Der umstrittene Umbau der Kantstraße wird konkreter: Der geschützte Radfahrstreifen soll einer Busspur weichen, die auch von Radfahrenden genutzt werden darf. Nun gibt es neue Details zu Kosten, Zeitplan und offenen Fragen.

Der geschützte Radfahrstreifen auf der Kantstraße soll im Zuge des geplanten Umbaus zurückgebaut werden. Künftig sollen Radfahrende die Bussonderfahrspur mitbenutzen. / © Foto: depositphotos.com (Symbolbild)
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Auf der Kantstraße steht eine umstrittene Neuordnung des Straßenraums bevor. Der geschützte Radfahrstreifen, der seit 2020 besteht, soll zurückgebaut werden. Stattdessen ist eine Bussonderfahrspur vorgesehen, die auch für Radfahrende freigegeben wird.
Eine neue Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage der Grünen-Abgeordneten Oda Hassepaß und Antje Kapek zeigt nun, wie teuer der Umbau wird – und dass wichtige Fragen noch nicht abschließend geklärt sind.
- Standort: Kantstraße, Charlottenburg-Wilmersdorf
- Vorhaben: Rückbau des geschützten Radfahrstreifens und Einrichtung einer Bussonderfahrspur mit Freigabe für den Radverkehr
- Baubeginn: voraussichtlich September 2026
- Kosten: rund 2,4 Millionen Euro
Radweg in der Kantstraße: Umbau kostet rund 2,4 Millionen Euro
Mit der weiteren Umsetzung wurde die landeseigene GB infraVelo GmbH betraut. Die Gesamtkosten der Maßnahme werden nach Angaben des Senats mit Stand März 2026 auf rund 2,4 Millionen Euro beziffert. Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus dem Landeshaushalt, während die Instandsetzung der Fahrbahn über den Bezirkshaushalt finanziert werden soll.
Der Senat verteidigt auch den Einsatz der infraVelo. Zwar umfasst das Vorhaben den Rückbau des bisherigen geschützten Radfahrstreifens, gleichzeitig werde eine Bussonderfahrspur eingerichtet, die für den Radverkehr freigegeben ist. Gegenüber dem ursprünglichen Zustand werde damit weiterhin Radverkehrsinfrastruktur geschaffen.

Die Kantstraße in Charlottenburg soll künftig anders aufgeteilt werden: Der geschützte Radstreifen wird durch eine Busspur mit Radverkehrsfreigabe ersetzt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Verkehrsrechtliche Anordnung steht noch aus
Bemerkenswert ist dabei der aktuelle Stand des Verfahrens: Die verkehrsrechtliche Anordnung für die neue Verkehrsführung liegt noch nicht vor. Nach Angaben des Senats läuft derzeit das Anhörungsverfahren. Erst danach sollen die eingegangenen Stellungnahmen ausgewertet und mögliche Änderungen an der Planung geprüft werden. Die Anordnung wird nach aktuellem Stand noch im Laufe des Augusts erwartet.
Radverkehr künftig gemeinsam mit Bussen – so breit soll die Busspur werden
Besonders umstritten ist die künftige Führung des Radverkehrs. Statt eines baulich geschützten Radwegs sollen Radfahrende die Bussonderfahrspur gemeinsam mit den Bussen nutzen. Die in den Planunterlagen vorgesehenen Breiten der Spur liegen teilweise zwischen 3,00 und 3,90 Metern.
Die Abgeordneten verweisen darauf, dass die einschlägigen Empfehlungen für Radverkehrsanlagen je nach Breite und Verkehrsaufkommen unterschiedliche Anforderungen an das Überholen von Radfahrenden stellen. Der Senat stellt dagegen klar, dass für die rechtliche Anordnung von Verkehrszeichen und Markierungen die StVO und die VwV-StVO maßgeblich seien. Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen seien vor allem Grundlage für Planung, Entwurf und Betrieb.

