Erstmals spricht sich mit dem Regierenden Bürgermeister auch die CDU offen für eine Weltausstellung 2035 in Berlin und Brandenburg aus. Damit erhält die EXPO Debatte neuen politischen Rückenwind, nachdem sie zuvor vor allem von der SPD getragen wurde. Zudem wird der Standort Schönefeld erstmals ernsthaft gehandelt.

Die EXPO 2035 soll Orte schaffen, an denen Zukunftsfragen diskutiert werden können. Mitten in der Stadt sollen sie zugänglich für alle sein, ob in ehemaligen Industriearealen, an der Spree oder in den Kiezen. Berlin könnte zur Plattform werden, auf der zentrale Themen wie Klimaschutz, Stadtentwicklung und gesellschaftlicher Wandel gemeinsam verhandelt werden. / © Visualisierung: EXPO 2035 Berlin GmbH
© Visualisierungen: EXPO 2035 Berlin GmbH
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Dr. Frank Gaeth
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat sich erstmals deutlich für eine Weltausstellung in Berlin und Brandenburg ausgesprochen. Auf dem Kongress „Weltmetropole Berlin“ der IHK Berlin betonte er, dass die EXPO am Standort Schönefeld eine große Chance für die gesamte Metropolregion darstelle. Er verwies zudem darauf, dass ein solches Ereignis erhebliches Entwicklungspotenzial mit sich bringe.
Damit verändert sich die bisherige Haltung des Senatschefs spürbar. Zuvor hatte Wegner eine Bewerbung skeptisch bewertet, da er Nachteile für die Bemühungen um Olympische und Paralympische Spiele befürchtete. In den vergangenen Monaten wuchs jedoch der Druck aus der Wirtschaft, die eine Neubewertung forderte.
Strategische Perspektive der Berliner SPD: Strukturentwicklung statt Einzelereignis
Innerhalb der Berliner Politik hatte sich bisher vor allem die SPD frühzeitig für eine EXPO 2035 ausgesprochen. Die Partei versteht die Weltausstellung weniger als kurzfristiges Großereignis, sondern vielmehr als strategisches Instrument für langfristige Entwicklung. Investitionen in Verkehr, Wohnungsbau und öffentliche Infrastruktur könnten gebündelt und beschleunigt werden.
Zugleich sieht die SPD die Chance, Berlin international als zukunftsorientierten Standort zu positionieren. Die Weltausstellung soll helfen, bestehende Herausforderungen gezielt anzugehen. Dazu zählen die Entwicklung neuer Quartiere, die Umnutzung von Konversionsflächen und die Modernisierung der Metropolregion.
Gemeinsamer Ansatz für die EXPO 2035 in Berlin und Brandenburg: Dezentrale Weltausstellung im Fokus
Ein zentrales Element soll dabei die enge Zusammenarbeit mit Brandenburg sein. Die EXPO soll ausdrücklich als Projekt der gesamten Metropolregion konzipiert werden. Damit würde sich Berlin von klassischen Weltausstellungen abgrenzen, die meist auf ein einzelnes Areal beschränkt waren.
Stattdessen rückt ein dezentrales Modell in den Fokus. Verschiedene Orte und Projekte könnten über Stadt und Landesgrenzen hinweg Teil der Ausstellung werden. Auch der frühere IHK Chef Daniel-Jan Girl hat diesen Ansatz gegenüber ENTWICKLUNGSSTADT betont.
Annäherung im Berliner Senat: Kai Wegner signalisiert erstmals Unterstützung für die EXPO
Lange Zeit blieb die Unterstützung für eine Weltausstellung im Berliner Senat begrenzt. Während sich vor allem die SPD frühzeitig für eine EXPO 2035 ausgesprochen hatte, dominierten zuletzt Debatten über eine mögliche Olympia-Bewerbung. Die Weltausstellung galt daher über Monate als nachrangige Option und spielte insbesondere in der CDU kaum eine Rolle.
