In der Alliiertensiedlung Westend sollen 700 bis 800 Wohnungen entstehen. Dafür will die Deutsche Wohnen rund 200 Bestandswohnungen abreißen. Doch das Baurecht fehlt weiterhin.

Wohnhäuser am Swiftweg in der Alliiertensiedlung Westend. Die Deutsche Wohnen plant, den bisherigen Bestand durch eine deutlich dichtere Neubebauung zu ersetzen./ © Foto: Wikimedia Commons, Definitiv, CC BY-SA 4.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Fidolin Freudenfett, CC BY-SA 3.0
Die frühere Alliiertensiedlung nahe dem Berliner Olympiastadion steht vor einer grundlegenden Neuordnung. Nach jahrelangen Verzögerungen soll das Neubauprojekt nun größer ausfallen als bisher bekannt. Zugleich wächst der Druck auf Eigentümerin und Bezirk, offene Fragen zum Leerstand, zum Schutz der verbliebenen Mieterschaft und zum weiteren Verfahren zu beantworten.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adressen: Scottweg 3–31, Swiftweg 1–5, Dickensweg 3–14A und 16–34
- Projektstatus: Städtebauliche Überarbeitung und laufendes Planungsverfahren
- Bestand: Rund 200 Wohnungen aus den 1950er-Jahren
- Geplanter Neubau: Nach aktuellem Stand 700 bis 800 Wohnungen
- Weitere Nutzungen: Kindertagesstätte, Nahversorgung, öffentlicher Spielplatz und Quartiersgarage vorgesehen
- Baubeginn: Frühestens Anfang 2028
Die niedrigen Häuser zwischen Dickensweg, Scottweg und Swiftweg unterscheiden sich deutlich von vielen Neubaugebieten in Berlin. Große Abstände, gemeinschaftliche Grünflächen und ein alter Baumbestand prägen die Siedlung nördlich der Heerstraße. Die meist zweigeschossigen Gebäude entstanden in den 1950er-Jahren für Angehörige der britischen Streitkräfte und ihre Familien. Jedes Haus umfasst nur wenige Wohnungen, darunter vor allem familiengerechte Drei- und Vier-Zimmer-Einheiten.
Diese lockere Struktur soll nach den aktuellen Vorstellungen weitgehend verschwinden. Wie der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf dem rbb bestätigte, geht die Planung inzwischen von 700 bis 800 neuen Wohnungen aus. Bislang war öffentlich meist von rund 650 bis 670 Einheiten die Rede. Damit würde die Zahl der Wohnungen gegenüber dem heutigen Bestand deutlich steigen. Rund 200 Bestandswohnungen sollen nach Angaben der Deutschen Wohnen abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden.
Alliiertensiedlung Westend: Planung läuft bereits seit 2013
Die Geschichte des Projekts reicht mehr als ein Jahrzehnt zurück. Bereits 2013 ließ die damalige Vorhabenträgerin einen städtebaulichen Entwurf erarbeiten. Das Büro Tegnestuen Vandkunsten gewann das Gutachterverfahren mit einem Konzept aus mäanderförmigen Gebäuden, Innenhöfen und abschirmenden Baukörpern entlang der S-Bahn-Trasse und der Heerstraße. Im Februar 2015 beantragte die Deutsche Wohnen die Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens. Ein Jahr später beschloss das Bezirksamt die Aufstellung des Bebauungsplans 4-59 VE.
Ein Entwurf von 2022 umfasste dann ein rund 8,4 Hektar großes Gebiet auf drei Grundstücksflächen. Damals sollten 204 Bestandswohnungen weichen und 661 Wohnungen entstehen. Die geplanten Gebäude waren überwiegend mit drei bis vier Geschossen vorgesehen. Ein großer Teil sollte auf bereits bebauten Flächen errichtet werden, um Eingriffe in den Boden und den Baumbestand zu begrenzen.

Die Alliiertensiedlung in Berlin-Westend ist durch niedrige Wohnhäuser, breite Grünflächen und einen alten Baumbestand geprägt. Große Teile der Siedlung sollen für einen umfangreicheren Neubau weichen. / © Foto: Wikimedia Commons, Fidolin Freudenfett, CC BY-SA 3.0
Neubau in Westend: Frühere Planung wird erneut überarbeitet
Im August und September 2022 legte der Bezirk den Bebauungsplanentwurf öffentlich aus und beteiligte erneut die zuständigen Behörden. Danach kam das Verfahren jedoch nicht zum Abschluss. Noch im Oktober 2024 erklärte der Senat auf eine parlamentarische Anfrage, dass die Auswertung und weitere Abstimmung liefen. Der Bezirk strebte damals einen Abschluss innerhalb der laufenden Wahlperiode an.
Inzwischen haben sich die Eckdaten erneut verändert. Im März 2026 stellte die Vorhabenträgerin einen überarbeiteten Planungsstand im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung vor. Nach Angaben aus der Bezirkspolitik soll eine städtebauliche Qualifizierung das bestehende Bebauungsplanverfahren mit einem beschleunigten Genehmigungsweg verbinden. Die Ergebnisse sollen nach bisheriger Planung im Herbst 2026 öffentlich vorgestellt werden. Eine abschließende Entscheidung liegt bislang nicht vor. Deutsche Wohnen hofft jedoch auf einen Baustart 2028.
Westend verändert sich – nicht nur in der Alliiertensiedlung
Neben zusätzlichen Wohnungen sind nach den jüngsten politischen Darstellungen eine Quartiersgarage, ein weiterer Nahversorger und ein öffentlicher Spielplatz vorgesehen. Auch eine Kindertagesstätte gehört bereits seit Längerem zum Nutzungskonzept. Wie groß die Gebäude werden, wie sie auf dem Gelände verteilt werden und welche Teile der bisherigen Freiflächen erhalten bleiben, lässt sich aus den bislang öffentlich zugänglichen aktuellen Angaben noch nicht abschließend ableiten.
Der größere Neubauumfang reiht sich in mehrere Wohnungsprojekte im Ortsteil ein. Am Spandauer Damm wurden zuletzt 85 neue Mietwohnungen in Westend fertiggestellt. An der Reichsstraße entstanden zudem neue geförderte und frei finanzierte Wohnungen. Allein im Projekt „arrive westend“ entstehen bis 2028 insgesamt 305 Mietwohnungen.
Alliiertensiedlung Westend
Quellen: rbb24, Berliner Mieterverein, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Deutsche Wohnen, Bürgerinitiative Siedlung Westend
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