Berlin erlebt wieder mehr Kinobesuche. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt neun besondere Kinos, deren Architektur selbst ein Stück Berliner Stadt- und Filmgeschichte erzählt.
Kino International
Babylon
Delphi Filmpalast
Delphi LUX
Zoo Palast
Titania-Palast
Filmtheater am Friedrichshain
Astor Film Lounge
Union Filmtheater Friedrichshagen
© Titelbild: Yorck Kinogruppe, Daniel Horn
Berlin und das Kino gehören seit mehr als einem Jahrhundert zusammen. Doch die Filmgeschichte der Hauptstadt spielt sich nicht nur auf der Leinwand ab. Sie steckt auch in großen Sälen, Lichttürmen, geschwungenen Decken, Glasfassaden und denkmalgeschützten Foyers. Einige dieser Orte haben politische Umbrüche, Kriege, Schließungen und Umbauten überstanden. Andere zeigen, wie moderne Kinoarchitektur heute aussehen kann.
Berlin erlebt derzeit eine bemerkenswerte Rückkehr auf die große Leinwand. Von Januar bis Juni 2026 wurden in der Hauptstadt 4.353.819 Kinotickets verkauft. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es 3.927.238. Das entspricht einem Plus von 10,9 Prozent. Der Umsatz der Berliner Kinos legte sogar um 15,6 Prozent zu.
Dabei besitzt Berlin nicht nur ein großes Publikum, sondern auch eine außergewöhnlich vielfältige Kinolandschaft. Berlin.de zählt 87 Kinos mit 267 Sälen. Neben Multiplex-Häusern gibt es historische Filmtheater, ehemalige Premierenkinos und denkmalgeschützte Säle. Gerade dort wird der Kinobesuch zugleich zu einer kleinen Reise durch die Architekturgeschichte der Stadt.
Kino International: Ostmoderne an der Karl-Marx-Allee

Das Kino International an der Karl-Marx-Allee: Nach einer umfassenden Sanierung zeigt sich das Filmtheater wieder mit vielen historischen Details und moderner Kinotechnik. / © Foto: Yorck Kinogruppe, Daniel Horn
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Karl-Marx-Allee 33, 10178 Berlin
- Besonderheit: Denkmalgeschützter Kinobau der DDR-Moderne
- Link: Kino International
Kaum ein Berliner Kino ist so eng mit seiner Architektur verbunden wie das Kino International an der Karl-Marx-Allee 33 in Berlin-Mitte. Der Bau entstand Anfang der 1960er Jahre nach Plänen von Josef Kaiser und Heinz Aust. Anders als die monumentalen Wohnblöcke des älteren Abschnitts der Karl-Marx-Allee setzt das Kino auf Glas, Offenheit und einen deutlich leichter wirkenden Baukörper. Der Kinosaal und das großzügige Foyer ragen neun Meter über das Erdgeschoss hinaus.
Auch im Inneren blieb viel von diesem Charakter erhalten. Holzvertäfelungen, Kristallleuchter und die Panoramabar gehören zu den prägenden Elementen. Von 2024 bis Februar 2026 wurde das Haus umfassend saniert. Am 26. Februar 2026 begann wieder der reguläre Spielbetrieb. Die technische Infrastruktur wurde erneuert, während die wesentlichen historischen Elemente erhalten blieben.
Babylon: Ein Kino von Hans Poelzig am Rosa-Luxemburg-Platz

