Vier Hochhäuser statt Totalabriss? Ein neuer Vorschlag könnte das SEZ an der Landsberger Allee in Berlin-Friedrichshain womöglich doch noch retten – und fast 700 Wohnungen ermöglichen. Dafür braucht es aber die Dialogbereitschaft des Berliner Senats.

SEZ Areal

Nach den Entwürfen des Büros Stefan Forster könnte sich das künftige SEZ-Areal so aus Richtung Volkspark Friedrichshain als neues Wohnquartier zeigen. Die Gebäude sollen in serieller und modularer Bauweise errichtet werden und rund 680 Wohnungen für etwa 1.500 Menschen bieten. Vier ikonische Stahstützen sollen auf dem Gelände installiert werden. / © Visualisierung: Stefan Forster GmbH

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Die Zukunft des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) an der Landsberger Allee ist möglicherweise doch nicht so klar, wie es bislang schien. Während bislang alles auf einen baldigen Abriss des DDR-Baus hinauslief, zeichnet sich nun ein möglicher Kompromiss ab, der den Erhalt der markanten Anlage zumindest in Teilen sichern könnte. Im Zentrum der Debatte steht ein Vorschlag, der Wohnungsbau und Bestandserhalt miteinander verbinden will, wie die Berliner Zeitung berichtet.

Nach Informationen, die im Vorfeld einer Anhörung im Abgeordnetenhaus kursieren, sieht ein neuer Plan vor, auf dem Gelände vier Hochhäuser zu errichten. Auf diese Weise könnten – wie im geltenden Bebauungsplan vorgesehen – nahezu 700 Wohnungen entstehen. Gleichzeitig könnte auf diese Weise das SEZ mit Wellenbad, Eisbahn, Sporthallen und Bowlingbahnen erhalten bleiben. Ein kostenintensiver Abriss ließe sich vermeiden, ebenso der vollständige Verlust eines stadtgeschichtlich bedeutsamen Ortes.

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SEZ-Abriss: Anhörung im Abgeordnetenhaus und juristischer Druck

Offiziell bestätigt ist der Vorschlag bislang nicht. Klar ist jedoch, dass der politische und öffentliche Druck wächst. Die Vereine Naturfreunde Berlin und Gemeingut in BürgerInnenhand haben den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg aufgefordert, den Vollzug der Abrissanzeige zu stoppen. Andernfalls kündigen sie eine Klage vor dem Verwaltungsgericht an.

Die zwei Gruppierungen argumentieren unter anderem mit möglichen Verstößen gegen Denkmal- und Artenschutzrecht sowie mit dem öffentlichen Interesse am Erhalt des Bauwerks. Zugleich fanden in den vergangenen Wochen erneut Demonstrationen vor Ort statt. Auch der Architekt des 1981 eröffneten SEZ, Günter Reiss, sprach sich gegen einen Abriss aus und verwies auf den baulichen Zustand des Gebäudes.

Ehemaliges Spaßbad an der Landsberger Allee: Zwischen Schadstoffsanierung und Rückbau

Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt erklärte, der Bezirk befürworte einen Erhalt oder Teilerhalt der Anlage, sofern gleichzeitig Wohnungs- und Schulbau realisiert werden könnten. Ein neu konzipiertes Quartier könne die Bedarfe nach Wohnen, Bildung, Sport und Begegnung besser bündeln.

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Formal sei mit der erfolgten Abrissanzeige der Weg frei, ab Anfang März mit Maßnahmen zu beginnen. Nach aktuellem Kenntnisstand soll jedoch zunächst eine Schadstoffsanierung erfolgen; der eigentliche Rückbau der Gebäudestrukturen sei erst für den Sommer vorgesehen. Damit bliebe theoretisch ein zeitliches Fenster für Verhandlungen, wenn der Berliner Senat Interesse daran zeigt. Schmidt betonte die Notwendigkeit eines Dialogs aller Beteiligten.

Berliner Senat will SEZ-Abriss, um Schule und 680 neue Wohnungen zu errichten

Der Berliner Senat hält weiterhin am Ziel fest, auf dem rund 45.000 Quadratmeter großen Areal bezahlbaren Wohnraum durch die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte GmbH (WBM) zu schaffen. Bereits seit Jahren wird auf einen erheblichen Sanierungsbedarf des SEZ verwiesen, der sich seit den frühen 2000er-Jahren weiter erhöht habe. Der geltende Bebauungsplan sieht bislang den Abriss der Bestandsgebäude vor.

Gleichzeitig sorgt Kritik an Baumfällungen auf dem Gelände für zusätzliche Kontroversen. Gegner sprechen von unnötigen Eingriffen in geschützte Bestände. Ob die Idee eines Hochhaus-Ensembles den politischen Knoten lösen kann, bleibt abzuwarten. Sicher ist. Ein Einlenken des Senats wäre nach aktuellem Stand jedoch als große Überraschung zu werten.

 

Quellen: Berliner Zeitung, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Naturfreunde Berlin, Berliner Morgenpost, Gemeingut in BürgerInnenhand, Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte GmbH, Stefan Forster GmbH 

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One Comment

  1. Michael 25. Februar 2026 at 09:51 - Reply

    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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