Auf dem Gelände der Kaserne Hessenwinkel sollen rund 450 Wohnungen entstehen. Das Konzept wurde bereits nach der ersten Bürgerbeteiligung geändert. Nun zeigen die Stellungnahmen der Fachbehörden, dass bei dem großen Wohnprojekt in Rahnsdorf weitere Fragen gelöst werden müssen.

Ein verlassener Plattenbau der DDR-Kaserne Hessenwinkel steht zwischen dichtem Wald und Sträuchern in Berlin-Rahnsdorf.

Zwischen Birken, Kiefern und dichtem Unterholz steht ein lang gestreckter Bau der Kaserne Hessenwinkel. Die Bestandsgebäude sollen nach aktueller Planung Neubauten weichen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: STADT UND LAND

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Auf der ehemaligen Kaserne Hessenwinkel in Berlin-Rahnsdorf soll eines der größeren Wohnprojekte im äußersten Südosten der Hauptstadt entstehen. Doch der Weg zu den geplanten 450 Wohnungen ist kompliziert. Nachdem die Gebäude bereits niedriger geplant wurden, rücken nun Waldflächen, Schulplätze, Verkehr und die Versorgung des neuen Quartiers stärker in den Fokus.

  • Bezirk: Treptow-Köpenick
  • Adresse: Fürstenwalder Allee 356 / Fahlenbergstraße 1–11, 12589 Berlin
  • Wohnungen: rund 450
  • Weitere Nutzungen: Kita mit bis zu 60 Plätzen, Quartiersgarage sowie Grün-, Frei- und Ausgleichsflächen
  • Projektstatus: Bebauungsplanverfahren 9-100 VE läuft

Das rund 4,69 Hektar große Plangebiet liegt zwischen der Fürstenwalder Allee und der Fahlenbergstraße. Seit 2000 stehen die früheren Kasernengebäude leer. Ein Blick in die Kaserne Hessenwinkel zeigt, wie stark die Gebäude inzwischen verfallen sind. Doch das soll sich ändern.

Ein besprühter Bauzaun steht vor einem überwucherten Gebäude der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel in Berlin.

Eine mit Graffiti bedeckte Absperrung trennt den Weg von den verlassenen Kasernengebäuden. Das Gelände gehört zu den markanten Lost Places im Berliner Osten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Versorgung als Thema beim Wohnungsbau in Hessenwinkel

Das Land übertrug den überwiegenden Teil der Fläche 2019 an STADT UND LAND. Ende 2024 startete das Bebauungsplanverfahren. Die Planung sieht rund 450 Wohnungen vor. Hinzu kommen eine Kita mit bis zu 60 Plätzen und eine Quartiersgarage.

Nach Angaben des Bezirks könnte das neue Quartier rund 900 zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner nach Rahnsdorf bringen. Ein Lebensmittelmarkt innerhalb des Quartiers gilt nach Einschätzung der Fachverwaltung wegen dieser Größenordnung aber nicht als wirtschaftlich tragfähig. Vorhandene Strukturen können den Bedarf aber kaum abdecken. Geprüft werden deshalb nun kleinere Angebote wie ein Kiosk, Bäcker oder Café sowie Arztpraxen.

Ein offenes Fenster zeigt bröckelnden Putz und beschädigte Wände in einem verlassenen Gebäude der DDR-Kaserne Hessenwinkel in Berlin.

Offene Fenster geben den Blick in einen beschädigten Raum der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel frei. Feuchtigkeit und jahrzehntelanger Leerstand haben deutliche Spuren hinterlassen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Kaserne Hessenwinkel: Rund 2,3 Hektar gelten rechtlich als Wald

Dazu kommt: Eine der wichtigsten neuen Fragen betrifft die Naturflächen. Im Zuge der Beteiligung der Behörden wurde für einen wesentlichen Teil des Plangebiets Waldeigenschaft nach dem Berliner Landeswaldgesetz festgestellt. Betroffen sind rund 2,3 Hektar. Deshalb muss STADT UND LAND unter anderem ein Fachgutachten zur Waldumwandlung und ein Ausgleichskonzept erarbeiten.

Damit kommen weitere Untersuchungen hinzu. Die Behörden verlangen unter anderem Gutachten zu Artenschutz, Biotopen, Verkehr, Schallschutz, Niederschlagswasser und Bodenschutz. Im Gebiet könnten geschützte Fledermäuse, Vögel, Reptilien und Amphibien vorkommen. Außerdem liegt ein Teil der Fläche im Berliner Bodenbelastungskataster. Aus Sicht des Grundwasserschutzes bestehen nach dem Rückbau von elf früheren Tiefbrunnen dagegen keine grundsätzlichen Einwände gegen die Planungsziele.

Die Aufnahme zeigt einen mehrgeschossigen Plattenbau der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel hinter Bäumen und Erdhaufen im Berliner Osten.