Das Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte wurde 1929 eröffnet und zählt zu den ältesten noch betriebenen Kinos der Hauptstadt. / © Foto: Wikimedia Commons, Bodo Christoph Preiß, CC BY 4.0
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin
- Besonderheit: Historisches Kino mit erhaltenen Stummfilmorgel
- Link: Babylon Berlin
Nur wenige Minuten entfernt steht ein Filmtheater aus einer völlig anderen Epoche. Das Babylon an der Rosa-Luxemburg-Straße 30 gehört zu einer denkmalgeschützten Gesamtanlage, die Hans Poelzig Ende der 1920er Jahre für den damaligen Bülowplatz entwarf. Zum Ensemble gehörten neben dem Kino Wohnungen und zahlreiche Läden. Nach Angaben des Landesdenkmalamts handelt es sich um das einzige erhaltene Gebäudeensemble Poelzigs in Berlin.
Das 1929 eröffnete Babylon gehört zu den ältesten noch betriebenen Filmtheatern Berlins. Eine Besonderheit befindet sich im Saal: Dort steht die einzige in Deutschland noch an ihrem ursprünglichen Standort erhaltene Stummfilmorgel. Die Architektur verbindet das Kino mit der großen Umgestaltung des heutigen Rosa-Luxemburg-Platzes während der Weimarer Republik. Damit ist das Babylon nicht nur ein Filmtheater, sondern Teil eines größeren städtebaulichen Entwurfs.
Delphi Filmpalast: Vom Tanzlokal zum großen Kinosaal

Der Delphi Filmpalast an der Kantstraße in Berlin-Charlottenburg gehört zu den traditionsreichen Kinos der City West und entstand in einem früheren Tanzpalast der 1920er Jahre. / © Foto: Wikimedia Commons, Bodo Kubrak, CC BY 4.0
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Kantstraße 12A, 10623 Berlin
- Besonderheit: Gehört zu den wenigen deutschen Kinos, die weiterhin 70-Millimeter-Filme zeigen können
- Link: Delphi Filmpalast
Der Delphi Filmpalast an der Kantstraße 12 führt nach Charlottenburg-Wilmersdorf und damit in die Kinogeschichte der City West. Das Gebäude entstand ursprünglich als Tanzlokal. 1949 eröffnete Walter Jonigkeit darin nach der Beseitigung schwerer Kriegsschäden den Delphi Filmpalast. Damals verfügte das Kino über die größte Leinwand Berlins. Schon 1952 fanden hier Veranstaltungen der Internationalen Filmfestspiele statt.
Bis heute erinnert der große Saal eher an ein Theater als an ein gewöhnliches Kino. Eine Bühne liegt vor der Leinwand, darüber prägt eine Lichtkrone den Raum. Bemerkenswert ist zudem die technische Kontinuität: Das Delphi gehört zu den wenigen Kinos in Deutschland, die weiterhin Filme im 70-Millimeter-Format zeigen können. Der Ort verbindet damit die Architektur eines Vergnügungspalastes der 1920er Jahre mit der Filmgeschichte West-Berlins.
Delphi LUX: Wie moderne Kinoarchitektur aussehen kann

Das Delphi LUX an der Kantstraße in Berlin-Charlottenburg verbindet eine markante Fassade mit moderner Kinoarchitektur und sieben individuell gestalteten Sälen. / © Foto: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY 4.0
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Kantstraße 10, 10623 Berlin
- Besonderheit: Modernes Kino mit preisgekrönter Innenarchitektur
- Link: Delphi LUX
Nur wenige Schritte vom historischen Delphi entfernt zeigt das Delphi LUX das Gegenstück dazu. Das Kino im Yva-Bogen an der Kantstraße 10 eröffnete 2017. Statt eines großen historischen Saals verteilen sich hier sieben unterschiedlich gestaltete Säle. Das Berliner Architekturbüro Bruzkus Batek entwickelte das Innenraumkonzept.
Dabei bekam jeder Saal eine eigene Gestaltung mit unterschiedlichen Materialien und Farben. Das Konzept erhielt einen FRAME Award für Innenarchitektur. Gerade im direkten Vergleich mit dem benachbarten Delphi wird deutlich, wie breit das architektonische Spektrum der Berliner Kinolandschaft ist: Nur wenige Meter trennen einen ehemaligen Tanzpalast der 1920er Jahre von einem Filmtheater des 21. Jahrhunderts.
Zoo Palast: Ein Denkmal der West-Berliner Nachkriegsmoderne

