Nach zwei Jahren Umplanung tut sich am Leopoldplatz wieder etwas. Für das ehemalige Karstadt-Gebäude liegen nun neue Pläne vor, allerdings deutlich kleiner als ursprünglich vorgesehen. Bei einer Infoveranstaltung erfuhren Anwohnende, was aus dem Kaufhaus werden soll und wie lange sie sich noch gedulden müssen.

Der Karstadt am Leopoldplatz soll ab 2028 revitalisiert werden, frühestens ab 2032 könnten die ersten Flächen im sanierten Gebäude wieder in Betrieb gehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Umbau des ehemaligen Karstadt-Gebäudes am Leopoldplatz steht seit Jahren still. Am Donnerstagabend kamen rund 160 interessierte Anwohnende in das leere Haus, um sich über die weitere Entwicklung zu informieren.
Zur Veranstaltung eingeladen hatte die Versicherungskammer Bayern (VKB), die das Grundstück seit dem Insolvenzverfahren des früheren Partners Signa allein besitzt. Nach einem zweijährigen Umplanungsprozess präsentierte das Unternehmen konkrete Pläne für das Gebäude.
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Am Grundkonzept aus dem Jahr 2023 hält die VKB fest: Der Bestand soll erhalten und saniert werden. Allerdings fallen die Aufstockungspläne deutlich kleiner aus als ursprünglich vorgesehen. Statt der im Wettbewerb geplanten 26.270 Quadratmeter Neubaufläche sind nun noch rund 15.000 Quadratmeter vorgesehen, drei Geschosse weniger als zunächst geplant. Auch die Zahl der Wohnungen sinkt von etwa 80 auf 60.
Als Grund nannte Markus Datzer von der Versicherungskammer vor allem die veränderte Nachfrage. Der ursprünglich geplante Nutzungsmix lasse sich so nicht mehr umsetzen, erklärte er, da die Nachfrage nach Büroflächen stark zurückgegangen sei. Zusätzlich habe die Insolvenz des früheren Partners Signa das Projekt monatelang ausgebremst.
Nutzungsmix nach der Revitalisierung: Einzelhandel, Gewerbeflächen, Wohnen und soziale Nutzung geplant

Eine öffentliche Dachterrasse, wie sie im Wettbewerbsentwurf noch vorgesehen war, wird es laut Planern und VKB nicht mehr geben.
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Im Erdgeschoss sowie im ersten Untergeschoss soll weiterhin Handel stattfinden, ergänzt um Gastronomie und weiteres Gewerbe. Wer konkret einziehen wird, steht laut VKB noch nicht fest, da man derzeit noch keine Mieter suche.
In den oberen Etagen sind Büros sowie Flächen für Handwerk, Leichtindustrie und Forschung geplant, direkt angebunden an die bestehende Parketage. Darüber sollen Wohnungen entstehen, während im Innenhof ein separates Gebäude für soziale Angebote errichtet wird. Damit die zusätzlichen Etagen möglichst leicht bleiben, setzt das Architekturbüro Baumschlager Eberle auf Holz- und Hybridbauweise.
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Für Flächen im ersten Obergeschoss wird eine kulturelle Zwischennutzung bis zum Baubeginn diskutiert, eine solche Zwischennutzung wäre zwar machbar, jedoch schwierig umzusetzen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Damit das Haus künftig flexibler genutzt werden kann, hat der Bezirk das Bebauungsplanverfahren angepasst. Statt einzelner, fest vorgeschriebener Nutzungen legt der neue Plan nur noch einen Rahmen fest, sodass spätere Änderungen leichter möglich werden sollen.
Bis zur Umsetzung dürfte allerdings noch viel Zeit vergehen. Ein Baubeginn ist frühestens 2028 denkbar, die Fertigstellung frühestens 2032. Für die Zeit bis dahin wird zudem über eine mögliche kulturelle Zwischennutzung einer Etage diskutiert. Dies ist jedoch ein kompliziertes Unterfangen, da das Gebäude vor dem Umbau räumlich schwierig zu unterteilen ist und auch eine kulturelle Nutzung finanziert werden müsste.
Umbau des Karstadt-Kaufhauses: Fragen der Anwohnenden

Anwohnende stellten auch kritische Fragen, die Diskussionen blieben jedoch sachlich und ohne lautstarke Konfrontation. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
An vier Thementischen konnten die Anwesenden im Anschluss an die Präsentation direkt mit den Projektverantwortlichen sprechen. Mehrfach ging es um die genaue Verteilung der Flächen zwischen Wohnen, Gewerbe und sozialer Nutzung sowie um die Frage, ob sich lokale Handwerksbetriebe die künftigen Gewerbeflächen überhaupt leisten können. Dazu erklärte Markus Datzer von der Versicherungskammer, man suche gezielt nachhaltige Nutzer aus dem Quartier, da diese das Projekt belebten und dadurch auch dessen Rentabilität steigern würden.
Auch die geplante Zwischennutzung sorgte für Diskussionen. Eine Machbarkeitsstudie beziffert die Kosten für eine kulturelle Nutzung pro Etage auf rund 800.000 Euro, weshalb die VKB nach weiteren Partnern sucht. Am Tisch zur sozialen Nutzung wurde zudem über den Umgang mit Obdachlosigkeit am Standort gesprochen.
Stimmung bei der Informationsveranstaltung: Zufriedenheit trotz langem Entwicklungsprozess

Im Erdgeschoss ist mit Lidl bereits ein Geschäft aktiv, das gut vom Kiez angenommen wird. Auch nach dem Umbau soll dort weiterhin Einzelhandel stattfinden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Trotz der langen Verfahrensdauer wirkten viele Besucherinnen und Besucher zufrieden. Die Moderation führte strukturiert durch den Abend, kontroverse oder lautstarke Momente blieben aus, und die Fragen an den Thementischen fielen überwiegend sachlich aus.
Zum Abschluss betonte Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD), die Phase der Unsicherheit sei nun vorbei. Ob sich diese Einschätzung bestätigt, dürfte sich erst in den kommenden Verfahrensschritten zeigen.
Quellen: Informationsveranstaltung Versicherungskammer Bayern
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