Zwischen Ilsestraße und Marksburgstraße im Stadtteil Karlshorst sollen begrünte Innenhöfe nachverdichtet werden. Das Vorhaben der HOWOGE stößt seit Jahren auf Kritik. Anwohnende warnen vor dem Verlust von Grün- und Gemeinschaftsflächen. Die Wohnungsbaugesellschaft betont dagegen die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum.
© Visualisierung Titelbild: HOWOGE
Im Nordwesten des Berliner Ortsteils Karlshorst plant die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE ein Nachverdichtungsprojekt im Ilsekiez. Zwischen Ilsestraße und Marksburgstraße sollen auf bislang unbebauten Innenhöfen und Grünflächen zehn neue Wohnhäuser mit insgesamt rund 237 Mietwohnungen entstehen.
Das Vorhaben trifft vor Ort seit Jahren auf Kritik: Anwohnende und Lokalpolitik setzen sich für den Erhalt der begrünten Innenhöfe sowie der Spiel- und Sportplätze ein und fordern eine Nachverdichtung auf bereits versiegelten Flächen.
Die HOWOGE betont unterdessen ihre Aufgabe, bezahlbare Mietwohnungen in der Stadt zu schaffen. Aufgrund des knappen Platzangebots plane die Wohnungsbaugesellschaft Neubauten auch auf eigenen Grundstücken wie in der Ilsestraße.
Nachverdichtung in Karlshorst: HOWOGE plant zehn moderne Neubauten
Die Wohnsiedlung im Ilsekiez in Karlshorst wurde in den 1950er Jahren erbaut und besteht derzeit aus zehn Wohngebäuden mit vier bis fünf Geschossen, begrünten Innenhöfen, vier Spielplätzen und einem Sportplatz.
Seit 2017 plant die HOWOGE, in den Innenhöfen Neubauten in Holz- oder Holzhybridbauweise zu realisieren – mit Gründächern, Photovoltaikanlagen und Regenwasserversickerung. Zudem seien neue Spiel- und Aufenthaltsflächen vorgesehen. Laut Angaben der HOWOGE soll die Hälfte der Wohnungen gefördert und barrierefrei sein.
Die Wohnungsbaugesellschaft begründet das Vorhaben mit dem hohen Wohnungsbedarf in Berlin und der Notwendigkeit, vorhandene Flächen im Bestand besser zu nutzen.
Protest von Anwohnenden: Nachverdichtung verdränge Grünflächen und Gemeinschaftsräume
Das Projekt sorgt seit seinen Anfängen für Kritik bei Anwohnenden. 2017 formierte sich im Quartier eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Rettet den Ilse-Kiez“, die seitdem gegen die Nachverdichtung ankämpft. Zentraler Kritikpunkt: Die geplanten Neubauten verdrängten die grünen Innenhöfe, die bislang als gemeinschaftlicher Freiraum, Spielplatz und klimatische Ausgleichsfläche dienten.
In einem Offenen Brief an den Berliner Senat fordern Anwohnende den Erhalt der Grünflächen und verweisen auf das städtebauliche Leitbild der „Grünen Höfe“, das in Karlshorst bislang prägend war. Viele befürchten, dass durch die Verdichtung Wohnhäuser verschattet werden und nicht nur alte Bäume verloren gehen, sondern auch das Mikroklima und die Lebensqualität leiden könnten.
Als Alternative zur Nachverdichtung schlägt die Bürgerinitiative bauliche Lösungen wie eine Aufstockung des Bestands und eine Randbebauung vor.
Karlshorst: HOWOGE hat Baugenehmigungen für die Nachverdichtung erhalten
Die HOWOGE räumt ein, dass für das Projekt 81 Bäume gefällt werden müssten, von denen 58 unter Schutz stehen. Es sollen mindestens 73 neue Bäume gepflanzt werden, doch Anwohnende zweifeln, dass junge Nachpflanzungen den ökologischen Verlust ausgleichen können.
Kritik an dem Vorhaben im Ilsekiez kommt auch aus der Bezirkspolitik. Der Bezirk Lichtenberg hatte versucht, die Bebauung über einen Bebauungsplan zu verhindern, um die Innenhöfe freizuhalten. Die Verkehrsverwaltung des Senats hatte diesen laut Informationen der Berliner Zeitung im Jahr 2022 abgelehnt. Laut eigenen Angaben hat die HOWOGE daraufhin vier von fünf Baugenehmigungen erhalten. Der Baustart war für Frühjahr 2025 angesetzt, passiert ist bisher allerdings nichts.
Ilsekiez: Kritik an Mitbestimmung und Demonstration gegen die Bebauung
Die HOWOGE hat die Anwohnenden durch verschiedene Formate in die Planungen einbezogen. Auf ihrer Internetseite verweist die Wohnungsbaugesellschaft auf einen umfangreichen Beteiligungsprozess mit Runden Tischen, Freiraumwerkstätten und Kinderbeteiligungen.
Viele Anwohnende empfanden diese Formate jedoch als unzureichend. Es fehle an echter Mitbestimmung, so der Vorwurf. Nun ruft die Bürgerinitiative „Rettet den Ilse-Kiez“ am 15. November 2025 zu einer Demonstration gegen die geplante Bebauung auf.
Nachverdichtung in Großstädten: Lebensqualität und Klimaschutz vs. Wohnraumschaffung
Der Ilsekiez steht exemplarisch für den Konflikt zwischen Klimaschutz, Lebensqualität und Wohnraumschaffung in Großstädten. Während Anwohnende und Umweltinitiativen die Nachverdichtung auf Grünflächen kritisch sehen, unterstützen Befürworter das Projekt aufgrund seines Beitrags zur Linderung der Wohnungsknappheit – zumal es sich um städtischen, bezahlbaren Wohnraum handelt.
Ob die Nachverdichtung im Ilsekiez wie geplant umgesetzt wird oder noch Änderungen durch Bürgerbeteiligung oder politische Entscheidungen erfolgen, bleibt angesichts der anhaltenden Proteste abzuwarten.
Quellen: HOWOGE, Karlshorst e.V., Sprecherrat der Bürgerinitiative „Rettet den Ilse – Kiez“, Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Bezirksamt Lichtenberg
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