Am U-Bahnhof Schloßstraße stehen Gewerbeflächen seit Jahren leer, Rolltreppen fehlen ganz. Eine aktuelle Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage zeigt, dass weder für die Sanierung noch für die Wiedervermietung ein verlässlicher Zeitpunkt genannt werden kann.

Die Schloßstraße in Berlin-Steglitz mit Bierpinsel im Hintergrund.

Der Bierpinsel steht seit Jahren leer und gilt als Beispiel für den spekulativen Gewerbeleerstand entlang der Schloßstraße. Ein geplanter digitaler Leerstandsmelder des Bezirks soll künftig mehr Transparenz schaffen, die strukturellen Ursachen dahinter bleiben davon jedoch unberührt. / © Foto: depositphotos.com

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Oben zählt die Schloßstraße zu den wichtigsten Einkaufsstandorten im Berliner Südwesten, unten wartet der gleichnamige U-Bahnhof seit Jahren auf eine umfassende Erneuerung. Nackter Beton, freiliegende Leitungen und mit Spanplatten verkleidete Rolltreppen prägen seit Jahren das Bild der Station. Für viele Fahrgäste gehört dieser Anblick längst zum Alltag.

Ein vorübergehendes Provisorium ist er jedoch längst nicht mehr. Vielmehr steckt dahinter ein seit Jahren andauernder Streit zwischen Denkmalschutz, Verkehrsverwaltung und BVG. Wie festgefahren die Lage tatsächlich ist, zeigt nun die Antwort des Senats auf eine aktuelle Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Tonka Wojahn (GRÜNE).

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Leerstand an der Schloßstraße ohne Enddatum: Die Gewerbeflächen am Bahnhof

Seit dem 31. März 2018 stehen die Gewerberäume am nordwestlichen Eingang des U-Bahnhofs Schloßstraße leer. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hervor, die auf eine Schriftliche Anfrage der Grünen-Abgeordneten Tonka Wojahn zurückgeht. Betroffen sind die sogenannten Urbanis-Geschäfte. Ihre Flächen weisen laut BVG einen technischen Sanierungsbedarf auf und werden zudem für den geplanten Einbau eines Aufzugs benötigt.

Eine Wiedervermietung ist laut BVG erst nach Abschluss der laufenden Baumaßnahmen möglich. Wann dieser Abschluss erreicht ist, verrät die Antwort nicht. Damit reiht sich der Bahnhof in eine größere Debatte ein: Auch entlang der Einkaufsstraße wechseln Ladenlokale häufig oder stehen über Monate leer. Die Bezirkspolitik diskutiert deshalb inzwischen über einen digitalen Leerstandsmelder.

Rolltreppen ohne Rückkehrdatum: Der Zustand unter der Tiburtiusbrücke

Ähnlich unklar ist die Lage bei den Rolltreppen am westlichen Ausgang unter der Tiburtiusbrücke. Die BVG nahm sie 2009 außer Betrieb und baute sie 2018 teilweise zurück. Der Neueinbau ist zwar im Rahmen der laufenden Grundinstandsetzung vorgesehen, ein konkretes Datum nennt die BVG jedoch nicht.

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Auch eine von der Sanierung unabhängige Lösung schließt sie ausdrücklich aus, sowohl für die Rolltreppen als auch für die angrenzenden Gewerbeflächen. Damit reiht sich der Bahnhof Schloßstraße in eine Liste weiterer Berliner Stationen ein, deren Umbau sich seit Jahren hinzieht. Dazu zählen etwa Yorckstraße, Bismarckstraße, Rathaus Steglitz und Kleistpark.

Gesperrte Rolltreppen prägen seit Jahren das Bild des U-Bahnhofs Schloßstraße.

Gesperrte Rolltreppen prägen seit Jahren das Bild des U-Bahnhofs Schloßstraße. / © Foto: Wikimedia Commons, IngolfBLN, CC BY-SA 2.0

Aufzug an der Schloßstraße: Inbetriebnahme erst ab 2030er-Jahre

Warum sich die barrierefreie Sanierung insgesamt so lange hinzieht, zeigt erst eine weitere, ähnlich gelagerte Anfrage der Grünen-Abgeordneten Antje Kapek und Benedikt Lux. Verkehrsstaatssekretär Arne Herz erklärte dort: Der ursprünglich vorgesehene Standort für den neuen Aufzug erwies sich als nicht umsetzbar. Die Verwaltung musste die Planungen anpassen und die Bausubstanz erneut untersuchen.

