In Berlin entstanden viele neue Kita-Plätze, weil Eltern jahrelang kaum Betreuungsplätze fanden. Nun sinkt die Kinderzahl, erste Kitas schließen, und die Stadt muss über Umbau, Zwischennutzung und neue Nutzung von Gebäuden entscheiden.

Kinder spielen in einer Kita in Berlin mit bunten Bausteinen und fördern dabei Kreativität, Feinmotorik und gemeinsames Lernen. / © Foto: depositphotos.com
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Berlin hat in den vergangenen Jahren viele neue Kita-Plätze geschaffen. Der Ausbau reagierte auf einen realen Mangel: Familien suchten oft lange nach einem Platz, Träger bauten neu, sanierten oder erweiterten bestehende Gebäude. Jetzt zeigen aktuelle Zahlen eine andere Lage. Die Zahl der zu betreuenden Kinder sinkt. Damit rückt eine neue Frage in den Mittelpunkt: Was passiert mit Kita-Gebäuden, wenn sie nicht mehr vollständig gebraucht werden?
In Berlin standen am 1. März 2025 insgesamt 2.871 Kindertageseinrichtungen mit 197.723 genehmigten Plätzen zur Verfügung. Gleichzeitig besuchten rund 171.000 Kinder ein öffentlich gefördertes Angebot der Kindertagesbetreuung. Ohne Hortkinder waren mehr als 166.400 Kinder in öffentlichen und freien Einrichtungen untergebracht. Damit blieb ein großer Teil der vorhandenen Kapazitäten ungenutzt. Gegenüber dem Vorjahr sank diese Zahl um 1,8 Prozent.
Nach Kita-Boom in Berlin: Leerstand und offene Gebäude-Frage
Diese Entwicklung wirkt wie ein Bruch. Noch vor wenigen Jahren plante Berlin den Ausbau unter hohem Druck. Das Land förderte seit 2012 neue Kita-Plätze über das Programm „Auf die Plätze, Kitas, los!“. Die Senatsverwaltung verweist auf rund 57.900 neue oder gesicherte Kita-Plätze seit 2012. Auch temporär gedachte Ausbauprogramme gewinnen dadurch eine neue Bedeutung: Neun modulare Holzbauten im MOKIB-Programm sollten zusätzlich schnell neue Gebäude schaffen. In neun Bezirken sollten sie Raum für 1.224 Kita-Plätze bieten.
Inzwischen zeigen sich die Folgen sinkender Nachfrage. In Steglitz-Zehlendorf beispielsweise schloss die Kita Steinstraße. Auch die Kita „Unter den Eichen“ wurde geschlossen. Berlinweit war Ende des vergangenen Kita-Jahres etwa jeder zehnte Kita-Platz nicht belegt.
Für die Stadt entsteht damit eine planerische Aufgabe. Kita-Gebäude lassen sich nicht beliebig nutzen. Sie haben Gruppenräume, Küchen, Sanitärbereiche, Freiflächen und Sicherheitsvorgaben für kleine Kinder.
Was passiert mit Kitas in Berlin, die nicht mehr gebraucht werden?
Genau diese Struktur kann aber auch ein Vorteil sein. Gebäude mit sozialer Infrastruktur eignen sich oft für Familienzentren, Jugendangebote, Sprachförderung, Beratungsstellen oder temporäre Bildungsangebote.
Was mit Kita-Gebäuden konkret passiert, entscheidet sich meist vor Ort. Wichtig sind der Bezirk, der Eigentümer, der Träger und der Bedarf im Kiez. Wo Plätze dauerhaft leer bleiben, kann eine Zwischennutzung helfen, Gebäude nicht ungenutzt zu lassen. Dauerhafte Lösungen können Jugendfreizeit, Familienarbeit, Bildung, Beratung oder andere soziale Angebote sein.
Kita-Leerstand in Berlin: Umbau und soziale Infrastruktur
Berlin steht damit vor keiner reinen Kita-Frage, sondern vor einer Frage der Stadtentwicklung: Wie bleiben öffentliche und soziale Gebäude nutzbar, wenn sich die Bevölkerungsstruktur verändert?
Der Senat hat die Förderlogik bereits verändert. Seit 2025 steht nicht mehr der Ausbau neuer Kita-Plätze im Vordergrund, sondern der Erhalt bestehender Plätze durch Sanierung. Für 2026 und 2027 sind keine neuen Anträge für Ausbaumaßnahmen durch Umbau oder Neubau vorgesehen. Sanierungen zum Platzerhalt bleiben möglich. Damit verschiebt Berlin den Schwerpunkt vom quantitativen Wachstum zur Sicherung und Anpassung vorhandener Gebäude.
Quellen: Berliner Morgenpost, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, rbb24, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Nachhaltige Erneuerung Berlin.
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