Der vollständige Abriss des SEZ an der Landsberger Allee galt lange als gesetzt. Nun überarbeitet die WBM offenbar ihre Rückbauplanung; zumindest der markante zentrale Gebäudeteil könnte erhalten bleiben.

Das Bild zeigt einen leerstehenden Gebäudeteil des SEZ in Berlin-Friedrichshain mit Graffiti, beschädigten Fassadenbereichen und verwilderten Außenflächen.

Große Teile des früheren Sport- und Erholungszentrums SEZ zeigen inzwischen deutliche Spuren des jahrelangen Leerstands. Der geplante Abriss des Komplexes könnte nun doch nicht so erfolgen, wie er bislang geplant war. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Beim seit Jahren umstrittenen, geplanten Abriss des einstigen Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee könnte sich eine überraschende Wendung abzeichnen. Nachdem lange Zeit ein vollständiger Abriss des ehemaligen DDR-Freizeitzentrums als Grundlage für die Neubebauung des Grundstücks galt, wird dieses Szenario offenbar noch einmal überprüft.

Wie der Berliner Kurier zuerst berichtete, überarbeitet die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM derzeit die Ausschreibung für die Rückbauarbeiten. Auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT bestätigte die WBM dies und erklärte zugleich, dass bislang kein Auftrag für einen vollständigen Rückbau vergeben wurde. Damit könnte zumindest ein Teil des markanten Gebäudekomplexes erhalten bleiben; entschieden ist dies allerdings wohl noch nicht.

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SEZ Berlin: WBM plante bislang vollständigen Abriss und neues Wohnquartier

Noch Ende 2025 deutete vieles in eine andere Richtung. Auf dem Grundstück liefen bereits vorbereitende Arbeiten, während die WBM eine Machbarkeitsstudie für die künftige Entwicklung erstellen ließ. Ziel war ein neues, gemischt genutztes Quartier mit einem deutlichen Schwerpunkt auf landeseigenem Mietwohnungsbau.

Ursprünglich war von rund 550 Wohnungen die Rede. Die später vorgelegte Machbarkeitsstudie zeigte schließlich ein Potenzial von bis zu 680 Wohnungen, von denen etwa die Hälfte gefördert entstehen sollte. Ergänzt werden sollte das Quartier durch eine Schule, Sportangebote und Gewerbeflächen.

Grundlage der Planung war ein städtebaulicher Entwurf des Büros Stefan Forster; das bestehende SEZ sollte dafür vollständig verschwinden. Die Wohngebäude sollten unter anderem in serieller beziehungsweise modularer Bauweise errichtet werden. Geplant war lediglich, einige der markanten Außenelemente des einstigen Spaßbads in die Freiflächengestaltung zu integrieren.

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Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg präsentierte überraschend eine Alternative

Kurz vor den geplanten Abrissarbeiten kam jedoch Bewegung in die Debatte. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellte sich hinter ein alternatives Konzept des Bündnisses „SEZ-Quartier neu denken“. Dessen Ansatz verbindet den Erhalt wesentlicher Teile des bestehenden Gebäudekomplexes mit einer deutlich höheren baulichen Verdichtung auf dem Grundstück.

Vorgeschlagen wurden unter anderem vier Wohnhochhäuser mit Höhen von etwa 60 Metern. Auf diese Weise sollten mindestens die im Bebauungsplan vorgesehenen rund 500 Wohnungen entstehen können, ohne das SEZ vollständig abzureißen.

Baustadtrat Florian Schmidt (Die Grünen) warb öffentlich für das Modell und schlug eine gemeinsame Machbarkeitsstudie von Bezirk, WBM und Senat vor. Auch eine spätere Wiederaufnahme einer Schwimmnutzung hielt Schmidt grundsätzlich für denkbar.

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Ehemaliges SEZ an der Landsberger Allee hinter einem Bauzaun mit markanten dreieckigen Glaselementen auf dem Dach und teilweise beschädigter Fassade.

Die charakteristische Architektur des 1981 eröffneten SEZ ist trotz des jahrelangen Leerstands noch deutlich erkennbar. Ob Teile des Gebäudes erhalten bleiben könnten, wird derzeit erneut geprüft. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

SEZ: WBM überarbeitet Ausschreibung für den Rückbau

Nun scheint sich zumindest teilweise eine Annäherung an die Idee des Bestandserhalts abzuzeichnen. Nach Angaben der WBM wird die Ausschreibung der Rückbauleistungen aktuell überarbeitet. Hintergrund sei eine erneute Prüfung unterschiedlicher Umsetzungsvarianten sowie der Rahmenbedingungen und der Baulogistik. Erst anschließend solle über das weitere Vergabeverfahren entschieden werden.

