Die Gemeinschaftsunterkunft Alfred-Randt-Straße im Allende-Viertel wird geschlossen. Damit verschwindet das älteste Berliner Containerdorf für Geflüchtete nach über zehn Jahren. Auf der Fläche entstehen künftig Schulgebäude und eine neue Sporthalle, doch zuvor gibt es ein Ausstellungsprojekt, das an die Rolle der Unterkunft erinnert.

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick lädt im Rahmen der Schließung der Gemeinschaftsunterkunft Alfred-Randt-Straße zu einer Beteiligungswerkstatt ein. Dort können Anwohnende, ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner sowie Initiativen ihre Erinnerungen und Perspektiven einbringen, die in ein Ausstellungsprojekt zur Geschichte des Standorts einfließen. / © Foto: OE SPK
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© Foto Titelbild: IMAGO / Jürgen Heinrich
Im Allende-Viertel von Treptow-Köpenick endet eine Ära: Die Gemeinschaftsunterkunft Alfred-Randt-Straße, Berlins ältestes Containerdorf, wird aufgegeben. Seit 2014 prägte sie den Stadtteil, als Unterkunft für Geflüchtete, aber auch als Ort zivilgesellschaftlichen Engagements. Nun müssen die Bewohnerinnen und Bewohner weichen, da auf der Fläche neue Schulgebäude und eine Typensporthalle entstehen sollen.
Bereits seit 2024 war die Schließung absehbar, nachdem die Bezirksverordnetenversammlung den Bau einer Gemeinschaftsschule beschlossen hatte. Weil die Finanzierung für die Sporthalle zunächst fehlte, wurde der Rückbau verschoben. Inzwischen steht der Zeitplan fest: Ende Januar 2026 soll die Unterkunft endgültig geschlossen werden.
Neunutzung des Geländes: Sporthalle, Schulbau und Rückbau der Container im Allende-Viertel bis 2027
Das Grundstück wird in den kommenden Jahren grundlegend neu genutzt. Vorgesehen sind eine Sporthalle, ein Erweiterungsbau für die Müggelschlößchen-Grundschule und die Modernisierung des angrenzenden Sportplatzes. Damit soll die akute Unterversorgung des Allende-Viertels mit Schul- und Sportinfrastruktur behoben werden.
Nach dem Auszug der letzten Bewohnerinnen und Bewohner beginnt der Rückbau der Container. Dieser soll bis November 2026 abgeschlossen sein, sodass das Gelände im zweiten Quartal 2027 baureif übergeben werden kann. Die Finanzierung für die Bauvorhaben ist im Doppelhaushalt 2026/27 eingeplant.
Ausstellung und Beteiligungswerkstätten erinnern an die Geschichte der Unterkunft und Nachbarschaft in der Alfred-Randt-Straße
Bevor die Container verschwinden, widmen sich eine Ausstellung und zwei Beteiligungswerkstätten der Bedeutung des Standorts. Künstlerinnen und Künstler, ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner sowie Nachbarschaftsinitiativen beteiligen sich daran. Ziel ist es, die Geschichte der Unterkunft und ihre Wirkung auf das Allende-Viertel sichtbar zu machen.
Die Ausstellung würdigt nicht nur das Engagement der Zivilgesellschaft, sondern eröffnet auch einen Dialog über Ankommen, Nachbarschaft und Solidarität. Für den 17. September und den 10. Oktober 2025 sind öffentliche Werkstätten geplant, bei denen Stimmen aus Politik, Verwaltung und Ehrenamt zusammentreffen.
Von Protesten zu Engagement: Wie das Containerdorf das Allende-Viertel prägte
Das Containerdorf wurde 2014 errichtet, als die Zahl der Geflüchteten stark anstieg. In den einfach ausgestatteten Wohncontainern lebten jeweils zwei Menschen auf rund 15 Quadratmetern. Der Standort sorgte zunächst für Kontroversen, wie rbb24 berichtet: Neben Protesten von Anwohnenden bildeten sich auch Initiativen wie „Allende 2 hilft“, die die Unterkunft unterstützten.
Im Laufe der Jahre wuchs das nachbarschaftliche Engagement. Bewohnerinnen und Bewohner sowie Unterstützerinnen und Unterstützer bauten Hochbeete und organisierten Begegnungsräume. Sozialarbeiter wie Peter Hermanns betonten, dass es entscheidend war, Vorurteile durch Transparenz abzubauen, wie rbb24 mitteilt. Aktionen wie Tage der offenen Tür halfen, Verständnis zwischen Anwohnenden und Geflüchteten zu fördern.
Umzug der Bewohnenden und Transformation des Geländes zu Schul- und Sportstandort
Derzeit leben noch knapp 290 Menschen in der Alfred-Randt-Straße. Viele haben bereits andere Wohnungen oder Unterkünfte gefunden. Die Verbleibenden sollen laut Tagesspiegel unter anderem in die neue Gemeinschaftsunterkunft an der Grünauer Straße ziehen, die im November 2025 eröffnet und Platz für über 340 Personen bietet.
Für die Betroffenen bedeutet die Schließung einen weiteren Umzug. Nach mehr als zehn Jahren endet das Kapitel Containerdorf, das ein Stück Berliner Stadt- und Migrationsgeschichte geschrieben hat. Zugleich entsteht auf dem Areal ein neuer Ort für Bildung und Sport, ein typisches Beispiel für den Wandel von Flächen in der wachsenden Stadt.
Quellen: Bezirksamt Treptow-Köpenick, Tagesspiegel, rbb24, Berliner Kurier
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