Der Wiederaufbau des historischen Molkenmarkts in Berlin-Mitte soll ein lebendiges Stadtviertel schaffen, doch noch fehlt die Einigkeit über das „Wie“. In direkter Nachbarschaft zeigt ein Wohnprojekt in der Klosterstraße, wie sensibler Städtebau gelingen kann.

Das neue Quartier am Molkenmarkt steht im Fokus hitziger Debatten über urbane Dichte, historische Rekonstruktion und architektonische Qualität. Ein gelungener Maßstab findet sich nur wenige Schritte entfernt: die Parochialkirche und die „Klostergärten“. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
In den kommenden Jahren soll im Herzen Berlins eines der meistbeachteten Wiederaufbauprojekte umgesetzt werden. Die Revitalisierung des Molkenmarkt-Quartiers unweit des Alexanderplatzes zieht auch über die Stadtgrenzen hinaus das Interesse der Fachwelt sowie Architektur- und Stadtentwicklungsinteressierten auf sich. Ob der „neue“ Molkenmarkt eines Tages als städtebaulich gelungen oder architektonisch banal angesehen werden wird, ist derzeit noch schwer einzuschätzen.
Doch die beteiligten Institutionen ringen seit Jahren um die richtigen Vorgaben und das richtige Umsetzungsmodell, um aus dem neuen Wohnquartier ein lebendiges und lebenswertes Stadtviertel zu machen. Die Meinungen der Fachleute darüber, wie dies gelingen kann, variieren stark. Und so ist auch zu erwarten, dass das letztendliche Ergebnis sehr unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden wird.
Berlin-Mitte: Parochialkirche gilt als eindrucksvolles Beispiel für gelungenen Wiederaufbau
Wie ein solcher Wiederaufbau aussehen könnte, lässt sich schon heute in unmittelbarer Nähe des einstigen Molkenmarkts erkennen, direkt neben der historischen Parochialkirche, in der am Wochenende das vielbeachtete „Berlin-Mitte-Festival“ stattgefunden hat.
Die Parochialkirche in Berlin-Mitte gilt als eindrucksvolles Beispiel für gelungenen Wiederaufbau und sensible Ergänzung durch Neubauten. Errichtet zwischen 1695 und 1714, war sie als einer der ersten Kirchenneubauten nach der Reformation berühmt für ihren markanten Turm und das Glockenspiel mit 37 Glocken. Im Mai 1944 wurde die Kirche durch Bombentreffer schwer zerstört, Turm und Kirchenschiff stürzten ein, das Inventar verbrannte, die Glocken schmolzen.
Beginn zu DDR-Zeiten: Ab 1987 wurde die Parochialkirche saniert und wieder aufgebaut
Nach dem Krieg nutzte die Gemeinde zunächst einen provisorischen Andachtsraum im Turm, bevor ab 1987 umfassende Sanierungsarbeiten begannen, unterstützt durch Landesdenkmalamt, Deutsche Stiftung Denkmalschutz und Landeskirche.
Erst 2016 wurde der Turm nach 72 Jahren wiederaufgebaut, womit ein wichtiges Wahrzeichen der Berliner Mitte zurückkehrte. Heute erklingt wieder täglich das berühmte Glockenspiel, der sanierte Kirchhof und die Gruft machen die Kirche zu einem bedeutenden Zeugnis religiöser und städtebaulicher Kultur.
Hochwertiges Wohnprojekt an der Parochialkirche: Die „Klostergärten“ wurden bis 2017 fertiggestellt
Ergänzt wurden Kirche und Kirchhof durch ein Neubauprojekt, welches den Namen „Klostergärten“ trägt, realisiert durch das renommierte Büro Patzschke Planungsgesellschaft mbH. Gebaut wurde hier ein klassisches und elegant angelegtes Wohnhaus, das sich harmonisch in das historische Umfeld einfügt. Das Gebäude grenzt direkt an den Kirchhof und ermöglicht den Mietern die Sicht auf das historische Kirchengelände.
Das Wohnhaus liegt zwischen der Parochialkirche und dem denkmalgeschützten, ehemaligen Geschäftshaus der Gebrüder Tietz aus dem Jahre 1906. Insgesamt wurden hier 57 Eigentumswohnungen im sechsgeschossigen Gebäude untergebracht. Sämtliche Wohnungen waren bereits vor Fertigstellung des Gebäudes verkauft.
Wohnanlage „Klostergärten“: Begrünter Innenhof, der sich zum Kirchengrundstück öffnet
Die beiden Gebäudeflügel der Wohnanlage „Klostergärten“ umschließen einen Innenhof, der sich zum Grundstück der Parochialkirche hin öffnet und mit diesem durch ein Gartentor verbunden ist. Von der Klosterstraße aus führt ein repräsentativer, zweigeschossiger Durchgang in den Hofgarten, in dem sich vier Aufgänge zu den einzelnen Hausbereichen befinden.
Bauherr war die in Berlin an verschiedenen Standorten tätige Bauwert GmbH, die an dieser exponierten Stelle fast 10.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche errichten ließ. Ein kurzer Spaziergang über Kirchenhof und durch die historisierend gestaltete Wohnanlage ist durchaus empfehlenswert, wenn man zufällig im Klosterviertel unterwegs ist. Vielleicht kann er den neuen Bauherren am Molkenmarkt als Inspiration für die neu zu errichtenden Straßenzüge und Gebäude dienen.
Quellen: Patzschke Planungsgesellschaft mbH, Stiftung Mitte Berlin, Landesdenkmalamt Berlin, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
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