Die A100-Umleitung belastet Charlottenburg bis 2027. Neue Angaben zeigen, welche Verkehrsmaßnahmen im Klausenerplatz-Kiez geplant sind.

So soll der Verkehr künftig wieder fließen: Die Visualisierung zeigt die erneuerte A100 am Autobahndreieck Funkturm mit der neuen Ringbahnbrücke im Berliner Westen. / © DEGES
© Foto: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 3.0
Seit der Sperrung und dem Abriss zweier Autobahnbrücken rollt deutlich mehr Verkehr durch Charlottenburg. Besonders betroffen sind die Königin-Elisabeth-Straße, der Spandauer Damm und das Umfeld des Klausenerplatzes. Eine neue parlamentarische Anfrage zeigt nun, welche Entlastungen geplant sind – und welche Forderungen der Anwohner vorerst keine Aussicht auf Umsetzung haben.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Betroffener Bereich: Klausenerplatz-Kiez, Königin-Elisabeth-Straße und Sophie-Charlotten-Straße
- Projektstatus: A100-Ersatzneubauten im Bau, Mobilitätskonzept teilweise umgesetzt
- Baubeginn Ringbahnbrücke: Oktober 2025
- Baubeginn Westendbrücke: Dezember 2025
- Geplante Fertigstellung: Sommer 2027
Die A100 bleibt im Berliner Westen für Pendler ein Engpass. Wegen des Neubaus von Ringbahnbrücke und Westendbrücke steht die Verbindung in Richtung Norden nur eingeschränkt zur Verfügung. Der Senat leitet einen Teil des Verkehrs über Messedamm, Königin-Elisabeth-Straße und Spandauer Damm. Weitere Ausweichrouten führen unter anderem über die Kaiser-Friedrich-Straße und die Otto-Suhr-Allee.
Die Verwaltung entwickelte diese innerstädtische Verkehrsführung kurzfristig nach der Sperrung der Ringbahnbrücke. Ein eigenständiges, veröffentlichtes Gesamtkonzept für den Umleitungsverkehr gibt es nicht. Stattdessen passte der Senat Beschilderungen und Ampelschaltungen schrittweise an.

Der Ersatzneubau der Ringbahnbrücke am Autobahndreieck Funkturm zählt zu den wichtigsten Infrastrukturprojekten der A100. Während der Bauarbeiten bleibt der Umleitungsverkehr für viele Straßen in Charlottenburg ein zentrales Thema. / © Foto: TIME CODE MEDIA
A100-Umleitung: Keine nächtliche Sperrung für Lastwagen geplant
Für Anwohner ist vor allem der Schwerlastverkehr in der Königin-Elisabeth-Straße relevant. Der Senat kennt bislang weder die Ausgangsorte noch die Ziele der dort fahrenden Lastwagen. Auch der Bund hat Berlin keine Ergebnisse zu einer weiträumigen Umleitung übermittelt. Ob ein großer Teil der Lkw keinen Start- oder Zielpunkt in Berlin hat, lässt sich deshalb nach Angaben der Verkehrsverwaltung nicht belegen. Gespräche über mögliche Mautdaten laufen noch.
Eine nächtliche Lkw-Sperrung plant der Senat derzeit aber nicht. Nach seiner fachlichen Bewertung bleiben die Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten. Auch die Schwelle, ab der zusätzliche Maßnahmen gegen Verkehrslärm zwingend wären, werde im umliegenden Nebennetz nicht überschritten. Hinweise auf Erschütterungen durch den Verkehr lägen ebenfalls nicht vor.
Für die Sophie-Charlotten-Straße hingegen erkennt die Verwaltung zwar grundsätzlich einen Lärmschutzbedarf. Sie verweist jedoch auf das geplante nächtliche Tempo-30-Konzept und das bestehende Schallschutzfensterprogramm. Zusätzliche Maßnahmen wegen der A100-Umleitung seien nicht vorgesehen.

Auf der Baustelle der Westendbrücke in Charlottenburg kam es durch den frostigen Winter zu Verzögerungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Klausenerplatz-Kiez: Verkehrsberuhigung kostet fast zwei Millionen Euro
Parallel zur A100-Baustelle setzt der Bezirk Teile des Mobilitätskonzepts für den Klausenerplatz-Kiez um. Drei Fahrbahnkissen zur Verkehrsberuhigung sind bereits eingebaut. Sie kosteten nach Bezirksangaben rund 50.000 Euro. Neue Querungsmöglichkeiten in der Seelingstraße und Christstraße befinden sich für etwa 330.000 Euro in der Umsetzung. Für die Neugestaltung des Horst-Wundt-Platzes sind rund 1,5 Millionen Euro vorgesehen; die Arbeiten sollen noch 2026 erfolgen.
Damit stehen zwei Ziele nebeneinander: Der Durchgangsverkehr im Klausenerplatz-Kiez soll sinken, während die umliegenden Hauptstraßen bis zur geplanten Fertigstellung der Ringbahnbrücke und Westendbrücke im Sommer 2027 einen erheblichen Teil des A100-Verkehrs aufnehmen müssen. Welche weiteren Maßnahmen der Bezirk tatsächlich umsetzt, ist noch nicht abschließend entschieden.
Klausenerplatz-Kiez
Quellen: Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksachen 19/26534 und 19/25667, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, DEGES
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