In Berlin schließen Traditionskinos — zuletzt das „Cinema“ in Friedenau nach über 100 Jahren. Gleichzeitig werden große Häuser saniert oder modernisiert. Das Bild der Kinolandschaft ist widersprüchlich: Zwischen Investitionsstau und Aufbruch.

Das Kino „Cinema“ in der Bundesallee in Berlin-Friedenau hat am 29. Oktober 2025 nach über 100 Jahren seine letzte Vorstellung gezeigt. Das 1911 als Stummfilmkino „Corso“ eröffnete Haus prägte Generationen von Kinobesuchern im Kiez. / © Foto: Wikimedia Commons, Günter Haase, CC BY-SA 4.0
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© Foto Titelbild: IMAGO / Hohlfeld
Die Liste geschlossener Kinos in Berlin ist lang. Seit 1998 dokumentiert ein Kinokompendium zahlreiche aufgegebene Standorte — vom Alhambra bis zum UCI Colosseum. Viele Häuser verschwanden bereits im 20. Jahrhundert, andere erst in den vergangenen Jahren. Immer wieder trifft es kleinere Spielstätten oder Arthouse-Kinos, die sich wirtschaftlich nicht mehr tragen können.
Ende Oktober 2025 schloss das „Cinema“ in Friedenau endgültig. Das Haus war 1911 als Stummfilmkino „Corso“ eröffnet worden und prägte über Generationen den Kiez. Mit der letzten Vorstellung ging eine mehr als hundertjährige Geschichte zu Ende. Solche Meldungen nähren die Debatte um ein erneutes Kinosterben.
Zukunftsprogramm Kino 2026: AG Kino warnt vor Förderstopp und fordert 30 Millionen Euro jährlich für Arthouse- und Landkinos
Der Branchenverband AG Kino – Gilde warnt vor massiven Folgen, sollte das „Zukunftsprogramm Kino“ im Bundeshaushalt nicht fortgeführt werden. Ohne Investitionsförderung stehe die Existenz vieler Arthouse- und Landkinos auf dem Spiel. Der jährliche Investitionsbedarf liege laut einer Studie der Filmförderungsanstalt bei rund 150 Millionen Euro. Kleine Häuser könnten diese Summen nicht aus eigener Kraft aufbringen.
Gefordert wird ein verlässlicher Förderrahmen von 30 Millionen Euro jährlich. Andernfalls drohe ein schleichender Substanzverlust. Kinos würden nicht abrupt sterben, sondern dann, wenn notwendige Modernisierungen ausblieben. Zugleich verweisen Branchenvertreterinnen und -Vertreter darauf, dass eine starke Kinolandschaft Voraussetzung für den Erfolg der Filmförderreform sei.
Berliner Kinolandschaft im Wandel: Sanierungen wie beim Kino International statt flächendeckendem Kinosterben
Gleichzeitig zeigt sich ein anderes, differenzierteres Bild. Während einzelne Kiez- und Programmkinos schließen müssen, investieren größere Häuser in Bestand und Technik und setzen damit bewusst auf Zukunft. Das Kino International an der Karl-Marx-Allee wurde knapp zwei Jahre lang denkmalgerecht saniert und wird am 26. Februar 2026 wiedereröffnet. Dabei blieben Fassade und prägende Elemente wie das Relief an der Außenwand unangetastet, zugleich wurden Foyer, Haustechnik und Innenräume umfassend erneuert. So verbindet das Haus historische Substanz mit zeitgemäßer Infrastruktur — ein Signal gegen den pauschalen Abgesang auf das Kino.
Auch Multiplex-Standorte stehen exemplarisch für diese Dynamik zwischen Krise und Neustart. Häuser wie das UCI Kinowelt Colosseum durchlaufen Phasen von Schließung, Umbau oder Neupositionierung und kehren teils modernisiert zurück. Parallel dazu zeigen bundesweite Zahlen der Filmförderungsanstalt, dass die Kinolandschaft zwar unter rückläufigen Besucherzahlen leidet, jedoch nicht flächendeckend schrumpft. Im ersten Halbjahr 2024 wurden weniger Tickets verkauft als im Vorjahr, dennoch lasse sich daraus kein generelles Kinosterben ableiten.
Die Entwicklung bleibt damit ambivalent. Einerseits geraten kleinere Programmkinos unter wirtschaftlichen Druck, andererseits stabilisieren sich größere Standorte durch Investitionen und Modernisierung. Statt eines einheitlichen Niedergangs zeichnet sich vielmehr ein struktureller Wandel ab – hin zu veränderten Geschäftsmodellen, neuen Förderstrukturen und einer stärkeren Differenzierung innerhalb der Berliner Kinolandschaft.
Quellen: Kinokompendium, tip Berlin, rbb24, Berlin.de, Programmkino.de,
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„Das Kino International an der Karl-Marx-Allee wurde knapp zwei Jahre lang denkmalgerecht saniert und Anfang 2026 wiedereröffnet.“
Also ins Kino gehen und Filme anschauen kann man erst am 26.Februar!