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Der Flughafen Tempelhof bleibt vorerst ohne umfassende Sanierung. Der Berliner Senat hat entschieden, keine Mittel aus dem Sondervermögen für das denkmalgeschützte Großgebäude bereitzustellen. Damit rücken die langfristigen Pläne, Tempelhof zu einem zentralen Kultur- und Kreativstandort auszubauen, erneut in die Ferne.

Flughafen Tempelhof

Am Flughafen Tempelhof finden regelmäßig Veranstaltungen und Konzerte statt. Während der Corona-Pandemie wurde das Gebäude zeitweise als Impfzentrum genutzt, inzwischen sind dort unter anderem die Berliner Polizei mit Büroflächen sowie eine Unterkunft für Geflüchtete untergebracht. Damit erfüllt Tempelhof vielfältige Funktionen als Teil der kritischen Infrastruktur. Eine umfassende Sanierung bleibt jedoch aus, da der Senat kein Sondervermögen bereitstellt. / © Foto: Claudius Pflug

© Foto: Claudius Pflug
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, GFreihalter, CC BY-SA 4.0

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Der Berliner Senat hat eine beantragte Förderung für den Flughafen Tempelhof aus dem Sondervermögen für Infrastruktur abgelehnt. Rund 180 Millionen Euro, die für die Erneuerung der technischen Infrastruktur vorgesehen waren, stehen damit nicht zur Verfügung. Bestätigt wurde die Entscheidung gegenüber dem Tagesspiegel von der landeseigenen Tempelhof Projekt GmbH, die das Areal betreibt und entwickelt.

Mit den Mitteln sollten unter anderem Wärme-, Strom- und Leitungsnetze modernisiert werden, die größtenteils noch aus der Erbauungszeit der 1930er-Jahre stammen. Viele Anlagen gelten als technisch überaltert und störanfällig. Ohne eine grundlegende Erneuerung lassen sich weder klimafreundliche Heizsysteme noch Photovoltaikanlagen in größerem Umfang realisieren.

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Sanierungsstau am Flughafen Tempelhof: Steigende Kosten und technische Risiken

Die Absage hat unmittelbare Folgen für den weiteren Projektverlauf. Nach Angaben der Tempelhof Projekt GmbH gegenüber dem Tagesspiegel werden die umfangreichen Sanierungsplanungen zwar weiter vorbereitet, eine Umsetzung sei jedoch vorerst nicht möglich. Die Instandhaltungs- und Betriebskosten steigen bereits seit Jahren und liegen inzwischen im Millionenbereich.

Zudem häufen sich technische Ausfälle, deren Behebung zunehmend aufwendig wird. In einzelnen Bereichen könnte es künftig sogar zu temporären Schließungen kommen, etwa wenn sicherheitsrelevante Anlagen wie die Brandmeldetechnik versagen. Vorrang hätten dabei Nutzungen mit hoher Verantwortung, darunter Veranstaltungsflächen oder von der Polizei genutzte Bereiche.

Flughafen Tempelhof: Berlins größtes Baudenkmal als Veranstaltungsort und Zukunft als Kulturstandort

Der Flughafen Tempelhof ist nicht nur Berlins größtes Baudenkmal, sondern erfüllt auch heute vielfältige Funktionen. Neben Verwaltungsnutzungen waren in den vergangenen Jahren Geflüchtete in den Hangars untergebracht. Zudem besuchen jährlich zehntausende Menschen Führungen, Ausstellungen und Veranstaltungen.

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Ergänzend zu den laufenden Debatten um eine große Gesamtsanierung nimmt die Tempelhof Projekt GmbH regelmäßig auch eigenständig bauliche Sicherungsmaßnahmen vor. Zuletzt wurden Sanierungsarbeiten an den unterirdischen Tunnelanlagen des Flughafens gestartet, bei denen undichte Fugen eines historischen Straßen- und Eisenbahntunnels instand gesetzt werden.

Langfristig verfolgt das Land Berlin das Ziel, den Flughafen Tempelhof zu einem Ort der Kultur- und Kreativwirtschaft weiterzuentwickeln. Diese Perspektive bleibt bestehen, ist ohne eine grundlegende technische Erneuerung jedoch nur eingeschränkt realisierbar.

Kulturelle Veranstaltungen am Flughafen Tempelhof: Konzerte, Ausstellungen und Messen

Ungeachtet der baulichen Defizite finden auf dem Gelände regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt. Dazu zählen Konzerte, Ausstellungen, Galeriemessen und partizipative Formate wie Erzählcafés im ehemaligen Tower. Auch internationale Kunstformate nutzen die weitläufigen Hallen zunehmend als Veranstaltungsort.

Beispielhaft steht dafür die Messe „paper positions berlin“, die parallel zum Gallery Weekend 2026 erneut in der Haupthalle des Flughafens stattfinden soll. Solche Formate unterstreichen das Potenzial des Standorts als kultureller Anziehungspunkt, trotz der infrastrukturellen Einschränkungen.

Finanzierung unklar: Wie es mit der Sanierung des Flughafens Tempelhof weitergeht

Nach der Absage aus dem Sondervermögen sucht die Tempelhof Projekt GmbH nun nach anderen Finanzierungswegen. Diskutiert werden Förderungen im Bereich Katastrophenschutz oder kritische Infrastruktur sowie Übergangslösungen über Contracting-Modelle mit privaten Partnern. Diese Ansätze gelten jedoch nicht als optimal.

Für eine umfassende Sanierung des Gebäudes wären deutlich höhere Investitionen nötig. Schätzungen zufolge beläuft sich der Bedarf auf mehrere hundert Millionen Euro. Ohne zusätzliche öffentliche Mittel dürfte sich der schrittweise Verfall des Gebäudes fortsetzen und mit ihm die Unsicherheit über die Zukunft eines der prägendsten Orte Berlins.

Quellen: Tempelhof Projekt GmbH, Berliner Unterwelten e.V., UI Tempelhofer Damm, Berliner Zentrum Industriekultur, Tagesspiegel

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