Berlin will die Umsetzung des Klimaanpassungsgesetzes beschleunigen und setzt dabei auf ein neues Steuerungsgremium mit Vertretern aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Der Schritt kommt zu einer Zeit, in der die Stadt vor großen Herausforderungen bei Hitzeschutz, Stadtgrün und einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik steht.

Fahrradweg mit Radfahrer am Mehringdamm, Nahe Tempelhofer Berg. Grüne Bäume.

Das Berliner Klimaanpassungsgesetz soll die Stadt widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels machen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Hitzeschutz, der Erhalt von Stadtgrün und eine klimaresiliente Infrastruktur. / © Foto: depositphotos.com

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Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, zeigt sich zunehmend, wie stark der Klimawandel den Alltag in Berlin verändert. Hitzebelastung in dicht bebauten Quartieren, trockene Grünanlagen und der Schutz besonders gefährdeter Menschen gehören inzwischen zu den zentralen Aufgaben der Stadtentwicklung. Nun will der Berliner Senat die Umsetzung des Klimaanpassungsgesetzes mit einer neuen Organisationsstruktur vorantreiben.

Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) hat dafür einen Steuerungskreis eingerichtet, der die kommenden Schritte koordinieren soll. In dem Gremium sitzen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Senatsverwaltungen, der Bezirke, landeseigener Unternehmen sowie aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

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Zu den Beteiligten gehören unter anderem „Berlins Baum-Papst“, Prof. Dr. Hartmut Balder von der Stiftung Zukunft Berlin, der sich seit Jahren mit Stadtbäumen beschäftigt, sowie Heinrich Strößenreuther vom Verein BaumEntscheid. Auch die Berliner Wasserbetriebe, die Senatskanzlei und mehrere Bezirksvertretungen sind eingebunden.

18 Monate für Zuständigkeiten und konkrete Maßnahmen

Der Steuerungskreis soll innerhalb von 18 Monaten die Grundlagen für die praktische Umsetzung des Gesetzes schaffen. Dazu gehören unter anderem klare Zuständigkeiten, eine Einschätzung des benötigten Personals und finanzielle Rahmenbedingungen.

„Klimaanpassung ist für Berlin keine Randfrage, sondern eine Generationenaufgabe“, sagte Staatssekretär Andreas Kraus. Nach Angaben der Senatsverwaltung unterstreichen auch die Folgen zunehmender Hitzeperioden die Dringlichkeit. Allein im Jahr 2026 seien bislang 120 Menschen durch hitzebedingte Belastungen gestorben.

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Die stärkere Einbindung von Wissenschaft und Zivilgesellschaft ist ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig steht Berlin vor der Herausforderung, die angekündigten Ziele auch in der Praxis umzusetzen. Gerade beim Umgang mit Stadtgrün zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen politischen Ansprüchen und tatsächlicher Entwicklung.

Stadtbäume und Verkehr: Klimaanpassung trifft auf bestehende Konflikte

Zwar hat sich der Zustand des Berliner Straßenbaumbestands zuletzt leicht verbessert, die Bilanz bleibt jedoch ambivalent. Nach Angaben der Senatsverwaltung wurden 2025 weiterhin deutlich mehr Straßenbäume gefällt als neu gepflanzt: 5.643 Fällungen standen lediglich 2.736 Pflanzungen gegenüber. Neue Bäume benötigen zudem viele Jahre, bis sie eine vergleichbare Wirkung für Kühlung, Luftqualität oder Lärmschutz entfalten können.

Auch die Verkehrspolitik spielt eine Rolle bei der Frage, wie klimaangepasst Berlin künftig sein will. Während der Senat neue Strukturen für Klimaanpassung schafft, sorgen Entscheidungen wie der geplante Rückbau des Radwegs an der Straße Unter den Eichen oder die geplante Änderung der Radverkehrsführung in der Kantstraße für Diskussionen über die künftige Verteilung des Straßenraums.

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Die kommenden Monate werden deshalb zeigen, ob die neue Struktur tatsächlich zu einer langfristigen Strategie führt. Entscheidend wird sein, ob Klimaanpassung nicht nur als Verwaltungsaufgabe verstanden wird, sondern sich auch in konkreten Entscheidungen zu Stadtgrün, Mobilität und öffentlichem Raum widerspiegelt.

 

Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Referat Freiraumplanung und Stadtgrün

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2 Kommentare

  1. Norbert 6. August 2026 at 14:27 - Reply

    Dass sich der Zustand der Berliner Straßenbäume leicht verbessert hat, ist eine Lüge der CDU. Dies lässt sich laut einem Gutachter statistisch nicht belegen. Herr Stößenreuther vom Baumentscheid kann da mehr erzählen, wie die CDU kurz vor der Wahl noch alle Register zieht, um irgendwie ein paar Stimmen mehr zu bekommen.

  2. s.schmidt 7. August 2026 at 11:37 - Reply

    Na endlich! Aufgrund von Sondervermögen und einer katastrophalen Infrastruktur sollte es generell eine sonder-taskforce aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft geben.

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