In Berlin fahren U-Bahnen weiter ohne Klimaanlagen. Die BVG wird daran auch in den kommenden Jahren nichts ändern – und nennt Gründe.

Ein neuer U-Bahn-Zug der BVG steht an einem Berliner Bahnhof. Auch die neuesten Fahrzeuge der Berliner U-Bahn verfügen im Fahrgastraum nicht über Klimaanlagen. / © Foto: BVG
© Titelbild: BVG / Wolfgang Hemmann
In Bussen und vielen Straßenbahnen gehört Kühlung bei der BVG längst zum Alltag. In der Berliner U-Bahn bleibt es dagegen bei Lüftung, Klappfenstern und technischen Grenzen. Während Städte wie Hamburg und London klimatisierte U-Bahn-Züge einsetzen oder vorbereiten, hält Berlin an einer anderen Linie fest.
Die BVG setzt in ihren U-Bahnen nicht auf Klimaanlagen im Fahrgastraum, sondern auf Lüftungssysteme. Daran wird sich laut aktueller Aussage der BVG auch nichts ändern. Für die Fahrgäste macht das an heißen Tagen einen großen Unterschied.
Klimaanlagen in der Berliner U-Bahn: Die BVG nennt drei Hürden
Dafür nennt die BVG mehrere technische Gründe. Vor allem fehle es an Platz. Die üblichen Anlagen sitzen bei Schienenfahrzeugen oft auf dem Dach. Genau dort bleibt in Berliner U-Bahntunneln nur wenig Raum. Die Züge passen eng in das vorhandene Lichtraumprofil.
Neben dem Platz verweist die BVG auf Energieverbrauch und Abwärme. In einer Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage heißt es, eine Klimatisierung des Fahrgastraums würde etwa 25 Prozent der Antriebsenergie zusätzlich benötigen. Diese Energie würde als Wärme in die Tunnel gelangen. Wie stark sich die Tunnel dadurch erwärmen würden, hänge von der jeweiligen Infrastruktur ab. Aktuell erwartet die BVG ohne Fahrgastraum-Klimaanlagen keine Tunneltemperaturen von 30 Grad oder mehr.
Eine Nachrüstung sieht auch der Senat derzeit deshalb nicht. Die BVG verweist zudem auf frühere Gespräche mit Herstellern: Im Industriedialog wurden Klimaanlagen bereits diskutiert. Damals habe es keine Lösung gegeben, die sich in das Dach integrieren ließ.
Klimaanlagen in U-Bahnen: Andere Städte, andere Lösungen
Der Vergleich mit anderen Städten bleibt dennoch relevant. Hamburg setzt bei neueren U-Bahn-Zügen vom Typ DT5 Klimaanlagen ein; auch die kommende Generation DT6 soll klimatisiert sein. Ältere Züge bleiben dort jedoch ebenfalls ein Problem.
London geht bei der Piccadilly Line einen weiteren Schritt: Neue Züge sollen erstmals auf einer Deep-Tube-Linie Klimatisierung bekommen. TfL nennt dafür einen Start zwischen Dezember 2026 und Juni 2027. Auch dort gilt die Klimatisierung zunächst aber nur für neue Fahrzeuge auf einer einzelnen Linie.
BVG sieht U-Bahn-Vergleich kritisch
Beim Verweis auf London bleibt die BVG zurückhaltend. Nach ihrer Einschätzung lassen sich die neuen Fahrzeuge der Piccadilly Line nur eingeschränkt mit den bisherigen Tube-Zügen vergleichen. Sie hätten ungefähr die Maße einer Berliner Großprofil-U-Bahn. Wie die Klimaanlagen dort technisch eingebaut wurden, sei der BVG jedoch nicht bekannt. Der Berliner Senat kündigte deshalb an, die Londoner Lösung durch die BVG prüfen zu lassen. Ob sich daraus Erkenntnisse für Berlin ergeben, ist bislang offen.
Für Berliner Fahrgäste bedeutet das: Auch in den kommenden Jahren bleibt die U-Bahn ohne Klimaanlage im Fahrgastraum. Die BVG setzt weiterhin auf Lüftung, Klappfenster und neue Fahrzeuge, sieht derzeit aber keine technische Möglichkeit für eine nachträgliche Klimatisierung.
