Der Pankower Ortsteil Karow wird zum Testfeld für Berlins Wachstumspolitik: Mehr Wohnungen, mehr Dichte, mehr Infrastruktur. Während Berliner Senat und private Projektentwickler das Tempo anziehen, wächst im Bezirk der Unmut über die überdimensionierten Pläne.
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Olaf Tausch
Im Berliner Nordosten, im Pankower Ortsteil Karow, sollen in den kommenden Jahren tausende neue Wohnungen entstehen. Rund 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben im beschaulichen Ortsteil heute. Diese Zahl wird sich jedoch aller Voraussicht nach bald deutlich erhöhen, denn der Berliner Senat möchte in Karow den Bau neuer Wohnungen vorantreiben.
Nach einer bereits 2023 veröffentlichten Studie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen kann durch eine bauliche Nachverdichtung neuer Wohnraum für bis zu 10.000 Menschen entstehen – ein aufsehenerregendes Szenario. Nun ist bekannt geworden, wer den Bau der neuen Wohnungen finanzieren und umsetzen soll.
Berlin-Karow: Neuer Wohnraum für bis zu 10.000 Menschen soll in den kommenden Jahren entstehen
In einer gemeinsamen Pressemitteilung kündigten heute die Unternehmen Laborgh und Periskop eine Kooperation im Hinblick auf den geplanten Wohnungsbau im Pankower Norden an. In dieser Erklärung heißt es: „Ziel ist es, dem Wohnraummangel in der Metropolregion mit frühzeitiger, partnerschaftlicher Zusammenarbeit entgegenzuwirken. Geplant ist ein modernes, nachhaltiges Quartier im Pankower Ortsteil Karow mit sozialer Infrastruktur (u. a. Kindertagesstätte), das sich städtebaulich sensibel in die bestehende Bebauung einfügt.“
Ein zentraler Schwerpunkt des Projekts soll die deutliche Verbesserung der Anbindung an den öffentlichen Verkehr sein. Vor allem die geplante Infrastruktur rund um den künftigen Turmbahnhof Karower Kreuz soll die Verbindungen sowohl in die Berliner Innenstadt als auch in das Brandenburger Umland nachhaltig stärken, so die Projektpartner.
Laborgh und Periskop sollen Flächen im Norden Pankows entwickeln
Ergänzend soll aber zudem großer Wert auf eine fuß- und radverkehrsfreundliche Erschließung des Geländes sowie auf kurze Wege gelegt werden. Es sind zwei separate Entwicklungsflächen im Süden Karows, auf denen die neuen Wohnhäuser errichtet werden sollen, beide Flächen sind bislang unbebaut und von bestehenden Wohnquartieren umschlossen.
Das Grundstück „Straße 52“ („An der Laake“) und „Straße 33“ umfassen zusammen mehr als 174.000 Quadratmeter. Während das Areal „Straße 52“ mit rund 103.810 Quadratmetern direkt an den Bachlauf der Laake grenzt, misst das Grundstück „Straße 33“ weitere 70.514 Quadratmeter.
Karow: Modernes, durchgrüntes Quartier mit neuen Wohnungen sollen entstehen
Beide Standorte bieten nach Ansicht der Projektentwickler die Voraussetzungen für ein modernes, durchgrüntes Quartier, das ressourcenschonend geplant werden und über eine quartiersnahe soziale Infrastruktur verfügen soll. Wie viele Wohnungen auf diesen beiden Grundstücken genau entstehen werden, steht bislang aber noch nicht fest.
Finanziert wird das Vorhaben laut Periskop und Laborgh überwiegend durch deutsche Versorgungswerke, Pensionskassen und Versicherungen. Damit soll das eingesetzte Kapital zugleich der Altersvorsorge zahlreicher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dienen und städtebauliche Entwicklung mit langfristiger sozialer Verantwortung verbinden – so die offizielle Lesart.
Bausenator Christian Gaebler will in Berlin-Karow tausende neue Wohnungen bauen
Im Ortsteil Karow soll neuer Wohnraum für bis zu 10.000 Menschen entstehen, das von Laborgh und Periskop geplante Gelände soll nur ein Teil dieses Gesamtvorhabens sein. So plant es jedenfalls der Berliner Senat, allen voran Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD). Nach aktuellem Planungsstand sollen auf mehreren Flächen im Karower Süden fast 5.000 Wohnungen entstehen, deutlich mehr übrigens, als es der Bezirk Pankow für sinnvoll erachtet.
