Das ehemalige Karstadt-Warenhaus am Leopoldplatz steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach dem Auszug von Karstadt, dem Einzug eines temporären Lidl-Markts und mehreren Beteiligungsveranstaltungen ist klar: Die angestrebte kulturelle Nutzung stößt beim Eigentümer auf deutliche Vorbehalte. Der Bezirk sucht weiter nach tragfähigen Lösungen, doch der Weg dahin ist steinig.

Karstadt Leopoldplatz

Die Karstadt-Filiale an der Müllerstraße ist seit Anfang 2024 geschlossen, das leerstehende Gebäude prägt jedoch weiterhin die Umgebung. Im Erdgeschoss ist inzwischen ein Lidl-Supermarkt eingezogen, der stark genutzt wird und den Standort belebt. Doch was langfristig aus dem Gebäude werden soll, ist nach wie vor offen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Über vier Jahrzehnte prägte das Karstadt-Gebäude an der Müllerstraße den Leopoldkiez. Seit der Eröffnung 1978 galt das Haus als feste Größe im Wedding, bis der Betrieb Anfang 2024 eingestellt wurde. Im April 2025 zog ein Lidl-Supermarkt ins Erdgeschoss ein und brachte zumindest etwas Leben in das leerstehende Gebäude. Doch die Nutzung durch den Supermarkt ist nur vorübergehend und langfristige Pläne fehlen weiterhin.

Seit mehreren Jahren laufen Abstimmungen zwischen Bezirk und Eigentümer, der Versicherungskammer Bayern (VKB). Der Zustand des Gebäudes, die veränderte Handelslandschaft und hohe Betriebskosten machen eine grundlegende Neugestaltung notwendig. Gleichzeitig wünscht der Bezirk eine Entwicklung, die stärker auf den Kiez ausgerichtet ist und zusätzliche öffentliche Nutzungen ermöglicht.

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Bürgerbeteiligung und Architekturwettbewerb: Viele Ideen, wenig Fortschritt am Leopoldplatz

Der Prozess startete 2022 mit Workshops, einem Planungscafé und einer Online-Beteiligung. Bürgerinnen und Bürger brachten zahlreiche Vorschläge ein, die von kulturellen Angeboten über neue Zugänge bis zur Öffnung des Dachs reichten. Ein Architekturwettbewerb sollte die Grundlagen für ein neues Gebäudekonzept liefern. Parallel betonte der Bezirk mehrfach, dass die Bevölkerung eng eingebunden werden müsse.

Doch obwohl der Beteiligungsprozess breit angelegt war, blieb vieles im Entwurfsstadium. Die geplante kulturelle Nutzung der ersten Etage, die der Bezirk als niedrigschwelliges Angebot für den Stadtteil vorsah, entwickelte sich zu einem zentralen Konfliktpunkt.

Kulturetage am Leopoldplatz scheitert vorerst an Kosten und Zustimmung der VKB

Im September 2025 erklärte Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger am Runden Tisch Leopoldplatz, dass die VKB das Kulturprojekt ablehne, wie der Weddingweiser berichtet. Der Eigentümer signalisierte, er wolle weder einen Ort für suchtkranke Menschen noch die geplante Kulturetage unterstützen. Laut Remlinger habe der Vorschlag, stattdessen einen Baucontainer im Hof für kulturelle Aktivitäten zu nutzen, im Bezirk für Irritationen gesorgt. Sie habe dies als unzureichendes Angebot empfunden.

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Eine Machbarkeitsstudie hatte zuvor Kosten von rund 1,6 Millionen Euro für die Einrichtung der Kulturetage berechnet sowie jährliche Betriebskosten von über einer Million Euro. Unklar blieb, wer diese Mittel aufbringen könnte. An diesem Punkt seien laut Weddingweiser die Gespräche gescheitert, heißt es aus dem Bezirksamt.

Unklare Trägerschaft und Finanzierung bremsen Kulturkonzept im Ex-Karstadt aus

Inhaltlich sollte die Kulturlandschaft ein breites Angebot schaffen: Workshops, Vorträge, Sportkurse, Café, Kinderbereich und flexible Räume für spontane Besuche. Doch weder Trägerstrukturen noch Finanzierung waren konkret benannt, was Kritik auslöste. Eine klare Vorstellung davon, wer ein solches Projekt dauerhaft tragen könnte, fehlte.

Der Eigentümer verweist inzwischen auf das laufende Bebauungsplanverfahren. Anlagen für kulturelle, soziale und sportliche Zwecke seien weiterhin vorgesehen, ließ ein Sprecher der Berliner Morgenpost mitteilen. Wie diese konkret aussehen könnten, blieb jedoch offen. Gleichzeitig gelten ältere Pläne eines Nutzungsmixes aus Wohnen, Gewerbe und sozialen Einrichtungen als wirtschaftlich fraglich.

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Die oberen Geschosse des ehemaligen Kaufhauses werden wohl noch länger ungenutzt bleiben. Der Bezirk fordert Partner aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um neue Ideen zu entwickeln. Der Eigentümer setzt auf einen langfristigen Umbau, dessen Zeitplan weiterhin unklar ist. Der Kiez wartet somit weiter auf eine Lösung, die dem zentralen Standort gerecht wird und die unterschiedlichen Interessen von Bezirk, Eigentümer und Anwohnerschaft zusammenführt.

Quellen: Weddingweiser, Berlin.de, Berliner Morgenpost

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2 Kommentare

  1. […] Weiter auf ENTWICKLUNGSSTADT … […]

  2. Pavel 8. Dezember 2025 at 14:30 - Reply

    Sorry, dass sind doch alles Luftschlösser. Was sollen das denn bitte für „kulturelle Nutzungen“ sein, die in einem ehemaligen Kaufhaus Sinn machen? Dazu müsste das ganze Haus umfassend umgebaut werden. Wer soll das bezahlen? Selbst wenn es ausreichend Steuergeld dafür gäbe, wäre es nicht sinnvoll, das für einen aufwendigen Umbau eines ehemaligen Kaufhauses in einen Kulturstandort auszugeben. Da gibt es sinnvollere und bessere Orte, also Kaufhäuser im Kiez.

    Bei allem Verständnis für die Karstadt-Nostalgie. Das war eine (durch durch kapitalistisches) Kaufhaus. Das Geschäftsmodell trägt nicht mehr. Gut ist. Kein Grund, dass mit großem Aufwand und am besten noch Steuergeld künstlich am Leben zu halten. Von daher, akzeptiere, dass es Karstadt nicht mehr gibt und dem neuen Eigentümer möglichst schnell und einfach eine neue Nutzung genehmigen. Hauptsache es passiert war. Sonst steht der Kasten noch länger leer und verfällt.

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