Interessant ist dabei, dass Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) bereits im Juni erklärt hatte, prüfen zu wollen, ob zumindest der zentrale Gebäudeteil des SEZ mit seiner charakteristischen Dachkonstruktion erhalten und in die zukünftige Quartiersentwicklung integriert werden könne. Offenbar hält die Senatsverwaltung weiterhin an dieser Prüfung fest.

Bleibt zumindest der zentrale Teil des DDR-Baus erhalten?

Eine endgültige Entscheidung für den Erhalt des SEZ ist damit allerdings noch nicht gefallen. Auch die WBM bestätigt bislang lediglich, dass kein Auftrag für einen vollständigen Rückbau vergeben wurde und verschiedene Varianten untersucht werden.

Dennoch hat sich die Ausgangslage gegenüber den ursprünglichen Planungen deutlich verändert. Aus einem zunächst weitgehend feststehenden Totalabriss ist erneut eine offene städtebauliche Debatte geworden.

Kehrtwende des Berliner Senats beim SEZ-Abriss so kurz vor der Wahl: ein Zufall?

Denkbar erscheint inzwischen ein Kompromiss: neuer landeseigener Wohnungsbau auf dem Grundstück, bei gleichzeitigem Erhalt zumindest prägender Teile des 1981 eröffneten SEZ.

Dass diese überraschende Wende der von der SPD geführten Senatsverwaltung für Stadtentwicklung so kurz vor den Wahlen zum neuen Berliner Abgeordnetenhaus kommt, könnte natürlich ein Zufall sein. Sehr wahrscheinlich ist das allerdings nicht.

Besucherinnen und Besucher nutzen das Wellenbad des Sport- und Erholungszentrums SEZ in Berlin während der DDR-Zeit.

Das Wellenbad des SEZ gehörte in den 1980er Jahren zu den bekanntesten Freizeitorten in Ost-Berlin. / Foto: © Wikimedia Commons, Bundesarchiv, Bild 183-Z0318-025 Link, Hubert CC-BY-SA 3.0

Das leerstehende ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin-Friedrichshain mit Graffiti und sichtbaren Verfallsspuren vor dem geplanten Abriss und der Entwicklung eines neuen Stadtquartiers.

Das ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin-Friedrichshain steht seit Jahren weitgehend leer. Nach dem ursprünglich geplanten Abriss sollten auf dem Gelände Wohnungen, eine Schule, Sportflächen und öffentliche Freiräume entstehen. Doch nun werden die Karten offenbar noch einmal neu gemischt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

SEZ: Neuer Gehweg an der Landsberger Allee
Vor dem ehemaligen SEZ in Friedrichshain entsteht an der Landsberger Allee ein provisorischer Gehweg.

Quellen: Berliner Kurier, WBM, Der Tagesspiegel, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

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3 Kommentare

  1. Suppe 21. August 2026 at 13:09 - Reply

    Peinliches Wahlkampfmanöver, was nur weiter für Verzögerung sorgt. Reißt das Dinge endlich mal ab, so schwer ists doch nicht.

  2. at. 21. August 2026 at 17:14 - Reply

    Kann man den Zentralteil nicht an die Bäderbetriebe übergeben und wieder ein Bad aktivieren? Vor kurzem las ich hier doch erst etwas, dass man sich bemühe, mehr Bademöglichkeiten in Berlin zu schaffen.

    Wie auch immer, mit dem erhaltenen Mittelteil fallen einem gleich zig interessante ins Wohngebiet integrierte Varianten ein und man sieht, dass es sich manchmal lohnt kurz innezuhalten, um der Sache nochmal ein paar Gedanken zu gönnen… Gut so!

  3. Johann 23. August 2026 at 22:20 - Reply

    Im SEZ-Gebäude mit den sieben Becken wird so nie wieder geschwommen werden. Kann sein, dass sich der Senat (nach der nächsten Wahl) wieder beschwatzen lässt, ein überteures „Modellprojekt“ hinzustellen mit weniger, teureren und schlechteren Wohnungen, um dem Ost-Opfertum zu huldigen. Es kann auch sein, dass dann irgendwann ein neues Schwimmbecken hingestellt wird. Das wird aber ein komplett neues anderes sein. Selbst die Bürgerinitiativen sehen in ihren Vorschlägen nicht vor, den Badebetrieb direkt wieder aufzunehmen. Dieser Aspekt ist durch.

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