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Seit 1996 feiert Berlin jedes Jahr zu Pfingsten den Karneval der Kulturen, ein Fest der Vielfalt, das sich längst zu einem Symbol für gelebte Diversität und gesellschaftliches Miteinander entwickelt hat. Mit seinem Straßenfest in Kreuzberg und dem Umzug in Friedrichshain setzt das Festival auch 2025 ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung.

Mehr als 4.000 Akteurinnen und Akteure in 68 Gruppen nehmen in diesem Jahr am Umzug teil, 13 davon zum ersten Mal. Rund ein Drittel stammt ausschließlich aus Berlin, andere werden von Teams aus ganz Deutschland unterstützt. Die Gruppen präsentieren sich mit bunt geschmückten Wagen, Kostümen, Musik und Tanz. / © Foto: Wikimedia Commons, abbilder, CC BY 2.0

© Fotos: Wikimedia Commons, abbilder, CC BY 2.0
© Foto Titelbild: pixabay, mit KI bearbeitet

 

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Der Karneval der Kulturen entstand Mitte der 1990er Jahre als Reaktion auf zunehmende rassistische Übergriffe in Deutschland. Die Idee dazu wurde in der 1993 gegründeten Werkstatt der Kulturen in Neukölln entwickelt, einem Ort der Begegnung für Menschen aus mehr als 180 Nationen. 1996 fand das Fest erstmals statt, zunächst als zweitägiger Umzug durch Kreuzberg ohne begleitendes Straßenfest.

Ein Jahr später kam das Straßenfest hinzu. Der Karneval orientierte sich an europäischen Vorbildern wie dem Notting Hill Carnival in London oder dem Zomercarnaval in Rotterdam, wollte aber eine eigene, auf Berlin zugeschnittene Form des Feierns und Protestierens schaffen.

Veranstalterwechsel, Dialogprozesse und neue Ausrichtung: Strukturelle Veränderungen beim Karneval der Kulturen

Zwischen 1996 und 2014 organisierte die Werkstatt der Kulturen den Karneval der Kulturen. Nach einem Konflikt mit dem Berliner Senat übernahm im Jahr 2015 die landeseigene Kulturprojekte Berlin GmbH die Durchführung. Bereits ein Jahr später wechselte die Verantwortung erneut: Seit 2016 liegt die Organisation bei der Piranha Arts AG.

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Diese Umbrüche gingen mit intensiven Dialogprozessen zwischen Akteurinnen und Akteuren, Senatsverwaltungen und Zivilgesellschaft einher, teils gefördert durch öffentliche Mittel. Strukturelle Unsicherheiten erschwerten die konzeptionelle Entwicklung, während Sicherheitsfragen stärker in den Fokus rückten. Seit 2019 können sich die Veranstalter wieder verstärkt inhaltlichen Themen wie nachhaltiger Umsetzung widmen.

Straßenfest in Kreuzberg, Umzug in Friedrichshain: Neue Wege für ein bewährtes Format

Auch 2025 bleibt das viertägige Straßenfest mit Musik, Tanz, Theater und politischen Diskussionen rund um den Blücherplatz in Kreuzberg verankert. Neu ist der Standort des Umzugs: Aufgrund von Bauarbeiten zieht der traditionelle Umzug am diesjährigen Pfingstsonntag auf die Frankfurter Allee nach Friedrichshain.

Während beim Straßenfest auf mehreren Bühnen rund 100 Bands auftreten und etwa 350 Stände ein internationales Angebot präsentieren, verwandelt sich beim Umzug die Straße in eine Bühne: Kulturgruppen, Schulklassen, Vereine und Künstlerinnen und Künstler bereiten monatelang Performances vor, um sie in farbenfrohen Paraden zu präsentieren.

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Plattform für Vielfalt: Der Karneval der Kulturen als Spiegel einer heterogenen Stadtgesellschaft

Der Karneval versteht sich als klares Bekenntnis zur Diversität Berlins. Die Veranstalter betonen, dass das Festival kein traditioneller Karneval sei, sondern eine Plattform für gesellschaftliche Vielfalt, über Herkunft, Religion, Geschlecht und Lebensstil hinweg. Die künstlerischen Beiträge sollen die heterogene Stadtgesellschaft spiegeln und werden durch Jury-Wertungen in Kategorien wie Nachhaltigkeit, Kinder- und Jugendbeteiligung oder künstlerische Umsetzung gewürdigt.

Die Grundfinanzierung des Karnevals erfolgt über das Land Berlin, ergänzt durch Sponsoren, Standgebühren und Spenden. Ein Verhaltenskodex sichert demokratische Werte und wird durch Awareness-Teams begleitet, die für diskriminierungsfreies Feiern sorgen sollen.

Ganzjähriges Engagement: Das „Haus des Karnevals“ als Zentrum für transkulturellen Austausch in Marzahn

Mit dem „Haus des Karnevals“ in Marzahn existiert inzwischen ein ganzjähriger Arbeitsort für die beteiligten Gruppen. Dort entstehen Kostüme, werden Workshops abgehalten und Begegnungen ermöglicht. Die Veranstalterinnen und Veranstalter begreifen den Karneval nicht nur als Event, sondern als soziale Praxis, eine reale Begegnung, die transkulturellen Dialog fördert und die städtische Kulturpolitik bereichert.

Für viele Berlinerinnen und Berliner aber auch Touristen ist der Karneval der Kulturen ein jährlicher Fixpunkt, an dem es nicht nur um Musik und Essen geht, sondern um Sichtbarkeit, Teilhabe und Zusammenhalt. Gerade in Zeiten politischer Polarisierung soll das Fest ein friedliches und deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung setzen.

Quellen: Piranha Arts AG, Berlin.de, RBB, visit Berlin.de

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