Der bestehende geschützte Radfahrstreifen auf der Kantstraße soll im Zuge des geplanten Umbaus zurückgebaut werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Feuerwehr als zentrales Argument: So wird die Neuordnung begründet
Begründet wird die Neuordnung vor allem mit den Anforderungen des Brandschutzes. Senat und Bezirk hatten sich nach Angaben der Verwaltung grundsätzlich darauf verständigt, den Straßenraum so anzupassen, dass die Feuerwehr an den angrenzenden Gebäuden ausreichende Aufstellflächen für den zweiten Rettungsweg erhält.
Der Senat betont deshalb, dass es sich aus seiner Sicht nicht um den einfachen Rückbau einer Radverkehrsanlage handele. Vielmehr werde der Straßenraum unter Berücksichtigung verschiedener Interessen neu aufgeteilt. Für Radfahrende bedeutet das dennoch: Der bislang geschützte Streifen verschwindet.
Pestalozzistraße als Alternativroute im Gespräch
Kritisch bleibt auch die Frage nach einer sicheren Alternativroute. Für die Pestalozzistraße gibt es seit 2023 Überlegungen zu einer durchgängigen Fahrradstraße. Die Planung befindet sich allerdings weiterhin in einem frühen Stadium. Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht. Erste Kostenschätzungen liegen bei rund 120.000 Euro, Haushaltsmittel wurden bislang nicht verbindlich eingeplant.
Damit könnte der geschützte Radweg auf der Kantstraße verschwinden, bevor eine solche alternative Verbindung tatsächlich umgesetzt ist. Der Senat verweist auf die unterschiedlichen Anforderungen von Radverkehr, Busverkehr, Anwohnenden, Gewerbe und Brandschutz. Für die Debatte um die Kantstraße dürfte damit allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen sein.
Kantstraße
Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 26 755, Schriftliche Anfrage, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, ADFC Berlin, Deutsche Umwelthilfe (DUH), Infravelo GmbH
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4 Kommentare
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2,4 Millionen Euro für den Rückschritt. Die Schätzung der 2,4 Millionen stammt aus dem März 2026. Inzwischen sind es dann bei Umsetung bestimmt 2,5 Millionen oder höher.
Auf der Website der InfraVelo steht gleich ganz oben „Berlin wird fahrradfreundlicher“. So viel zu dem Thema. Leider trifft bei diesem unsinnigen Projekt das Gegenteil zu.
Thema Brandschutz: Die Senatsverwaltung unter Frau Bonde will mit allen Mitteln Parkplätze (Privilegien für sehr wenige) erhalten. Mit den Parkplätzen, die aufgrund rückschrittlichem Denkens erhalten bleiben sollen, besteht in der Tat ein Problem mit der Zufahrt für die Feuerwehr. Die Lösung: Parkplätze weg, der Radweg kann bleiben und verstetigt werden und die Feuerwehr kommt im Notfall überall ran. Das ist hier wieder astreine Faktenverdrehung der CDU.
Die BVG und Öffis-Nutzende werden sicherlich auch nicht von dieser Lösung begeistert sein. Die Busspur wird doch dann ohnehin oft von Autos zugeparkt und ob ein Bus Radfahrende überhaupt überholen kann auf dieser neuen Spur, ist sicherlich selten der Fall. Laut StVO müssen Fahrzeuge einen Abstand von 1,5 Metern beim Überholen von Radfahrenden einhalten. Wenn die Busspur auf manchen Abschnitten nur 3,00 Meter breit ist, dann muss man kein mathematisches Genie sein, um zu merken, dass das nicht geht. Selbst 3,90 Meter werden hier wohl noch zu schmal sein. Der Bus fährt dann also hinter den Fahrrädern her und wird ausgebremst.
Danke für nichts, CDU!
Siehe dazu auch diesen Artikel in der Berliner Morgenpost von heute: https://www.morgenpost.de/berlin/article412922377/nicht-mehr-ganz-so-arm-aber-auch-nicht-sexy-wie-die-deutschen-berlin-sehen.html
Liegt natürlich nicht nur an fehlenden Radwegen, aber Vorreiter oder gar visionär ist Berlin bei den allermeisten Dingen längst nicht mehr. Das sollte sich ändern! Am 20. September haben wir die Wahl, für was Berlin in Zukunft stehen und wie es hier aussehen und sich leben lassen soll.
Währenddessen in Frankfurt am Main: https://www.airliners.de/hessen-treibt-radschnellweg-frankfurter-flughafen/89774
Schade, dass die CDU mit ihren Forderungen nach Sicherheit übersieht:
Das größte Sicherheitsproblem ist in dieser Stadt immer noch, als schwächerer Verkehrsteilnehmer von rücksichtslosen Autofahrern gefährdet zu werden.
Auch fällt auf, dass die selbsternannte Partei „wirtschaftlicher Vernunft“ und „unideologischer Politik“ beim Thema Auto Ideologie vor Sachverstand stellt und nicht vorhandenes Geld großzügig für die Interessen weniger Autofahrer ausgibt.
Wir alle sollten dem ein Ende bereiten.