Im ehemaligen Karstadt-Gebäude an der Karl-Marx-Straße entstand mit dem KALLE Neukölln ein neuer Treffpunkt für den Bezirk, im Erdgeschoss eröffnete im September 2025 die „KALLE Halle“. Nur acht Monate später hat deren Betreibergesellschaft Insolvenz angemeldet.

Das Kalle Neukölln an der Karl-Marx-Straße entstand aus dem ehemaligen Karstadt-Gebäude. Im Erdgeschoss war die nun insolvente Food Hall Kalle Halle untergebracht. / © Stefan Müller
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Das KALLE Neukölln steht für einen der ambitioniertesten Umnutzungsversuche Berlins. Das Gebäude an der Karl-Marx-Straße eröffnete 1971 als Kaufhaus, von 2001 bis 2019 beherbergte es eine Karstadt-Filiale und galt nach deren Schließung als Problemstandort. Statt das Haus abzureißen, entwickelte die Maruhn Real Estate Investment GmbH ab 2019 für rund 200 Millionen Euro ein neues Nutzungskonzept, das den alten Kaufhauskörper mit dem angrenzenden Parkhaus zu einem Komplex von rund 40.000 Quadratmetern verband.
Heute vereint das KALLE Neukölln Bildung, Büros, Kultur, Gastronomie und öffentliche Angebote unter einem Dach. Die Code University ist mit rund 500 Studierenden vor Ort, hinzu kommen unter anderem der Plattenladen Rough Trade, Coworking-Flächen, ein Edeka im Untergeschoss sowie Kreativräume und Veranstaltungsflächen.
Das erklärte Ziel: ein öffentlich zugänglicher Kieztreffpunkt, der den ganzen Tag über belebt ist und Neukölln langfristig stärkt. Zur offiziellen Eröffnung im September 2025 kam sogar Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und würdigte das Projekt als positives Signal für den Bezirk.
KALLE Halle als kulinarisches Herzstück: Ehemaliger Betreiber ist insolvent

Die KALLE Halle im Erdgeschoss des KALLE Neukölln verstand sich als Food Market und Treffpunkt für die Nachbarschaft. Was jetzt aus der 2.300 Quadratmeter großen Location wird, bleibt vorerst offen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Den gastronomischen Kern des Komplexes bildet die KALLE Halle, ein Food Market auf rund 2.300 Quadratmetern im Erdgeschoss. Nach einem Soft Opening im April 2025 folgte im September 2025 die offizielle Eröffnung. Geplant waren zwölf kuratierte Restaurants und zwei Bars mit insgesamt 660 Sitzplätzen, zum Start waren zunächst sieben Restaurants in Betrieb.
Hinter dem Konzept stand der New Yorker Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Martin Barry, der zuvor bereits den Manifesto Market realisiert hatte. Barry beschrieb sein Ziel als einen Ort, der sich weniger nach Konsum als nach Gemeinschaft anfühlen sollte. Tatsächlich entwickelte sich die Halle nach eigenen Angaben schnell zu einem Treffpunkt für Nachbarschaft, Familien und Berlins kreative Szene.
Food Hall an der belebten Karl-Marx-Straße: Insolvenzantrag nach weniger als einem Jahr
Trotz dieser positiven Entwicklung geriet die Kalle Halle G6 GmbH in finanzielle Schwierigkeiten und meldete im Juli 2026 Insolvenz an. Nach Angaben des Center Managements von KALLE Neukölln hatte der Betreiber seine vertraglichen Zahlungsverpflichtungen über einen längeren Zeitraum nicht erfüllt. In der Folge kündigte MREI den Vertrag mit dem bisherigen Zwischenbetreiber.
Die Kalle Halle G6 GmbH verwies im Zusammenhang mit der Insolvenz auf die angespannte Lage im Gastgewerbe. Patrik-Ludwig Hantzsch von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform erklärte gegenüber HOGAPAGE, dass insbesondere die Folgen der Pandemie, die Energiekrise und die Inflation die Branche über Jahre belastet hätten. Nach Angaben des Unternehmens mussten allein zwischen 2024 und 2025 rund 24.500 Restaurants, Gaststätten und Bars in Deutschland schließen.
Auch Berlin ist von dieser Entwicklung betroffen. Als Gründe gelten unter anderem steigende Mieten, rückläufige Besucherzahlen und die zunehmende Zahl leerstehender Gewerbeflächen.
Kein Aus, sondern Eigenregie der Gastronomen
Für den Markt und seine Gäste ändert sich dadurch jedoch nichts, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Die bisherigen Köche der einzelnen Stalls setzen ihren Betrieb in Eigenregie fort und halten damit das Konzept der Food Hall weiterhin am Leben. Eigentümer MREI unterstützt die Gastronomen dabei operativ und investiert unter anderem in digitale Bestellsysteme.
Wie sich die KALLE Halle langfristig weiterentwickelt, ist derzeit noch offen. Fest steht aber: Der gastronomische Treffpunkt im Erdgeschoss bleibt bestehen – und damit auch ein zentraler Baustein des Nutzungskonzepts, das aus dem ehemaligen Kaufhaus einen lebendigen Ort für Bildung, Arbeit, Kultur und Begegnung im Neuköllner Kiez machen soll.
