Eigentlich sollten Kiezblocks für mehr Ruhe und Sicherheit sorgen. Nun sorgen sie vor allem für politischen Konflikt zwischen Bezirk Mitte und dem Berliner Senat. Der Bezirk Mitte hat angekündigt, die Projekte notfalls in Eigenregie umsetzen zu wollen, ein offener Bruch mit Ute Bondes Verkehrsverwaltung.

Aus zwölf geplanten Kiezblocks wurden drei, doch selbst das reicht nicht für eine Einigung. Der Streit um Zuständigkeiten und Finanzierung zwischen Senat und dem Bezirk Mitte bleibt ungelöst. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Die Auseinandersetzung um die Umsetzung von Kiezblocks in Berlin-Mitte hat sich weiter zugespitzt. Nachdem der Bezirk sein ursprünglich ambitioniertes Projekt deutlich reduziert und an zentrale Forderungen der Senatsverwaltung angepasst hatte, steht nun vor allem die Finanzierung im Zentrum des Konflikts.
Das Bezirksamt Berlin-Mitte wirft der Senatsverkehrsverwaltung vor, verbindliche Zusagen gebrochen zu haben, und kündigt an, die begonnenen Planungen notfalls in Eigenregie abzuschließen.
Berliner Innenstadt: Kiezblocks als Instrument der Verkehrsberuhigung
Kiezblocks gelten als ein wichtiges aber auch umstrittenes Element moderner Stadtverkehrspolitik. Ziel ist es, Wohnquartiere vom Durchgangsverkehr zu entlasten, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Aufenthaltsqualität zu verbessern.
In Berlin-Mitte waren ursprünglich zwölf Kiezblocks vorgesehen. Diese sollten auf Basis eines umfassenden Beteiligungsprozesses entwickelt werden, der unter anderem Kiezspaziergänge sowie Abstimmungen mit Polizei, Feuerwehr und den Berliner Verkehrsbetrieben umfasste, um mögliche Vorbehalte und kritische Punkte von vornherein auszuräumen.
Kiezblocks in Berlin-Mitte: Nachbesserungen auf Druck des Senats
Nachdem die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt unter Leitung von Ute Bonde die Finanzierung Ende 2024 gestoppt hatte, reagierte der Bezirk mit weitreichenden Zugeständnissen.
Statt zwölf sollten zunächst nur noch drei Kiezblocks weiterverfolgt werden. Zudem wurde zugesagt, auf harte Maßnahmen wie Poller möglichst zu verzichten und stattdessen mildere verkehrsberuhigende Instrumente zu prüfen. Auch die Auswirkungen auf das übergeordnete Hauptstraßennetz sollten gesondert untersucht werden.
Trotz Planungskorrekturen wurde die in Aussicht gestellte Finanzierung laut Bezirk gestrichen
Trotz dieser Anpassungen, so der Bezirk, sei die ursprünglich in Aussicht gestellte Finanzierung nicht erneuert worden. Dadurch sei bereits ein Schaden von rund 300.000 Euro entstanden, weitere beauftragte Leistungen summierten sich auf über 100.000 Euro.
Verkehrsstadtrat Christopher Schriner erklärte in einer offiziellen Mitteilung des Bezirksamts, dass unter diesen Umständen keine sachliche Zusammenarbeit mit der Senatsverkehrsverwaltung mehr möglich sei. Wenn selbst nach umfangreichen Nachbesserungen eine verbindliche Förderzusage zurückgezogen werde, binde eine gemeinsame Fortführung lediglich Ressourcen. Um weiteren finanziellen Schaden zu vermeiden, wolle der Bezirk das Projekt eigenständig zu Ende führen und die Finanzierungsfrage direkt mit der Senatsverwaltung für Finanzen klären.
Bezirk kündigt Zusammenarbeit mit Verkehrsverwaltung auf, Senat weist Vorwürfe zurück
Die Senatsverwaltung weist die Kritik hingegen zurück und zeigte sich über den Ton des Bezirks verwundert. Man habe die Gespräche über Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in drei Kiezen weitgehend abgeschlossen, offen sei lediglich noch die konkrete Ausgestaltung der Finanzierung. Staatssekretär Arne Herz habe den Bezirk darüber informiert, dass weiterhin Einigungsbereitschaft bestehe.
In einem Schreiben präzisierte Herz das Angebot: Der Senat sei bereit, die Planungskosten für vier Kieze zu übernehmen, darunter der Stephankiez in Moabit, der Flottwellkiez in Tiergarten sowie der östliche und westliche Teil des Soldiner Kiezes in Gesundbrunnen. Zusätzlich wolle das Land auch die Umsetzungskosten in drei Kiezen tragen, sofern diese klar von anderen Projektteilen abgrenzbar seien.
Bezirk Mitte: Angebot der Senatsverwaltung ist nicht ausreichend
Für den Bezirk Mitte ist dieses Angebot jedoch nicht ausreichend. Schriner betonte, dass der teuerste Teil des Projekts bereits im bezirksweiten Beteiligungsprozess angefallen sei. Die nun angebotene Finanzierung einzelner Kieze decke nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten ab. Entscheidend sei zudem die grundsätzliche Frage, ob der Senat zwar finanziell selektiv einsteigen, gleichzeitig aber maßgeblich über die weitere Ausrichtung des Gesamtprojekts bestimmen wolle.
Der Konflikt um die Kiezblocks zeigt damit exemplarisch, wie stark Fragen der Verkehrsberuhigung in Berlin weiter politisiert sind. Ob es noch zu einer Einigung kommt oder der Bezirk tatsächlich eigene Wege geht, bleibt offen; ebenso wie die Zukunft der Kiezblocks in der Berliner Innenstadt, die immer wieder zu Kontroversen zwischen Nachbarn, Gewerbetreibenden sowie Polizei und Feuerwehr führen.
