Mobile Begrünung wird in Berlin zunehmend zum Werkzeug gegen Hitze und versiegelte Stadträume. Parklets, mobile Bäume und begrünte Module zeigen, wie flexible Lösungen die Aufenthaltsqualität verbessern können – auch dort, wo klassische Grünflächen kaum möglich sind.

Bereits jetzt sind Sitzgelegenheiten im verkehrsberuhigten Bereich der Genter Straße vorhanden, jedoch ist der Großteil der Straßenflächen versiegelt. Das soll sich in Zukunft ändern.

Die Genter Straße im Wedding vor der geplanten Umgestaltung. Die mobilen Sitzgelegenheiten mit Begrünung sollen nach dem Umbau an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden. / © Foto: SGA BA Mitte

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Zunehmende Hitzewellen stellen Städte vor neue Herausforderungen. Besonders dicht bebaute Quartiere mit wenig Grünflächen heizen sich im Sommer stark auf und belasten die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner. Gleichzeitig lassen sich klassische Begrünungsmaßnahmen nicht überall schnell umsetzen: Leitungen im Untergrund, begrenzter Platz oder denkmalpflegerische Vorgaben erschweren neue Baumpflanzungen. Nicht zuletzt gehen größere Umgestaltungen öffentlicher Räume häufig mit jahrelangen Planungsprozessen einher.

Eine mögliche Ergänzung bieten mobile Begrünungskonzepte. Pflanzmodule, mobile Bäume oder begrünte Aufenthaltsräume lassen sich vergleichsweise schnell aufstellen und bei Bedarf versetzen. Sie kommen meist ohne dauerhafte bauliche Eingriffe aus und können deshalb auch an stark versiegelten oder sensiblen Standorten eingesetzt werden. Berlin erprobt inzwischen verschiedene dieser Ansätze – von Parklets in Wohnquartieren bis zu mobilen Großbäumen und begrünten Klimainseln.

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Parklets in Berlin: Nachbarschaften verwandeln Parkplätze in grüne Treffpunkte

Ein hölzernes Parklet mit Sitzbank und mehreren bepflanzten Holzkästen steht auf zwei ehemaligen Parkplätzen zwischen parkenden Autos vor einer Häuserzeile mit Hecken.

Ein Parklet in Kreuzberg zeigt, wie eine ehemals als Parkplatz genutzte Fläche zu einem begrünten Treffpunkt für Anwohnerinnen und Anwohner wird. / © Foto: Wikimedia Commons, SupapleX, CC BY-SA 4.0

Seit einigen Jahren gehören Parklets zur Berliner Stadtbegrünung fest dazu. Aus ehemaligen Stellplätzen entstehen kleine, meist aus Holz gebaute Aufenthaltsflächen. Nachbarschaften planen und bauen sie in Eigeninitiative. Zwischen 2021 und 2023 förderte die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt den Bau zahlreicher Parklets, etwa in der Oderstraße in Neukölln oder der Lübecker Straße in Moabit. Meist entstehen dabei Sitzgelegenheiten und Pflanzflächen. Manchmal kommen auch Tauschstationen oder kleine Spielbereiche dazu. So wird aus einem Parkplatz ein vielseitig nutzbarer Ort.

Unter der aktuellen Regierung wurden die Förderungen für diese niedrigschwelligen Aufenthaltsorte jedoch gestrichen. Als Grund dafür nennt die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Einsparungen im Haushalt. Die Bestandspflege übernimmt inzwischen der Verein NaturFreunde Berlin e.V. Er unterstützt Initiativen bei Wartung und Reparaturen. Bei Bedarf vermittelt er bestehende Parklets auch an neue Träger.

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Mobile Großbäume im Straßenraum: Flexible Begrünung ohne feste Pflanzstandorte

Mehrere ausgewachsene Bäume in runden, rostfarbenen Metalltrögen stehen auf einem gepflasterten Platz mit runden Holzbänken, im Hintergrund parkende Autos und historische Gebäude.

Mobile Bäume des Systems „MobileGreen“ stehen in großen Pflanztrögen auf einem Platz in Wohlen. Die mobilen Module lassen sich bei Bedarf versetzen und ermöglichen so Begrünung ohne feste Pflanzstandorte. / © Foto: Bauer Baumschulen

Einen technisch anderen Weg verfolgt das System „MobileGreen“ der Bauer Baumschulen. Mehrere Meter hohe Bäume wachsen darin in eigens entwickelten Pflanztrögen. Sie lassen sich per Stapler oder Kran versetzen. Integrierte Wasserreservoirs und Sensorik übernehmen einen Großteil der Bewässerung und Überwachung. Dadurch sinkt der Pflegeaufwand im Vergleich zu klassischen Pflanzungen.

