In Berlin fehlt Wohnraum, doch der Bau neuer Quartiere trifft immer häufiger auf bestehende Grünflächen. Im Norden des Bezirks Pankow zeigt sich dieser Konflikt gerade besonders deutlich. Dort steht eine Kleingartenanlage vor dem möglichen Aus. Der Bezirk versucht nun, sie zu schützen.
© Titelbild: Wikimedia Commons, Joe Mabel, CC BY-SA 4.0
In Pankow rückt die Kleingartenanlage „Gartenbau Nordend“ in Niederschönhausen in den Fokus der Flächendebatte. Nach der Kündigung des Pachtvertrags steht eine mögliche Wohnbebauung auf dem Gelände im Raum. Das Grundstück östlich der Dietzgenstraße umfasst 50 Parzellen auf rund 2,6 Hektar und gehört einer privaten Immobiliengesellschaft. Im Flächennutzungsplan ist die Fläche als Bauland ausgewiesen, eine Bebauung wäre damit grundsätzlich möglich.
Die Bezirksverordnetenversammlung reagierte darauf und beschloss, das Bezirksamt solle die Anlage sichern. Ziel sei eine rechtsverbindliche Festsetzung als Dauerkleingartenanlage, so der Tagesspiegel. Welche Bebauung konkret geplant ist, bleibt allerdings offen. Der Bezirksverordnete Mike Szidat rechne nach eigenen Angaben damit, dass dort vermutlich Reihenhäuser und Townhouses entstünden. Eine Stellungnahme der Eigentümerin liegt bislang nicht vor.

Kleingärten sind für viele Berlinerinnen und Berliner grüne Rückzugsräume mitten in der Stadt, die Erholung, Nachbarschaft und Naturerleben verbinden. / © Foto: depositphotos.com
Schutz für Kleingärten in Berlin: Warum das Gesetz hier nicht greift
Auf Landesebene hatte der Senat im Dezember 2025 das Kleingartenflächensicherungsgesetz beschlossen. Es soll Kleingartenanlagen auf landeseigenen Flächen dauerhaft schützen. Eine Inanspruchnahme wäre dann nur mit Zustimmung des Abgeordnetenhauses und nur in geregelten Ausnahmen möglich. Zudem müssten bei einer Aufgabe gleichwertige Ersatzflächen entstehen.
Auf den Pankower Fall lässt sich dieses Gesetz jedoch nicht anwenden, denn die Anlage steht in Privateigentum. Der Bezirk kann trotzdem handeln, weil sich Flächen unter drei Hektar umwidmen lassen. Dafür müsste er einen Bebauungsplan aufstellen und parallel eine Veränderungssperre erlassen. Szidat räumte allerdings ein, solche Verfahren dauerten in Pankow häufig Jahre und kämen damit womöglich zu spät.
Wohnungsdebatte in Berlin: Mehr Bauland, aber zu welchem Preis?
Wie viel Fläche der Wohnungsbau beanspruchen darf, bleibt umstritten. Erst kürzlich positionierte sich dazu der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg. Der Vorsitzende Christian Müller erklärte, der Pro-Kopf-Verbrauch an Wohnfläche steige seit Jahren, während Familien kaum noch bezahlbaren Wohnraum fänden. Er rief er unter anderem zu einer konsequenten Nutzung landeseigener Grundstücke, etwa an Rändern von Kleingartenanlagen auf.
Damit zielt der Verein allerdings auf öffentliche Flächen, während es in Pankow um privates Land geht. Genau hier zeigt sich die eigentliche Frage des Flächenkampfs. Denn wo neuer Wohnraum entsteht, verschwinden oft gewachsene Grünräume, und welche Wohnungen am Ende entstehen, bleibt zunächst unklar. Der Streit um die richtigen Flächen dürfte Berlin deshalb weiter begleiten.
Quellen: Der Tagesspiegel, Senatskanzlei, Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V.
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2 Kommentare
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Von den in einem anderen Artikel vorgestellten 12 Vorhaben mit abgeblich 70.000 WE, sind 6 Vorhaben im Bau. Allerdings wird die Anzahl der bezugsfertigen WE bzw. die im Bau befindlichen WE nicht angegeben.
Also es könnte dort gebaut werden aber es rechnet sich nicht.
Wozu die Kleingartenanlage nun „abholzen“.
„Ut aliquid fieri videatur“, wie wir Lateiner sagen würden.
Nun ja, wenn nahezu jede Wohnung, die neu gebaut wird, NUR (nicht AUCH, sondern NUR) mit WBS vermietet wird, können halt leider normale Vollzeit arbeitende Menschen, die in die Sozialkassen einzahlen leider keine Wohnung finden. Das ist nämlich nur Teilzeitkräften, Arbeitslosen, Flüchtlingen u.a. möglich. Dass auch diese einen Anspruch auf Wohnraum haben, ist klar, nur warum müssen „netto positive“ Bürger von sämtlichen Neubauten ausgeschlossen werden? Wer genug verdient, um kein Geld vom Amt zu beziehen, aber nicht genug, um sich 1.500 kalt zu leisten, der ist halt einfach am ALlerwertesten in dieser Stadt. Und Genossenschaften, die noch aufnehmen? Ja vielleicht in der hintersten Ecke von Treptow oder Buch vielleicht noch, wo man dann 2 Stunden zur Arbeit brauch.
Ich habe kein Problem mit dem WBS an sich, ist ne tolle Sache, aber dass nagelneue, moderne Wohnungen NUR (ausschließlich!) an Leute, die arm genug sind, vermietet werden, ist blanker Hohn gegenüber den Leuten, die dieses Modell der Gesellschaft überhaupt noch am Laufen halten.