Mit der neuen Positionierung des Regierenden Bürgermeisters zeichnet sich jedoch ein politischer Schulterschluss ab. Nachdem zunächst die SPD Interesse an einer Weltausstellung gezeigt hatte, signalisiert nun auch die CDU Offenheit für das Vorhaben. Dieser Kurswechsel könnte die Umsetzung entscheidend voranbringen, da er dem Projekt erstmals eine breitere politische Basis im Senat verschafft.
Internationaler Wettbewerb um die EXPO 2035: Berlin unter Zugzwang
Maßgeblich vorangetrieben wird die Berliner Debatte durch Daniel-Jan Girl. Sein Konzept habe nun auch Wegner überzeugt. Unterstützung kommt zudem aus Schönefeld, dessen Bürgermeister sich offen für eine Weltausstellung zeigt. Als nächster Schritt gilt ein Gespräch mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), das in der Potsdamer Staatskanzlei geplant ist.
Zusätzlichen Druck erzeugt die internationale Konkurrenz. Nachdem Donald Trump angekündigt hat, die USA mit Miami ins Rennen zu schicken, verschärft sich der Wettbewerb. Für Berlin bedeutet das, dass eine mögliche Bewerbung frühzeitig vorbereitet und klar positioniert werden muss.
„Boom-Korridor Südost“: Die Flughafenregion rund um den BER als Austragungsort der Weltausstellung?
Neu in den Überlegungen ist tatsächlich der Standort Schönefeld. Die Initiatoren der Idee um Daniel-Jan Girl hatten bislang das ehemalige Flughafengelände Tegel im Berliner Norden favorisiert, Architekt Christoph Langhof hat im Rahmen der Veranstaltung auch das Tempelhofer Feld ins Spiel gebracht.
Der sogenannte „Boom-Korridor Südost„, der auch die Flughafenregion rund um den BER bezeichnet, wäre ein geeignetes Areal für eine gemeinsame Berlin-Brandenburger Bewerbung. Fraglich ist nun, wie sich das Land Brandenburg zu diesen Plänen positioniert.
Quellen: Global Goals Berlin, tip Berlin, D2030 – Deutschland neu denken e.V., EXPO 2035 Berlin GmbH, Der Tagesspiegel
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
5 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.




Weltausstellungen haben sich überlebt. Es kräht kein Hahn mehr danach. Kann sich jemand an die jüngsten Expos erinnern? Technische Neuerungen werden schon lange woanders ausgestellt. Gab es früher noch spektakuläre teure Hallen (Disneyland temporär), die danach wieder abgerissen wurden, so ist selbst das heute zusammengeschrumpft. Stattdessen wage Sprüche über eine nachhaltige Zukunft. Gibt noch einen Grund für Expos außer etwas Standortmarketing zu betreiben?
Das „dezentrale“ Konzept ist natürlich ‚hochinnovativ‘. Es ist eher dem Umstand geschuldet, dass es in Berlin weniger finanzielle Möglichkeiten und bebaubare Freiflächen gibt. Ansehnliche Pavillons würde es dann eher nicht geben. Warum sollten also Besucher quer über die Stadt laufen?
Besser spät als nie!
Tegel oder Tempelhof, ganz klar… Schönefeld ist Unfug. Da Tegel sich von allein entwickeln wird und Tempelhof aber unbedingt ein Erweckungsereignis braucht, um endlich aus seiner verfahrenen Situation wach geküßt zu werden: Tempelhof…
Ha, jetzt erst ist der Groschen gefallen!…Schönefeld macht natürlich in „schelmischer“ (im Sinne von „durchtrieben“) Art und Weise doch Sinn. Der Kai möchte sich die Hälfte der Nummer von Brandenburg bezahlen lassen.
Man könnte schnell einen richtigenFlughafen in sagen wir Sperenberg bauen, der rund um die Uhr betrieben werden könnte.
dann stünde das ganze Gelände zur Verfügung. Danach wird der BER als City-Airport weiterbetrieben.