Das System eignet sich vor allem für stark versiegelte Plätze, auf denen feste Baumpflanzungen nicht möglich sind. Die mobilen Bäume spenden Schatten und senken die Oberflächentemperatur spürbar. Trotzdem bleibt die Fläche für Märkte oder Veranstaltungen nutzbar. Die Hersteller verstehen das Konzept nicht als Ersatz für klassische Stadtbäume. Sie sehen es als Ergänzung für Standorte, an denen dauerhafte Pflanzungen bislang kaum möglich waren.

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Schinkelplatz in Mitte: Ausstellung über Mobile Gärten als Beitrag zur Klimaanpassung

Ausstellungsgelände am Schinkelplatz mit Banner „Treffpunkt Bauwende", im Hintergrund Humboldt Forum und Fernsehturm.

Seit dem 8. Juni 2026 ist die Ausstellung „Treffpunkt Bauwende – Blau-Grünes Bauen“ auf dem Bauakademie-Grundstück zu sehen. / © ENTWICKLUNGSSTADT

Auf dem Gelände der künftigen Bauakademie am Schinkelplatz läuft derzeit die Ausstellung „Treffpunkt Bauwende: Blau-Grünes Bauen“. Sie zeigt, wie sich Städte an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Bis in den Herbst hinein stehen dort bepflanzte Flächen, temporäre Baumgruppen und verschiedene Demonstrationsobjekte. Sie stellen unterschiedliche Ansätze mobiler Begrünung vor. Eines dieser Ausstellungsstücke ist das sogenannte „Mobile Grüne Zimmer“.

Gerade für denkmalgeschützte Orte bieten solche Systeme interessante Perspektiven. Sie kommen ohne dauerhafte Eingriffe aus. Deshalb lassen sie sich auch dort einsetzen, wo klassische Pflanzungen aus gestalterischen oder rechtlichen Gründen ausscheiden. Die Ausstellung macht deutlich: Mobile Begrünung leistet mehr als reine Kühlung. Sie schafft neue Aufenthaltsorte und ergänzt Stadträume.

Mobiles Grünes Zimmer: Ein Aufenthaltsraum der auf einen LKW geladen werden kann

Ein containerähnliches, mobiles Bauwerk mit begrünten Wänden aus Kletterpflanzen und blühenden Blumen sowie einer Holzterrasse steht auf einer Wiese, im Hintergrund eine Backsteinfassade und ein modernes Bürogebäude.

Das „Mobile Grüne Zimmer“ zeigt, wie eine begrünte Grünwand mit Spalierdach auch auf einer noch unbebauten Fläche einen Aufenthaltsraum schaffen kann./ © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Das auf dem Schinkelplatz gezeigte Exemplar ist kein Einzelstück. Mehrere „Mobile Grüne Zimmer“ stehen bereits in Deutschland verteilt. Unabhängig von der Ausstellung zeigen sie dort, wie sich stark versiegelte Plätze kurzfristig begrünen lassen. Das System besteht aus einer freistehenden Grünwand, einem bepflanzten Spalierdach und Sitzgelegenheiten. Dazu kommt ein integriertes Wasserreservoir. Blattschmuckpflanzen, Blühpflanzen und Kräuter schaffen so innerhalb kurzer Zeit einen vollständig begrünten Aufenthaltsraum. Photovoltaikmodule übernehmen die Energieversorgung.

Ein Lkw kann das „Mobile Grüne Zimmer“ an nahezu jeden Standort bringen, ganz ohne Montage. Es spendet Schatten und dient gleichzeitig als Demonstrationsprojekt für Klimaanpassung und urbane Begrünung. So zeigt es anschaulich, wie sich selbst stark versiegelte Plätze kurzfristig in attraktive Aufenthaltsorte verwandeln lassen.

Forum Köpenick: Moosmodule verbessern das Raumklima

Atrium des Forum Köpenick hier wurden Moosmodule angebracht.

Im Forum Köpenick wurden Moosmodule von Green City Solutions aufgestellt, um das Raumklima nachhaltig und natürlich zu kühlen. / © Foto: Green City Solutions

Im Forum Köpenick kommen seit 2024 sogenannte „CityBreeze-Anlagen“ des Unternehmens Green City Solutions zum Einsatz. Die Systeme kombinieren lebende Mooskulturen mit technischer Unterstützung. Die Luft wird durch die bepflanzten Module geleitet, wobei Feinstaub gebunden werden kann. Gleichzeitig nutzt das System die natürliche Verdunstung der Pflanzen, um die Umgebungsluft zu kühlen.

Das Projekt zeigt, dass mobile Begrünung längst nicht mehr ausschließlich im öffentlichen Straßenraum eingesetzt wird. Auch Einkaufszentren oder andere Gebäude können von solchen Lösungen profitieren. Besonders an Orten, an denen größere Grünflächen nicht realisierbar sind, ergänzen die Moosmodule klassische Begrünungsmaßnahmen und verbessern die Aufenthaltsqualität.

Quellen: rbb24, NaturFreunde Berlin, Land Berlin, Gartenkarte Berlin, Bauer Baumschulen AG, Helix Pflanzensysteme, Green City Solutions

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