Der seit Jahren geplante Food Campus Berlin wird deutlich kleiner und soll nun doch nicht in Tempelhof gebaut werden. Zugleich gibt Geschäftsführerin Lia Carlucci die operative Leitung ab.

Die Visualisierung zeigt die geplanten Gebäude des „Food Campus Berlin“ am ursprünglichen Standort in Tempelhof. / © Visualisierung: Artprojekt Communication & Event GmbH
© Titelbild / Visualisierung: Artprojekt Communication & Event GmbH
Der Food Campus Berlin sollte am Teltowkanal zu einem großen Zentrum für die Lebensmittelbranche werden. Doch nach mehreren Verzögerungen steht das Vorhaben erneut vor einem tiefen Einschnitt. Diesmal ändern sich nicht nur Größe und Standort des Projekts. Auch an der Spitze gibt es einen Wechsel.
- Bezirk: bisher Tempelhof-Schöneberg
- Projekt: Food Campus Berlin
- Projektstatus: Neuplanung und Suche nach einem zentraleren Standort
- Ursprünglich geplante Größe: ca. 40.000 Quadratmeter
- Aktuell geplante Größe: rund 10.000 Quadratmeter, modular erweiterbar
Der Food Campus Berlin gehörte über Jahre zu den ungewöhnlichsten Gewerbeprojekten in Tempelhof. Auf einer Industriebrache am Teltowkanal wollte Artprojekt Forschung, Unternehmen, Start-ups und Lebensmittelproduktion an einem Ort zusammenbringen. Damals waren rund 40.000 Quadratmeter Fläche vorgesehen. Labore, Büros, Versuchsküchen, Produktionsbereiche und Räume für Veranstaltungen sollten Teil des Campus werden.
Food Campus Berlin schrumpft von 40.000 auf rund 10.000 Quadratmeter
2024 schien das lange verzögerte Projekt wieder Fahrt aufzunehmen. Die landeseigene WISTA sollte auf rund 4.000 Quadratmetern einen „Smart Protein Hub & Makerspace“ entwickeln und betreiben. Auch Gespräche mit größeren nationalen und internationalen Unternehmen liefen. Der geplante Baustart kam jedoch nicht zustande.
Nun folgt eine wesentlich größere Änderung. Nach Angaben der „Lebensmittel Praxis“ soll der Food Campus Berlin nur noch rund 10.000 Quadratmeter umfassen. Damit reduziert sich das geplante Volumen auf ein Viertel der ursprünglichen Größe. Das neue Konzept soll allerdings modular aufgebaut sein und später erweitert werden können. Als Gründe für die Neuplanung nennt das Projekt gestiegene Zinsen und Baukosten sowie die Zurückhaltung von Banken bei großen Immobilienprojekten.
Chefin gibt operative Leitung beim Food Campus Berlin ab
Noch grundlegender ist die Standortfrage. Der bisher vorgesehene Platz in Tempelhof steht vor dem Aus. Potenzielle Mieter hätten den Standort als nicht zentral genug bewertet. Außerdem fehlten in der Umgebung kurzfristig verfügbare Wohnangebote für Beschäftigte und internationale Forschungsgäste. Nach Angaben des Food Campus laufen bereits konkrete Verhandlungen über einen zentraleren Standort in Berlin. Wo dieser liegt, ist bislang nicht öffentlich bekannt.
Parallel zur Neuplanung ändert sich die Führung. Lia Carlucci hat die operative Leitung Ende August 2026 abgegeben. Sie hatte die Geschäftsführung rund zwei Jahre zuvor von Jörg Reuter übernommen und war davor bereits Mitglied des Beirats. Carlucci bleibt dem Projekt zunächst in einer beratenden Beiratsfunktion verbunden. Die operative Verantwortung übernimmt künftig wieder die Projektentwicklungsseite von Artprojekt.
Neuer Standort für Food Campus Berlin bleibt offen
Inhaltlich soll der Food Campus Berlin trotz der Änderungen weitergeführt werden. Geplant sind Kompetenzzentren unter anderem zu „Food as Medicine“, Ernährungsresilienz und „Circular Food“. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt stärker auf ein Netzwerk aus spezialisierten Bereichen. Schon das bisherige Konzept verband Forschung, Produktion und Unternehmen und setzte unter anderem auf alternative Proteine, personalisierte Ernährung, Kreislaufwirtschaft sowie Robotik und künstliche Intelligenz.
Wann aus dem verkleinerten Konzept ein gebauter Food Campus wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Food-Events und der Newsletter sollen laut „Lebensmittel Praxis“ erst wieder aufgenommen werden, wenn ein Eröffnungstermin absehbar ist. Das Land Berlin unterstütze das Vorhaben weiterhin.
Food Campus Berlin: bisher geplanter Standort
Quellen: Lebensmittel Praxis, Food Campus Berlin, WISTA Management GmbH
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Wenn so vergleichsweise wenig Fläche benötigt wird und sich das Projekt aufgrund von gestiegenen Baukosten immer weiter verzögert, warum mietet/pachtet/kauft man dann nicht bereits vorhandene Bürofläche? In Berlin steht ja mehr als genug davon leer. Man kann ein bestehendes Gebäude ja auch umbauen, um es den eigenen Herausforderungen anzupassen… Erweiterungsabsichten könnten ebenfalls berücksichtigt werden. Ich bezweifle stark, dass hier ein Neubau alternativlos ist.