Der geplante Umzug der Zentral- und Landesbibliothek zu Galeria am Alexanderplatz kommt voran. Eine Absichtserklärung liegt nun im Entwurf vor.

Große Freitreppen, offene Ebenen und weitläufige Bücherbereiche prägen den Entwurf für die Zentral- und Landesbibliothek im Galeria-Gebäude am Alexanderplatz. Die Visualisierung zeigt, wie sich das heutige Warenhaus im Inneren verändern könnte. / © Visualisierung: Commerz Real
© Titelbild: Commerz Real
Nach der jahrelangen Suche nach einem zentralen Standort für die Zentral- und Landesbibliothek könnte am Alexanderplatz eine entscheidende Phase beginnen. Berlin und die Eigentümerin des Galeria-Gebäudes haben ihre Gespräche inzwischen so weit konkretisiert, dass der Entwurf einer Absichtserklärung vorliegt. Zieht die ZLB nun bald an den Alex?
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Alexanderplatz 9, 10178 Berlin
- Projekt: Gemeinsamer Standort von Zentral- und Landesbibliothek und Galeria
- Eigentümerin: Commerz Real
- Projektstatus: Entwurf einer Absichtserklärung liegt vor, Preisverhandlungen laufen weiter
Finanzsenator Stefan Evers erklärte am 27. August 2026 im Abgeordnetenhaus, dass der Entwurf für einen sogenannten „Letter of Intent“ fertig sei. Das Dokument hält eine grundsätzliche Verständigung über die geplante gemeinsame Zukunft von ZLB und Warenhaus fest. Auf dieser Grundlage verhandelt das Land weiter mit der Eigentümerin Commerz Real.
Damit gibt es erstmals seit Beginn der konkreten Verhandlungen ein Dokument, das die Eckpunkte einer möglichen Vereinbarung festhalten soll. Ein Vertrag über den Einzug der ZLB ist damit jedoch ausdrücklich noch nicht geschlossen. Vor allem die finanziellen Bedingungen bleiben offen. Nach Angaben von Evers laufen parallel weiterhin Preisverhandlungen. Details aus der Absichtserklärung machte der Finanzsenator bislang nicht öffentlich.
Zentral- und Landesbibliothek am Alex: Entscheidung soll bald fallen
Dabei verfolgt Evers ein enges politisches Zeitfenster. Nach seinen Angaben sollen die Gespräche möglichst noch vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September abgeschlossen werden. Ob dies gelingt, sei allerdings nicht allein vom Land Berlin abhängig. Damit bleibt offen, ob aus der Absichtserklärung noch vor der Wahl eine belastbare Vereinbarung entsteht.
Dass die Verhandlungen überhaupt so weit gekommen sind, war Anfang 2026 keineswegs sicher. Im Januar hatten die beteiligten Senatsverwaltungen mitgeteilt, dass das damalige Angebot von Commerz Real in seiner vorliegenden Form für Berlin noch keine tragfähige Grundlage darstelle. Damals lagen bereits unterschiedliche Angebote und Finanzierungsmodelle vor. Berlin und die Eigentümerseite entschieden sich dennoch dafür, die Verhandlungen fortzusetzen.

Die Zentral- und Landesbibliothek und Galeria sollen das Gebäude am Alexanderplatz künftig gemeinsam nutzen. Frühere Entwürfe zeigen die Bibliothek in den oberen Geschossen und Verkaufsflächen des Warenhauses in den unteren Ebenen. / © Visualisierung: Commerz Real
Galeria bleibt zunächst bis März 2027 am Alexanderplatz
Eine zentrale Voraussetzung für weitere Gespräche war der vorläufige Verbleib von Galeria. Commerz Real verlängerte die Nutzungsvereinbarung für das Warenhaus schließlich vom 1. September 2026 bis zum 31. März 2027. Damit entstand zusätzlicher zeitlicher Spielraum für die Verhandlungen über die Mischnutzung.
Die Zukunft des Warenhauses bleibt trotzdem Teil der komplizierten Gesamtplanung. Bereits 2025 hatte der Senat klargestellt, dass er einer Mischnutzung grundsätzlich offen gegenübersteht, Galeria aber eine für den Warenhausbetrieb angemessene Fläche behalten müsse. Hintergrund ist auch ein bestehender städtebaulicher Vertrag für den Standort. Die Verbindung von Einzelhandel und Bibliothek muss deshalb nicht nur wirtschaftlich, sondern auch rechtlich in das bestehende Projekt eingebunden werden.
Amerika-Gedenkbibliothek und Berliner Stadtbibliothek sind weiter getrennt
Bislang arbeitet die ZLB vor allem an zwei Publikumsstandorten: in der Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz und in der Berliner Stadtbibliothek an der Breiten Straße. Gerade diese räumliche Trennung gehört seit Jahren zu den Gründen für die Suche nach einem neuen Zentralstandort. Die ZLB selbst verweist zudem auf den baulichen Zustand und die begrenzten Flächen ihrer Häuser.
Nach Angaben der Bibliothek kommen beide Standorte zusammen auf mehr als 1,2 Millionen Besuche pro Jahr. Die ZLB hält die Aufteilung deshalb nicht mehr für eine dauerhafte Lösung. Am Alexanderplatz sieht sie die Möglichkeit, Publikumsbereiche an einem Standort zusammenzuführen und zugleich die Erreichbarkeit zu verbessern.
Galeria und ZLB: Die Pläne für das Gebäude sind bereits weit entwickelt
Wie eine gemeinsame Nutzung baulich aussehen könnte, ist bereits seit längerem Gegenstand konkreter Entwürfe. Vorgesehen waren große offene Bibliotheksbereiche und deutliche Eingriffe in die Struktur des heutigen Kaufhauses.
Auch die Fassade müsste sich verändern. Das Gebäude ist in seiner heutigen Form auf einen Warenhausbetrieb ausgelegt. Für Bibliotheksflächen soll wesentlich mehr Tageslicht ins Innere gelangen. Deshalb sehen frühere Entwürfe größere Öffnungen der Fassade vor.
Öffentliche Dachterrasse gehört ebenfalls zu den bisherigen Entwürfen
Die bisherigen Überlegungen gehen über klassische Bibliotheksräume hinaus. Auf dem Dach wurde eine öffentlich zugängliche Terrasse mit gastronomischer Nutzung geplant. Auch kleinere Einzelhandels- und Gastronomieflächen waren Teil früherer Konzepte. Damit würde aus dem heutigen Warenhaus ein Gebäude mit mehreren Nutzungen entstehen.
ZLB und Galeria am Alexanderplatz
Quellen: rbb24, Abgeordnetenhaus von Berlin, Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Zentral- und Landesbibliothek Berlin
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