Quellen: rbb24, BVG Nachgefragt, Schriftliche Anfragen an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/23070 und 19/23494, Transport for London, Hamburger Hochbahn
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13 Kommentare
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Nicht gerade erfreulich in Zeiten des Klimawandels. Zumindest zwei Fragen: Da die BVG es immer wieder mit Haltestellen- und Tunnelsanierungen zu tun bekommt, wie wäre es, wenn man dafür für die Tunnel wie gür die Haltestellen dabei Lösungen nach oben an die Erdoberfläche sucht, um warme Luft abzuführen? Und wie wäre es (dann) mit einer Klimatisierung der Haltestellen? Einfach so weitermachen wie es der Artikel andeutet, und eine Änderung der Realität damit faktisch zu verweigern, halte ich für die schlechtere Option. Ist zwar für Berlin derzeit bequem, aber, naja. In Hamburg hat man ja Lösungen gefunden. Ist nicht so weit wie London ;-)
Die besagte bauliche Veränderung scheitert doch schon beim Nimbytum stadtweit. Die 21 ist doch ein hervorragendes Beispiel.
Die notwendigen baulichen Maßnahmen würden schon im Ansatz scheitern, bei den massiven notwendigen Maßnahmen für etwaige Abluftanlagen. Woher soll das Geld für all das samt hoher Betriebskosten denn kommen, wenn schon Merz sein Spardiktat bei den ärmsten Gruppen anlegen möchte? Und da sind neue Ausschreibungen für etwaige Züge noch gar nicht eingefasst. Die bisherigen Baureihen können nicht umgerüstet werden, allein schon deshalb, weil seit Jahren Züge fehlen und im Betrieb gebraucht werden. Wie lange alleine die letzte Ausschreibung samt Lieferung gedauert hat, sagt doch alles.
Die Verweigerung findet ja nur bei dem Irrglauben statt, eine Klimatisierung wäre realistisch. Nein, ist sie nicht. Aus benannten Gründen. Und sorry, neue Linien, Züge und ein enormer Investitionsstau sind wichtig, keine klimatisierte U-Bahn. Ja klar, im Traumland hätte ich die hier auch gerne. Aber mal Butter bei die Fische und hört auf euch der Realität zu verweigern. Es ist ja auch jedes Jahr dieselbe Diskussion. Und wird daraus gelernt? Irgendwie nicht. Und keine einzige Partei hat dieses Luftschloss im Wahlprogramm. Aus meinen genannten Gründen. Seid froh, wenn die U7 zum BER verlängert oder die U8 ins Märkische Viertel. Es wird für uns kein Geldregen geben. Nicht einmal für den Ausbau des ÖPNV gibt es genügend vom Bund.
Wer mit ÖPNV fährt ist selbst schuld
Bing chilling
Wer dumme Kommentare wie Diesen „freu gibt“ zerstört jede vernünftige Diskussion im Forum!
Ich bin kein Experte, aber warum lassen sich Klimaanlagen nicht unter den Sitzen (sind ja bei den neuen Zügen eh alles Längssitze) unterbringen? Bei den alten Zügen scheint ja unter den Sitzen auch die Heizung zu sein. Und ich denke ja dass eine moderne Klimaanlage nicht nur kühlt, sondern auch eine Heizung ersetzt. Also da müsste doch genug Platz sein.
Klimatechnik ist weit mehr als nur Heizgeräte. Ersteres arbeitet mit Luft. Viel Luft und Kondenswasser. Haben Sie noch nie eine Klimaanlage verwendet? Wie oben im Artikel erwähnt, ist das größere Problem das Aufheizen der Infrastruktur. Die Abwärme muss irgendwo hin. Was bringt ihnen ein klimatisierter Zug, wenn sie im Bahnhof bei über 40 Grad warten müssen?
Nein, unter den Sitzen ergibt kein Sinn. Wenn Sie die neuen Baureihen J und I oder die der S-Bahn BR483/484 bestaunen, die Sitze sind sämtlich frei, kein verblendeter Raum. Das ergibt auch in mehrerer Hinsicht keinen Sinn, alleine schon wegen der Beinfreiheit, Gepäck, Wartung.
Eine entsprechende Anlage kann also allenfalls nur unter dem Boden des Zuges untergebracht werden. Zwischen den Antrieben und Drehgestellen. Alleine das ist technisch enorm aufwendig und teuer. Und die Abwärme kann die Antriebe, Fahrmotoren zusätzlich stark belasten. Sie werden ja auch warm.