Quellen: Kalle Halle GmbH/SAKL, Creditreform, Maruhn Real Estate Investment GmbH, HOGAPAGE
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10 Kommentare
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🙋Hallo , Kalle Neukölln
leider steckt der Buchhandel in Bln. in der Krise. Flächen für Buchhandel &Musikalien werden dringend gebraucht. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit anstelle der Gastronomie in der Karl Marx str.
sollte man das nicht eher als einen Rückschlag für den Versuch betrachten ein lebendiges Viertel zu gentrifizieren und den umliegenden, erfolgreichen Kleingewerben die Grundlage zu entziehen. Wenn das Viertel etwas nicht braucht, dann American Style Investor foodcourts. Da muss man nur ein wenig Zeit verbringen, dann ist das sonnenklar. Frage ist warum Leute mit solchen Konzepten Finanzierung bekommen, während die lebendige Kultur uns Überleben ringt.
Maruhn Real Estate Investment hat wohl den Geschmack der Neuköllner nicht ganz getroffen
Und mir schwant, dass THE PLAYCE die nächste Nummer diesbezüglich sein könnte. Wenn immer ich dort mal reingehe, gähnt es dort…vor Leere…während es auf der anderen Seite ganz gut zu laufen scheint.
Aber es soll keine Häme sein. Es ist immer Mist, wenn so etwas den Bach runtergeht…
Das KalleNeukölln ist der Versuch, eine hässliche Nachkriegskiste, die immerhin über einige Jahrzehnte hinweg kommerziell erfolgreich war, in eine renditeträchtige Investorenkiste des 21.Jh zu verwandeln, die allerdings auf ihre moderne Art mindestens ebenso hässlich ist!
Intelligenterweise hätte man den Niedergang von Karstadt &Co auch dazu nutzen können, diese hässlichen Kisten und Fremdkörper in den kleinteiligen und vielfältigen Kiezen im Sinne einer Stadtreparatur einfach abzureißen, die jeweiligen Flächen in historischen, kleinteiligen Größen neu zu parzellieren, und dementsprechend neu zu bebauen. Also kleinteilig, vielfältig und in traditioneller Architektursprache, die sich in die Örtlichkeit einfügt und Wohnen, Arbeiten und Kleingewerbe kiezgerecht -sich einfügend in die vorhandenen Strukturen- ermöglicht.
All das leistet diese Kalle-Investorenkiste aus sonstwoher erkennbar nicht. Sie ist architektonisch und städtebaulich und strukturell ein Fremdkörper im Kiez. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass sie kommerziell scheitert.
Die Zeiten, als das in ästhetischen Fragen anspruchlose Proletariat sein Geld üppig in großfomatigen und reizlosen Konsumtempeln ausgeben hat, die sind vorbei. Das Proletariat ist ärmer geworden, das Geld wird preisbewußt im Internet ausgegeben. Und Zeitvertreib in diesen Investorenkisten kostet Geld. Da ist nichts umsonst, auch wenn das alles ganz kiezig und nachbarschaftlich -manipulativ- beworben und vermarktet wird.
Und das Publikum, das mit dem Geld nicht knausern muss, das verbringt seine wertvolle Freizeit nicht in dieser gruseligen Investorenarchitektur des 21. Jh, die einen die Seele erkalten lässt. Es sucht sich schönere Orte, schöneres Ambiente fürs Geldausgeben.
Insofern ist es doch ein Grund zur Freude, dass Investoren aus sonstwoher und realitätsferne Politiker mit ihrem dusseligen Transformationsgequatsche scheitern. Wer die Bedürfnisse der Stadt ignoriert, der hat es nicht besser verdient.
Lag vermutlich eher an den hohen Mieten welche bei 2300 m2 fällig werden. Da kann das Essen noch so gut sein. Wenn es zu teuer ist geht halt keiner mehr regelmäßig essen.
Sag ich ja: „renditeträchtige Investorenkiste aus sonstwoher“ bedeutet: überzogen hohe Mieten, die nicht kiezgerecht sind, weil sie im Kiez nicht erwirtschaftet werden können…
Ja tatsächlich sind diese Foodcourts leider eben unpersönlich und meist ketten und fastfood. Wilmersdorfer Str. Potsdamer Platz und jetzt Kalle Halle zeigt das jede Stadt individuell ist was bedeutet was in PRAG, London oder New York funktioniert muss nicht in Berlin funktionieren. Subway zeigt das die gute alte belegte halbe Schrippe eben stärker sein können als Ketten. Das Problem ist auch wenn ortsfremde Personen die gastroauswahl für einen Kiez machen wollen und das ist hier daneben gegangen
Typisches „I told you so“ – wer brauch in NK überteuertes durchgestyltes Essen? Restaurants und Fast Food gibts genug, plus Lieferdienste. Solang die Einkommen in Berlin nicht steigen, kann man sowas vergessen außer Mitte, Pberg – saßen doch nur Touristen und Expat drin … wer denkt sich sowas aus ohne lokalen Bezug? Die food halls am Potsdamer laufen doch nur wegen den Touristen, das Dufte warten wir mal ab. Und das war’s schon.
Mir hat die Halle gefallen, aber das Essen war schlicht zu teuer, passt einfach nicht zu Neukölln in so einer chaotischen Straße wie der Karl-Marx.