In vier Berliner Bezirken testet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Prüfung von Wohngeldanträgen. Die Software soll unvollständige Unterlagen frühzeitig erkennen und dadurch die Bearbeitung beschleunigen. Hintergrund ist die deutlich gestiegene Zahl an Anträgen seit der Reform Wohngeld Plus.
© Titelbild: IMAGO / CHROMORANGE
Seit Montag testet Berlin in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Lichtenberg und Reinickendorf eine KI-gestützte Software zur Prüfung von Wohngeldanträgen. Die Anwendung kontrolliert bei digital eingereichten Anträgen, ob alle erforderlichen Unterlagen vorliegen, und ergänzt damit die reguläre Bearbeitung in den Wohngeldstellen.
An der zweimonatigen Testphase nehmen ausschließlich Antragstellerinnen und Antragsteller teil, die der Prüfung ausdrücklich zugestimmt haben. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bittet Bürgerinnen und Bürger in den beteiligten Bezirken, sich während der kommenden acht Wochen an dem Projekt zu beteiligen, um belastbare Erfahrungen mit dem neuen Verfahren zu ermöglichen.
Wohngeldreform „Wohngeld-Plus“ überlastet Berlins Bürgerämter: Stark gestiegene Antragszahlen seit 2023
Seit der Einführung der Reform „Wohngeld-Plus“, die zum 1. Januar 2023 in Kraft trat, hat sich die Zahl der Wohngeldanträge in Berlin nach Angaben der Senatsverwaltung etwa verdoppelt. Diese Entwicklung erhöht den Arbeitsaufwand in den Bezirksverwaltungen deutlich, da die personellen Kapazitäten begrenzt sind.
Hinzu kommt, dass zahlreiche Anträge unvollständig eingereicht werden. Fehlende Nachweise führen häufig zu mehrfachen schriftlichen Rückfragen zwischen Wohngeldstelle und Antragstellenden. Dieser zusätzliche Abstimmungsbedarf verlängert die Bearbeitungsdauer spürbar und verzögert die Auszahlung des Wohngeldes.
Die Rolle der KI im Wohngeldverfahren: KI-Tool soll unterstützen und keine Entscheidungen treffen
Die eingesetzte KI soll genau an diesem Punkt ansetzen. Sie überprüft die eingereichten Unterlagen auf Vollständigkeit und weist frühzeitig auf fehlende Dokumente hin. Dadurch sollen Rückfragen reduziert und Arbeitsabläufe klarer strukturiert werden.
Die inhaltliche Prüfung der Anträge sowie die Entscheidung über die Bewilligung verbleiben weiterhin bei den Mitarbeitenden in den Bezirken. Die Verwaltung versteht die Software ausdrücklich als unterstützendes Werkzeug. Vergleichbare Anwendungen kommen bereits in Kommunen wie Düsseldorf, Hannover und Hildesheim zum Einsatz.
Datenschutz und weitere KI-Projekte der Verwaltung: Mehr Verständlichkeit für Bürgerinnen und Bürger
Vor dem Start der Testphase stimmte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen das Projekt mit der Behörde der Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit ab. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die Verarbeitung sensibler personenbezogener Daten den datenschutzrechtlichen Vorgaben entspricht.
Parallel nutzt die Berliner Verwaltung Künstliche Intelligenz auch zur Überarbeitung von Verwaltungstexten. Die Software übersetzt Inhalte in eine bürgernahe oder leichte Sprache mit kurzen Sätzen und einfachen Begriffen. Ziel ist es, Informationen verständlicher zu machen und Barrieren abzubauen. Dieses Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt.
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Der Tagesspiegel
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