Deshalb plädiert man meistens für die Installation über der Decke. Würde man das tun, müssten die Decken wesentlich kleiner ausfallen. Das Problem mit der Abwärme bleibt. 155km mit einem entsprechenden Abluftsystem auszustatten ist illusorisch. Und ja, das müsste im gesamten Netz relativ zeitgleich passieren. Damit eben keine enorme Abwärme durch die Tunnel rollt. Das bisschen oberirdische Netz natürlich ausgenommen.
Ja, Klimaanlagen sind wie Kühlschränke auch Wärmepumpen. Deshalb wird es aber nicht einfacher.
Eine Klimatisierunh ist alternativlos. Es wird jedes Jahr wärmer werden. Es ist bald keine Komfortfrage mehr sondern Notwendigkeit.
Alternativlos ist das Gegenteil, vorerst keine Klimatechnik. Weshalb, steht im Artikel. Müssten Sie halt lesen und verstehen. Willkommen Realität.
Eine regelmäßige Prüfung neuer Lösungen und Techniken ist immer zu bevorzugen. Der Artikel hat mir auch nochmal neue Infos zum Stand in London gegeben. Auch dazu kursierten viele Falschinformationen.
Natürlich, wir wünschen uns alle ein Wolkenkuckucksheim, eine Klima kann was Tolles sein. Jetzt steht bei mir auch eine Midea Portasplit. Aber, all das ist eine Abwägung zwischen Kosten und Nutzen. In der Diskussion ist mir leider immer wieder aufgefallen, auch hier, wie resistent User gegenüber Fakten und Realität sind. In etwa so, als eröffneten nächstes Jahr fünf neue U-Bahnlinien in Berlin.
Seit Jahren warten wir auf den Anschluss der Linie 21 ans Ostkreuz. Weitere Beispiele sind klar. Welche Priorität und insbesondere Umsetzung kann da also die Umrüstung eines U-Bahnsystems von 155km Länge haben? Dann vielleicht auch noch die furchtbar wichtigen Zugangssysteme, die die Berliner Dorfpartei CDU forderte? Insbesondere auch im Kontext des massiven Investitionsdefizits im Netz selbst und bei den Fahrzeugen, die Frau Bonde nicht einmal in Mindestbestellmenge abnehmen möchte, stattdessen ernsthaft ältere Baureihen ertüchtigen möchte?
Ich sage: Schuster bleibt bei euren Leisten. Wenn ihr eine klimatisierte U-Bahn haben wollt, zieht in eine entsprechende Stadt oder spendet dem Land Berlin mindestens 10 Milliarden für die Umsetzung. Vielleicht hilft euch ja Musk …
Also Stand heute ist die Mindestbestellmenge sogar überschritten. Und es wird immer nur häppchenweise bestellt werden. Die Zahl der geplanten Bestellung ist aus Gründen des Vergaberechtes erst mal hoch angesetzt und mit Optionen versehen. Dann wird dieser Rahmen entweder voll ausgeschöpft (Mercedes Citaro Gelenkbusse) oder eben nicht (Dennis Doppeldecker).
Es ist bei einem großen Teil des Wahlvolks immer noch nicht angekommen, dass Deutschland seit Jahrzehnten schlecht regiert wird und seine enormen Steuereinnahmen im Übermaß für einen irren Asyl- und Asozialstaat verschleudert. Deshalb bleibt viel zu wenig für Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur übrig. Mittlerweile ist das Land im Grunde genommen bankrott. Allein die wahnwitzige Neuverschuldung unter Friedrich Merz wird die finanziellen Spielräume unseres Landes in den nächsten Jahren dramatisch weiter einengen. Glücklich, wer all das nicht zur Kenntnis nehmen möchte und sich weitere Geldverschwendungsprojekte wünscht.
Ich empfehle das Kühlen durch Fahrtwind – durch Fenster, die es ermöglichen, in den Genuß von kühlendem Fahrtwind zu gelangen. Ganz einfach.
In Deutschland ist das aufgrund der Mentalität kaum zu realisieren.
Wenn ich im Sommer in ein volles, drückend-heißes Abteil steige sind oft die Fenster dennoch geschlossen! Was meinen Sie wie ich angeschaut werde, wenn ich es wage, ein Fenster zu öffnen?
Sind eben so, die Deutschen😉