Denn die Zahl von fast 5.000 Wohnungen wäre weit mehr, als das vom Bezirksamt Pankow bisher untersuchte und für optimal bewertete Maximalszenario von 3.542 zusätzlichen Haushalten. Und es wäre vor allem mehr als doppelt so viel, wie der Konsens für rund 2.000 Wohnungen, auf die sich Pankows Bezirkspolitiker mit Karows Bürgergruppen bereits Anfang der 2020er Jahre geeinigt hatten.
Das Bezirksamt Pankow fürchtet, dass die geplanten Wohnungen die Bezirkskapazitäten für Bildung und Verkehr übersteigen
Christian Gaeblers Vorgänger, Andreas Geisel (SPD) war das Vorgehen der Bezirkspolitik für die geplanten Wohnungen in Karow aber offensichtlich zu zaghaft, weshalb die Senatsverwaltung das Planungsverfahren schließlich schon vor Jahren an sich gezogen hatte.
Geisel betonte damals, dass die landeseigenen Flächen dichter und höher bebaut werden müssen: „Bei einer Dreigeschossigkeit haben wir einen Flächenverbrauch, den wir uns schon aus ökologischen Gründen nicht leisten können. Dafür haben wir in Berlin zu wenig Fläche.“
Neue Wohnungen: In Karow soll nicht nur dichter, sondern auch höher gebaut werden
So soll in Karow also nicht nur dichter, sondern auch höher gebaut werden. Den Charakter des bereits bestehenden, eher flach gebauten Quartiers würde dies vollkommen verändern. Anwohner reagierten bislang sehr skeptisch auf die Pläne der Senatsverwaltung.
Durch die politischen Auseinandersetzungen, die zwischen Bezirk und Senat im Vorfeld stattgefunden haben, lassen sich die für die Umsetzung verantwortlichen Projektentwickler aber nicht beeinträchtigen. „Wir setzen bewusst auf frühzeitige, partnerschaftliche Kooperationen – denn hier entsteht Tempo„, sagt etwa Dr. Simon Kempf, Geschäftsführer der Periskop Development GmbH. „Unser Ziel ist ein nachhaltiges Quartier, das sich in das bestehende Umfeld einfügt und von einer deutlich verbesserten ÖPNV Anbindung profitiert.“
„Als erfahrener Projektentwickler bringen wir unsere Kompetenz in der Entwicklung gemischter Quartiere und in der strategischen Neupositionierung komplexer Standorte ein„, sagt auch Florian Lanz, Geschäftsführer der Laborgh Investment GmbH. „Gerade in Karow sehen wir die Chance, Wohnen, soziale Infrastruktur und neue Mobilitätsangebote zu einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Quartier zu verbinden.“
Laborgh und Periskop entwickeln bereits Wohnprojekte in Hohenschönhausen und Marzahn
Für den Pankower Norden stellen die geplanten Wohnungsbauvorhaben vor allem eine Herausforderung für die Infrastrukturplanung des bevölkerungsreichsten Berliner Bezirks dar. Die neuen Kooperationspartner sind in Berlin hingegen keine Unbekannten.
Im Februar 2025 war Petra Müller zu Gast im ENTWICKLUNGSSTADT Podcast „Metropole im Wandel“. Sie ist Head of Development bei Periskop Development (ehemals DLE Group) und verantwortlich für die Baulandentwicklung sowie die Kommunikation mit politischen Institutionen. Das Unternehmen plant derzeit unter anderem zwei Wohn- und Gewerbeprojekte an der Landsberger Allee sowie an der Konrad-Wolf-Straße mit insgesamt knapp 1.200 Wohnungen.
Das Unternehmen Laborgh ist in Berlin-Marzahn am großformatigen Wohnprojekt „Konnekt Berlin“ beteiligt, welches gemeinsam mit Kondor Wessels umgesetzt wird, rund 1.700 neue Wohnungen sollen im Zuge des Vorhabens entstehen. In Karow wollen beide Unternehmen nun also in den kommenden Jahren an der Entwicklung eines der größten Wohnbauprojekte Berlins mitwirken.
Quellen: Laborgh Investment GmbH, Periskop Development, Bezirksamt Pankow, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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