Quellen: Bezirksamt Mitte, Der Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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10 Kommentare
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Frau Bonde scheint nur zu einem Zweck im Amt zu sein: Als Abrisskommando mit reichlich Inkompetenz und Auspuff der Stadt zu schaden. Unbegreiflich, wie diese Frau ernsthaft beim Verkehrsverbund agieren konnte. Das erklärt aber auch, weshalb insbesondere wichtige Projekte zwischen Brandenburg und Berlin nicht voran gekommen. Das Wirken dieses U-Boots Trump’schen Verhaltens, sollte journalistisch und rechtlich dringend aufgeklärt werden.
In jedem Fall ist zu hoffen, dass auch Frau Bonde nächstes Jahr zu den Wahlen in Berlin ordentlich auf die Nase fällt, wie der gesamte Senat, der keinerlei Vision und Willen zeigt, unsere Stadt erfolgreich in die Zukunft zu bringen.
Sehr richtig. Es ist unglaublich, wie die CDU-Verkehrspolitik klar Position bezieht zur Belastung aller Menschen, die in der Innenstadt von Verkehrslärm und Unfallgefahren belastet sind – um ein paar Ewiggestrigen zu gefallen, die es wie 1960 üblich richtig finden, mit ihrem PKW von Spandau oder Hoppegaten in die Innenstadt zu rollen, um dort vorm Geschät zu parken.
Wegner hatte uns eine „Versöhnung“ der Verkehrsteilnehmer versprochen – und sein Versprechen gebrochen.
Sid haben recht.
Frau Bonde und Herr Wegner sowie ihre Unterstützer werfen ja gerne den Menschen, die umfassend Verkehr mit moderner Stadtentwicklung betrachten, eine ‚Anti-Autofahrer-Ideologie“ vor. Hier zeigt sich aber deutlich, dass sie die „Ideologischen“ sind: gegen alle Nicht-Autofahrer, Anwohner, ÖPNV-Nutzer, Fußgänger, Tourismus und Gastronomie sowie viele kleine Geschäfte (welche von LAUFKundschaft leben),….
Und dies alles im völligen Widerspruch zu EU-Regelungen, den eigenen (Fußgänger-, Radverkehr-, Hitzeschutz-, Schwammstadt-,…) Strategien, internationalen Erfahrungen, Studien,…
[…] Weiter auf ENTWICKLUNGSSTADT … […]
Wir alle können auf den Vertrauensbruch und das Desinteresse der aktuellen Berliner Regierung reagieren -> z.B. hier, aber auch bei den nächsten Wahlen
Klassisch: nichts beitragen, aber alles bestimmen wollen.
Der Bezirk hat vollständig recht: die Kieze in der vom Bezirk gewünschten Form weiterführen ist das einzig richtige. Gerne auch mit Poller, wo sie sinnvoll sind.
Persönlich jubele ich dem Bezirk inkl. PomPoms zu.
Frau Bonde hingegen sollte lieber mal ihre eigenen Hausaufgaben machen statt in den Zuständigkeiten der Bezirke rein zu pfuschen:
Eine Verkehrsplanung für den Überregionalen Verkehr unter Beachtung der ab 2030 verbindlich geltenden Luftreinhaltewerte (EU Vorgabe)
Stabilisierung UND AUSBAU des ÖPNV
Lärmschutz
Schließung des inneren Autobahnrings
… und noch vieles mehr…
Sie hat genug auf dem eigenen Teller auch ohne sich in die Seitenstraßen einzumischen.
Ich persönlich frage mich immer, warum Menschen, die Lärm und Verkehr hassen unbedingt in der Innenstadt wohnen wollen…. Ist ja ein bisschen wie: so, ich wohne jetzt hier und um mich rum hat sich alles zu ändern, anstatt zu überlegen, wohin man am besten passt….
Ein sehr altes und völlig falsches Bild aus den Zeiten der Industrialisierung als Reiche in der Villa im Grünen und Arme in der Mietskaserne in der Stadt wohnten in menschenwürdiges Verhältnissen.
Willkommen im 21. Jahrhundert.
Gerade in den letzten 30 Jahren haben sich die Rahmenbedingungen einfach verändert: starker Zuzug in der Stadt aufgrund des Arbeitsmarkts, höheres Bauen =mehr Menschen auf gleicher Grundfläche, mehr LkW, immer mehr PkW, weniger Restflächen in der Stadt,…
Die ebeberdige Fläche in Stadtkernen wird immer knapper. Eine reine Bevorzugung des PKWs aus politischen Gründen wie bislang ist einfach nicht mehr möglich. Auch die ynderen Interessengruppen müssen beachtet werden.
Dabei geht es nicht nur ums Wohnen, sondern insbesondere um (Tages-) Tourismus, Gastronomie und Geschäfte. Das haben Sie gerade völlig vergessen.
Des Weiteren möchte ich Sie bitten, sich menschenwürdig zu verhalten: Sie sagen gerade, dass ein Mensch, welcher in der Stadt wohnt, kein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben unter Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte und Beachtung des Mindestlebensstandards hat. Nur aufgrund seines Wohnortes.
Diesen Gedanken fortspinnen heiße doch, dass niemand in der Innenstadt leben soll, damit die Autos nicht gestört werden. Interessant.
Den beiden Damen vor mir muss ich zustimmen. Solche Kommentare, Anna, sind nicht nur unsachlich, unlogisch, entgegen aller Erfahrungen und Studien sondern auch überaus menschenfeindlich.