Das Capitol Dahlem, traditionsreiches Programmkino in einer Berliner Jugendstilvilla, steht vor ungewisser Zukunft. Die Freie Universität Berlin plant, das Gebäude bis 2027 zu räumen. Über Nutzung, Verlagerung angrenzender Flächen und mögliche Verkäufe wird derzeit intern beraten.
Capitol Dahlem
© Titelbild: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0
Das Capitol Dahlem ist mehr als nur ein Kino: In einer Jugendstilvilla aus den 1920er-Jahren untergebracht, zeigt es seit 1946 ausgewählte internationale Filme und gehört heute zur Yorck-Kinogruppe. Das Haus ist ein kultureller Ankerpunkt in Dahlem – ein Ort, an dem Familien und ältere Besucher zusammenkommen.
Das Grundstück Thielallee 36 gehört dem Land Berlin, wird aber von der Freien Universität Berlin (FUB) verwaltet. Das Gebäude wird aktuell gemeinsam mit dem Kino genutzt, die Universität betreibt eigene Räume im Keller.
Nun plant die FUB, das Gebäude bis 2027 freizuziehen. Über die künftige Nutzung der Liegenschaft wird derzeit beraten; ein Verkauf ist aktuell nicht vorgesehen.
Flächenplanung und „Blätterlaube“: Freie Universität arbeitet an möglicher Verlagerung
Auch die angrenzende „Blätterlaube“ gehört zum Grundstück. Ihre Zukunft hängt von der Entscheidung über das Hauptgebäude ab. Die Universität arbeitet an Szenarien für eine mögliche Verlagerung. Grundsätzlich folgt die FUB einem strukturierten Prüfprozess: Zunächst werden nicht mehr unbedingt benötigte Immobilien intern geprüft, danach durchläuft jede Liegenschaft den Portfolioausschuss des Landes Berlin.
Bislang fanden keine Gespräche mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf zur Zukunft des Capitol Dahlem statt. Die Entscheidungen liegen zunächst bei der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege. Ziel der FUB ist es, den Immobilienbestand zu konsolidieren, die Kerncampusbereiche zu stärken und Liegenschaften in Einzellagen zu prüfen.
Kiezkino zwischen Sparauflagen und Kultur: Zukunft des Capitol Dahlem ungewiss
Der Sparkurs des Berliner Senats zwingt die Universität zu Einsparungen von mehreren Millionen Euro. Auch Sanierungsbedarf macht das Gebäude Thielallee 36 zu einem Prüfobjekt. Für die Betreiber der Yorck-Kinogruppe ist der Standort ein zentraler kultureller Treffpunkt. Politische Unterstützung gab es zuletzt auch aus dem Bezirk: SPD, Grüne und FDP hatten im vergangenen Herbst einstimmig beschlossen, dass sich das Bezirksamt für den Erhalt des Kinos einsetzen soll.
Ob das Capitol Dahlem weiter als Kino genutzt werden kann, hängt nun von der Abstimmung zwischen Universität, Senat und Kulturträgern ab. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie die Balance zwischen universitären Sparauflagen und dem Erhalt eines wichtigen kulturellen Ortes gelingen kann.
Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage, Drucksache 19 / 25 489, Der Tagesspiegel, Freie Universität Berlin, visitBerlin
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