Hinter Erdwällen und alten Bäumen stehen die verlassenen Plattenbauten der DDR-Kaserne Hessenwinkel in Berlin-Rahnsdorf. Auf dem Lost Place soll künftig ein Wohnquartier entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Pläne für Kaserne Hessenwinkel geändert, aber noch nicht finale

Dass die Planung noch nicht abgeschlossen ist, zeigte sich schon bei der frühzeitigen Beteiligung im vergangenen Jahr. Zwischen dem 2. und 25. April 2025 gingen 1.628 Äußerungen aus der Öffentlichkeit ein. Viele davon betrafen die Höhe und Dichte der Bebauung sowie Umwelt, Verkehr und Infrastruktur.

Bezirksamt und STADT UND LAND reagierten darauf mit ersten Änderungen: Das überarbeitete Konzept für die Kaserne Hessenwinkel sieht statt der zunächst geplanten sieben- und achtgeschossigen Wohnhäuser überwiegend fünf bis sechs Geschosse vor. Gleichzeitig kam ein weiteres fünfgeschossiges Wohnhaus hinzu, sodass es bei rund 450 Wohnungen bleiben soll.

Doch auch dieses überarbeitete Konzept ist noch nicht der endgültige Stand. Im Juli und August 2025 beteiligte der Bezirk die Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange. Aus den insgesamt 46 Stellungnahmen ergeben sich weitere Anforderungen an die Planung. Sie betreffen unter anderem Wald- und Artenschutz, Verkehr, Schallschutz, Regenwasser, Boden sowie die soziale Infrastruktur. Die Auswertung dieser Hinweise läuft noch; zugleich werden die dafür notwendigen Fachgutachten erarbeitet.

Bäume und Sträucher überwuchern ein verlassenes Gebäude der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel im Osten von Berlin.

Dichte Vegetation umgibt einen flachen Funktionsbau auf dem Gelände der Kaserne Hessenwinkel. Seit 2000 steht der frühere DDR-Militärstandort leer. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

450 Wohnungen in Rahnsdorf: 49 zusätzliche Grundschulplätze nötig

Auch die soziale Infrastruktur spielt im weiteren Verfahren eine Rolle. Die Fachverwaltung errechnete durch die 450 Wohnungen einen zusätzlichen Bedarf von 49 Grundschulplätzen. Nach aktuellem Stand hält der Bezirk die Versorgung langfristig für möglich. STADT UND LAND soll im Rahmen des Berliner Modells der kooperativen Baulandentwicklung an den Kosten für die zusätzlich benötigten Plätze beteiligt werden.

Parallel wurde die Schule an den Püttbergen in Rahnsdorf erweitert. Der Standort beschult nach Angaben des Bezirksamts derzeit rund 597 Schülerinnen und Schüler. Durch einen dreigeschossigen Ergänzungsbau wächst seine räumliche Kapazität von drei auf vier Züge. Für weiterführende Schulen prüft der Bezirk den Bedarf im Rahmen seines sozialen Infrastrukturkonzepts.

Die Aufnahme zeigt einen mehrgeschossigen Plattenbau der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel hinter Bäumen und Erdhaufen im Berliner Osten.

Hinter Erdwällen und alten Bäumen stehen die verlassenen Plattenbauten der DDR-Kaserne Hessenwinkel in Berlin-Rahnsdorf. Auf dem Lost Place soll künftig ein Wohnquartier entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Kaserne Hessenwinkel: Zusätzliche Busverbindungen vorerst nicht absehbar

Offene Fragen gibt es zudem beim Verkehr. Zwar betrachten die Behörden das Grundstück grundsätzlich als mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen. Zusätzliche Busverkehre will das Land wegen der Haushaltslage und der eingeschränkten Leistungsfähigkeit der BVG mittelfristig jedoch nicht bestellen. Die Fachstellen verweisen zugleich auf die vergleichsweise große Entfernung zu den S-Bahnhöfen Wilhelmshagen und Erkner.

Auch die geplante Quartiersgarage wird nochmals geprüft. Das bisherige Konzept sieht bis zu 460 Stellplätze vor. In der Behördenbeteiligung wurde jedoch empfohlen, einen Bedarf von mindestens 530 Pkw-Stellplätzen zu untersuchen. Außerdem soll an der Fürstenwalder Allee auf Höhe der geplanten Kita eine Mittelinsel oder ein Fußgängerüberweg geprüft werden, da dort bislang eine sichere Querungsmöglichkeit fehlt.

Damit steht das Wohnquartier auf der Kaserne Hessenwinkel weiterhin am Anfang eines längeren Verfahrens. Bevor der Bebauungsplan beschlossen werden kann, müssen zunächst weitere Fachgutachten erstellt und die Planung fortgeschrieben werden. Im weiteren Verfahren folgt außerdem die förmliche Beteiligung der Öffentlichkeit nach § 3 Abs. 2 BauGB. Einen Termin dafür hat der Bezirk bislang nicht bekannt gegeben. STADT UND LAND nennt derzeit Anfang der 2030er Jahre als möglichen Baubeginn. Einen verbindlichen Termin gibt es noch nicht.

Kaserne Hessenwinkel: 450 Wohnungen in Rahnsdorf
Auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Hessenwinkel plant STADT UND LAND ein neues Wohnquartier mit rund 450 Wohnungen, einer Kita und einer Quartiersgarage.

Quellen: Bezirksamt Treptow-Köpenick, STADT UND LAND, Berliner Zeitung

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