Der Zoo Palast in Berlin-Charlottenburg gehört zu den bekanntesten historischen Kinos der Hauptstadt und ist ein prägender Bau der West-Berliner Nachkriegsmoderne. / © Foto: Wikimedia Commons, Chainwit, CC BY 4.0
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Hardenbergstraße 29A, 10623 Berlin
- Besonderheit: Langjähriger zentraler Spielort der Berlinale
- Link: Zoo Palast Berlin
Ein weiteres Stück entfernt liegt der Zoo Palast an der Hardenbergstraße 29A. Er gehört zur denkmalgeschützten Gesamtanlage „Zentrum am Zoo“, die in den 1950er Jahren entstand. Für die Gesamtplanung zeichneten Paul Schwebes und Hans Schoszberger verantwortlich, den Kinobau entwarf Gerhard Fritsche. Der kubische Bau mit seiner hellen Keramikfassade gehört zu den markanten Gebäuden der Nachkriegsmoderne in der City West.
Der Zoo Palast eröffnete 1957 und war bis 1999 der zentrale Wettbewerbsort der Berlinale. Ursprünglich bestand er aus einem großen Saal mit 1.204 Plätzen und dem kleineren „Atelier am Zoo“ mit 550 Plätzen. Später kamen weitere Säle hinzu. Von 2011 bis 2013 wurde der Zoo Palast denkmalgerecht saniert und anschließend wiedereröffnet. Damit blieb eines der letzten deutschen Großkinos dieser Epoche erhalten.
Titania-Palast: Der Kinobau mit dem 30 Meter hohen Lichtturm

Der historische Titania-Palast in Berlin-Steglitz prägt mit seinem markanten Lichtturm seit den 1920er Jahren das Stadtbild an der Schloßstraße. / © Foto: Wikimedia Commons, Muns, CC BY 3.0
- Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
- Adresse: Gutsmuthsstraße 27/28, 12163 Berlin
- Besonderheit: Markanter, rund 30 Meter hoher Lichtturm
- Link: Cineplex Titania
Im Süden Berlins steht mit dem Titania-Palast ein noch älteres Beispiel großer Kinoarchitektur. Das Gebäude an der Gutsmuthsstraße entstand 1927 und 1928 nach Plänen von Schöffler, Schlönbach und Jacobi. Sein auffälligstes Merkmal ist der rund 30 Meter hohe Lichtturm. Gerade diese Lichtarchitektur machte den Bau schon zur Eröffnung zu einem weithin sichtbaren Teil der Schloßstraße.
Auch die Nutzungsgeschichte ist ungewöhnlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden hier unter anderem Konzerte statt. Die Freie Universität wurde in dem Gebäude gegründet, und 1951 nutzten die ersten Berliner Filmfestspiele den Titania-Palast. Später verlor das Haus seine Kinofunktion und wurde umgebaut. Seit 1995 laufen hier wieder Filme. Vom ursprünglichen Kinopalast blieben vor allem die denkmalgeschützte äußere Gestalt und der markante Lichtturm erhalten.
Filmtheater am Friedrichshain: Ein Kinopalast von 1925

Das Filmtheater am Friedrichshain an der Bötzowstraße in Berlin-Prenzlauer Berg wurde 1925 eröffnet und zählt zu den historischen Kinos der Hauptstadt. / © Foto: Wikimedia Commons, A.Savin, FAL
- Bezirk: Pankow
- Adresse: Bötzowstraße 1–5, 10407 Berlin
- Besonderheit: Ursprünglich als Olympia Filmtheater mit großem Saal und Orchestergraben eröffnet
- Link: Filmtheater am Friedrichshain
An der Bötzowstraße 1–5 im Ortsteil Prenzlauer Berg steht ein weiteres Kino aus den 1920er Jahren. Das heutige Filmtheater am Friedrichshain eröffnete 1925 als Olympia Filmtheater. Der Architekt Otto Werner plante einen Kinosaal mit 1.200 Plätzen und Orchestergraben. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
Der Standort gehört verwaltungstechnisch zu Pankow, liegt aber direkt gegenüber dem Volkspark Friedrichshain. Nach Umbauten schrumpfte der große historische Saal im Laufe der Jahrzehnte deutlich. Dennoch blieb die Kinonutzung erhalten. Damit unterscheidet sich das Haus von anderen großen Filmtheatern der 1920er Jahre, die vollständig verschwanden oder dauerhaft andere Funktionen erhielten.
Union Filmtheater Friedrichshagen mit geschwungenem Rang

