höhe: rund 61,5 Meter
- Geschosse: 19
- Nutzung: Wohnen, Arztpraxis, Physiotherapie, Gewerbe
- Status: Vorbescheid, kein Bauantrag
An der Lea-Grundig-Straße plant die Wohnungsbaugenossenschaft Marzahner Tor ein Hochhaus mit 19 Geschossen. Das Gebäude soll auf einer bisherigen Parkplatzfläche entstehen und 96 Wohnungen aufnehmen. Ergänzend sind Arztpraxis, Physiotherapie und weitere Gewerbeflächen vorgesehen.
Das Projekt befindet sich allerdings noch in einer frühen Phase. Ein Bauantrag wurde bislang nicht eingereicht. Zudem läuft das Bebauungsplanverfahren weiter. Damit existiert zwar eine konkrete Projektidee, bis zu einer tatsächlichen Umsetzung sind jedoch noch zahlreiche Schritte erforderlich.
Greifswalder Straße: Hochhaus-Planung für ehemaligen Nahversorgungsstandort

Der EDEKA-Markt an der Greifswalder Straße in Berlin-Prenzlauer Berg: Das Areal gilt als potenzieller Entwicklungsstandort und wird im Zusammenhang mit Überlegungen zu einer möglichen Nachverdichtung und neuen Hochhausprojekten diskutiert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
- Bezirk: Pankow
- Adresse: Greifswalder Straße 86, 10409 Berlin
- Höhe: 43,4 Meter
- Geschosse: 13
- Nutzung: Wohnen und Einzelhandel
- Status: frühe Planung
An der Greifswalder Straße 86 soll ein 13-geschossiges Gebäude entstehen. Der Standort wird heute durch eingeschossige Handelsnutzungen und große Stellplatzflächen geprägt. Künftig sollen dort Wohnungen und neue Einzelhandelsflächen entstehen.
Das Projekt steht exemplarisch für die Nachverdichtung bestehender Nahversorgungsstandorte. Ein konkreter Baustart ist bislang nicht bekannt. Auch weitere Verfahrensschritte wurden noch nicht öffentlich kommuniziert. Das Vorhaben zeigt exemplarisch, wie Berlin künftig stärker auf Nachverdichtung an bestehenden Einzelhandelsstandorten setzen könnte. Ob und wann die Planung umgesetzt wird, ist derzeit jedoch offen.
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Bezirksamt Lichtenberg, Bezirksamt Pankow, Bezirksamt Spandau, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, WBM, Anschutz Entertainment Group, Atrium Development Group, Henning Larsen Architects, HERECON, Realace Architekten, FAY Projects, Wohnungsbaugenossenschaft Marzahner Tor eG, Max Dudler, C.F. Møller Architects, AGROMEX
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4 Kommentare
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Ein Hochhaus mit einer Höhe von 224m? Im piefigen Berlin absolut undenkbar!
Wenn man sich zu nichts durchringen, entscheiden oder vernünftig beurteilen kann, weil irgendwie der professionelle Hintergrund oder die nötige Traute fehlt, dann muss man halt ein gesamtstädtisches Hochhausgutachten oder Masterplan durch die Speers der Republik in Kollaboration mit solchen weltweit Vielhochhausrealisierern wie gmp in Auftrag geben, um endlich mal einen Punkt zu machen…Man lässt doch sonst auch gefühlt jede Bushaltestelle durch solche Verfahren beurteilen, aber wenn es wie hier um die ganz großen Fragen geht, dann wabert es so dahin und zieht eine breite Spur von Unsicherheit und Unentschlossenheit hinter sich her…. Eigentlich unverständlich.
Das ist ein sehr schönes Projekt
https://www.noefer.de/de/projekte/city-ring-berlin
Hier fehlen meines Erachtens noch der von Pepper geplante Hochpunkt am Europacenter an der Nürnberger Straße, die Neubebauung des Karstadtareals am Ku’damm, die von Ingenhoven vorgeschlagenen Häuser auf dem Hardenbergplatz und die Hochhäuser, die an der Jebenstraße entstehen sollen. Auch der Schönefeld Tower wäre ein High-Rise-Projekt, das erwähnenswert ist.
Beim derzeitigen Marktumfeld und der politischen Blockadehaltung ist jedes dieser Projekte derzeit eh ziemlich unrealistisch.