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Einen detaillierten Kosten- und Zeitplan gibt es laut Verwaltung weiterhin nicht. Beobachter rechnen angesichts des Umfangs der Station ohnehin mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag. Senat und BVG selbst nennen seit Jahren keine konkreten Summen mehr. Eine Inbetriebnahme des Aufzugs plant der Senat nun für die 2030er-Jahre – ein genaueres Datum nannte Herz nicht.

Fehlende Genehmigungen für den Umbau: Denkmalschutz des Ensembles

Neben der Standortfrage sorgt auch das Genehmigungsverfahren für Verzögerungen. Der Bahnhof steht bereits seit Januar 2017 unter Denkmalschutz. Trotzdem liegt der BVG bislang weder vom Landesdenkmalamt noch von der Technischen Aufsichtsbehörde eine abschließende Genehmigung vor. Der Abgeordnete Lux kritisierte dieses Vorgehen als bürokratisches Hütchenspiel und warf der Verkehrsverwaltung vor, die Schloßstraße im Stich zu lassen.

Auch die Aussage, die Sanierung bleibe trotz der Verzögerungen im Kostenrahmen, hält Lux für wenig glaubwürdig, solange die angekündigten Ausschreibungen ausbleiben. Das Landesdenkmalamt betont dagegen: Der Denkmalschutz sei ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Er solle das gemeinsam mit dem Bierpinsel entstandene Gesamtensemble aus den 1970er Jahren für kommende Generationen bewahren, auch wenn der aktuelle Zustand des Bahnhofs unbefriedigend sei.

Offene Fragen für das Zentrum von Steglitz: Was bislang unbeantwortet bleibt

Nächtliche Aufnahme der Straße unter der Tiburtiusbrücke mit Graffiti an den Betonpfeilern und wenig Publikumsverkehr.

Dass die Lage an der Schloßstraße nicht gut aussieht, zeigt sich besonders unter der Joachim-Tiburtius-Brücke. Zur Aufenthaltsqualität in diesem Bereich liegen dem Senat jedoch nach eigenen Angaben keine gesonderten Erhebungen vor, auch eine öffentliche Toilette wurde bislang nicht eingerichtet. / © Foto: Wikimedia Commons, Leonhard Lenz, CC0

Auch abseits von Bahnhof und Rolltreppen bleiben Fragen offen. Zur Aufenthaltsqualität und zum Sicherheitsgefühl unter der Tiburtiusbrücke liegen dem Senat nach eigenen Angaben keine gesonderten Erhebungen vor. Er verweist lediglich auf ein seit 2024 laufendes Projekt der Straßensozialarbeit. Dessen Finanzierung für das Jahr 2027 ist noch nicht geklärt.

Auch die Frage nach einer öffentlichen Toilette im Bereich der Brücke bleibt unklar beantwortet. Dem Senat seien entsprechende Ersuchen des Bezirks nicht bekannt, heißt es in der Antwort. Das steht im Widerspruch zur Fragestellung, die ausdrücklich von wiederholten Anträgen ausgeht. Rund um den Bahnhof bleiben also viele Fragen offen.

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Berliner Verkehrsbetriebe AöR (BVG), Tagesspiegel, rbb24, Berliner Morgenpost, Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf

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2 Kommentare

  1. Jan 2 draußen 31. Juli 2026 at 16:35 - Reply

    Die Schloßstraße braucht dringend eine attraktivere Umfeld am Bierpinsel und im U-Bahnhof. Mit dem heutigen Erscheinungsbild entscheiden sich Leute eher für Amazon als für einen Shoppingbummel. Und in einer toten City wird sich niemand für ein Baudenkmal aus den 70ern interessieren.

  2. Pawel K 1. August 2026 at 00:02 - Reply

    Wer braucht ein verfallendes Baudenkmal wenn niemand es nutzen will und kann.

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