Das historische Union Filmtheater an der Bölschestraße in Berlin-Friedrichshagen gehört zu den traditionsreichen Kinos der Hauptstadt. / © Foto: Wikimedia Commons, Kvikk, CC BY-SA 3.0
- Bezirk: Treptow-Köpenick
- Adresse: Bölschestraße 69, 12587 Berlin
- Besonderheit: ehemaliges Gesellschafts- und Tanzhaus, historischer Saal mit geschwungenem Rang
- Link: Union Filmtheater Friedrichshagen
Ganz im Südosten Berlins liegt ein Kino, das eine andere Seite der Berliner Filmgeschichte zeigt. Das Union Filmtheater an der Bölschestraße 69 in Friedrichshagen befindet sich in einem Gebäude, das ursprünglich als Gesellschafts- und Tanzhaus diente. Seit 1913 werden hier Filme gezeigt. Damit blickt das Haus auf mehr als ein Jahrhundert Kinogeschichte zurück.
Der historische Saal besitzt einen geschwungenen Rang und erinnert noch heute an die ursprüngliche Nutzung als Veranstaltungsort. Das Gebäude gehört zudem zum denkmalgeschützten Ensemble der Bölschestraße. Seine Geschichte verlief jedoch nicht ohne Brüche: Das Haus erlitt Kriegsschäden, später kam es zu einem Brand. Ende der 1990er Jahre drohte dem Kino schließlich das Aus. Nach der Schließung 1998 setzte sich eine Bürgerinitiative für seinen Erhalt ein. Heute läuft im Union Filmtheater wieder regulärer Kinobetrieb.
Astor Film Lounge: Kino unter einer geschwungenen Decke

Das Kino Astor Film Lounge am Kurfürstendamm 225 wird umfassend saniert. / © Foto: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Kurfürstendamm 225, 10719 Berlin
- Besonderheit: Muschelförmige Deckenkonstruktion; derzeit wegen umfangreicher Bauarbeiten geschlossen
- Link: Astor Film Lounge
Am Kurfürstendamm 225 versteckt sich schließlich ein Kino, dessen Besonderheit vor allem im Inneren sichtbar wird. Der Kinosaal entstand zunächst in einem Hinterhof. Gerhard Fritsche erweiterte ihn Anfang der 1950er Jahre und schuf dabei die bis heute erhaltene muschelartige Deckenkonstruktion. Später folgten weitere Umbauten und Restaurierungen.
Seit 2008 trägt das Haus den Namen Astor Film Lounge. Bei der damaligen Neugestaltung blieb der historische Charakter des denkmalgeschützten Saals erhalten. Aktuell gibt es allerdings eine wichtige Einschränkung: Wegen umfangreicher Bauarbeiten ist die Astor Film Lounge seit Ende Mai 2026 geschlossen. Berlin.de nennt für die Arbeiten einen Zeitraum von 18 Monaten. Wer das historische Kino besuchen möchte, muss daher auf die Wiedereröffnung warten.
Berlins Kinos erzählen auch Architekturgeschichte
Die neun Häuser zeigen, warum Kino in Berlin mehr sein kann als Leinwand, Projektor und Sitzreihe. Zwischen dem Babylon und dem Titania-Palast aus den 1920er Jahren, dem Zoo Palast der West-Berliner Nachkriegszeit, dem Kino International der DDR-Moderne und dem 2017 eröffneten Delphi LUX liegen fast neun Jahrzehnte Architekturgeschichte. Manche Gebäude blieben fast durchgehend Kinos, andere mussten ihre Funktion zeitweise aufgeben.
Dass diese Orte weiterhin eine Rolle spielen, bekommt durch die aktuellen Besucherzahlen zusätzlich Gewicht. Mehr als 4,35 Millionen verkaufte Eintrittskarten innerhalb eines halben Jahres zeigen, dass das Kino in Berlin keineswegs nur von seiner Vergangenheit lebt. Zugleich erinnert die Geschichte einzelner Häuser daran, wie empfindlich diese Kulturorte bleiben.
Quellen: Filmförderungsanstalt (FFA), rbb24, Landesdenkmalamt Berlin, Yorck Kinogruppe, visitBerlin, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf
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