Zwei ehemalige Karstadt-Häuser, ein gemeinsames Ziel: Nach Jahren des Leerstands sollen die Standorte in Harburg und Bergedorf wieder zu belebten Teilen der Hamburger Innenstädte werden. Der Senat hat dafür in dieser Woche einen wichtigen Schritt eingeleitet, doch der Prozess bleibt nicht ohne Kritik.

Die ehemaligen Karstadt-Warenhäuser in Harburg und Bergedorf sollen künftig wieder eine zentrale Rolle in ihren jeweiligen Innenstädten spielen. Auch der Standort am Sachsentor in Bergedorf gehört zu den Flächen, für die der Senat nun die nächsten Entwicklungsschritte eingeleitet hat. / © Foto: Wikimedia Commons, Dguendel, CC BY 4.0
© Titelbild: IMAGO, Hoch Zwei Stock, Angerer
Der Hamburger Senat hat am 28. Juli 2026 die Bürgerschaft in die weitere Entwicklung der beiden ehemaligen Karstadt-Grundstücke in Harburg und Bergedorf eingebunden und sie um Zustimmung zu den nächsten Schritten gebeten. Beide Flächen liegen zentral in ihren jeweiligen Innenstädten und standen nach der Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof über Jahre leer oder brach.
Die Stadt hatte die Grundstücke deshalb selbst erworben, um Spekulation und dauerhaften Stillstand zu verhindern. Nun soll über sogenannte Konzeptvergaben eine neue Nutzung mit Wohnungen, Handel und öffentlichen Angeboten entstehen.
Aktueller Stand in Harburg: Studie soll Klarheit bringen
Am Schloßmühlendamm in Harburg läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie des Bezirksamts. Sie soll klären, ob das Gebäude umgebaut, teilweise abgerissen oder vollständig neu errichtet wird. Bereits jetzt nutzt das Archäologische Museum Hamburg Teile des Erdgeschosses, seit Februar 2025 zeigt es dort auf rund 400 Quadratmetern Ausstellungen zur Harburger Geschichte, ergänzt um einen Veranstaltungsraum, der regelmäßig als Kino genutzt wird.
Ein Brandvorfall im April 2026 sorgte allerdings für einen Rückschlag, weil Museum und Kino vorübergehend schließen mussten. Der Senat hat die Bürgerschaft nun gebeten, einem möglichen Teilverkauf des Grundstücks zuzustimmen. Der für öffentliche Nutzungen wie Bücherhalle und Volkshochschule vorgesehene Bereich soll dabei dauerhaft im Eigentum der Stadt bleiben.
Ankauf der Karstadtflächen in Bergedorf: Zwei Flächen für die Innenstadt
In Bergedorf hat die Stadt die Flächen am Sachsentor sowie am Bergedorfer Markt bereits im Mai 2026 erworben. Zusammen umfassen sie gut 4.200 Quadratmeter mitten in der Fußgängerzone. Für den Bergedorfer Markt liegt bereits ein städtebaulicher Siegerentwurf aus einem Werkstattverfahren vor, das Baurecht sowie die eigentliche Vermarktung an einen Investor stehen jedoch noch aus.
Die Entwicklung ist eng mit dem Sanierungsgebiet Zentrum Bergedorf verknüpft und soll langfristig auch die Umgestaltung der Schloßstraße und der Alten Holstenstraße einbeziehen. Geplant ist eine Mischung aus Wohnungen, Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen, die das Zentrum wieder stärker beleben soll.
Vorgehen beim Verfahren mit den Gebäuden: FDP mahnt mehr Einbindung an
Die FDP-Fraktion Harburg begrüßt zwar grundsätzlich die geplante Mischnutzung, kritisiert aber das Vorgehen des Senats. Fraktionschef Dirk Kannengießer erklärte, die Bezirksversammlung sei bei einem derart bedeutenden Vorhaben nicht ausreichend früh eingebunden worden. Die Fraktion forderte deshalb unter anderem eine vollständige Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie sowie einen verbindlichen Zeitplan.
Der Senat selbst kündigte in seiner Mitteilung vom 28. Juli an, die zuständigen bezirklichen Gremien im weiteren Verfahren umfassend zu beteiligen. Zwischen Anspruch und tatsächlichem Zeitpunkt der Information besteht damit aus Sicht der FDP eine Lücke. Ganz neu ist die Reibung zwischen Bezirk und Senat an diesem Standort nicht, bereits 2023 hatte ein Streit um das städtische Vorkaufsrecht für Verzögerungen gesorgt.
Was passiert als Nächstes? Diese Schritte stehen vor der Entwicklung noch an
Bevor die Grundstücke verkauft und konkret weiterentwickelt werden können, muss zunächst die Bürgerschaft zustimmen. Erst danach lässt sich die Machbarkeitsstudie in Harburg abschließen und eine Konzeptvergabe für beide Standorte vorbereiten. Wie lange solche Verfahren dauern können, zeigt das Beispiel Wandsbek Markt, wo aus einem ehemaligen Karstadt-Gebäude derzeit ein Quartier mit rund 125 Wohnungen entsteht.
Für Harburg und Bergedorf bedeutet das: Der eigentliche Umbau der beiden Areale liegt noch in einiger Entfernung. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen aber noch in diesem Jahr vorliegen und damit eine wichtige Grundlage für die kommenden Schritte schaffen.
Schloßmühlendamm 2
Sachsentor 33–39
Bergedorfer Markt 5–7
Quellen: Finanzbehörde Hamburg, Hamburg.de, Hamburger Abendblatt, Bezirksamt Hamburg-Bergedorf, Bezirksversammlung Harburg, Stadtentwicklungsausschuss, competitionline, FDP-Fraktion Harburg
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