Das Jüdische Krankenhaus Berlin steht vor einem tiefgreifenden Einschnitt: Die traditionsreiche Einrichtung im Gesundbrunnen hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Der Betrieb läuft weiter, doch wirtschaftlicher Druck, ausstehende Investitionen und die bundesweite Krankenhausreform stellen das Haus vor grundlegende Entscheidungen. Wie es für Deutschlands einziges jüdisches Krankenhaus weitergeht, ist nun offen.

Jüdisches Krankenhaus Berlin

Seit rund einem Jahr sucht die Klinikleitung nach einer tragfähigen Trägerstruktur. Nun hat das traditionsreiche Jüdische Krankenhaus Insolvenz angemeldet. Derzeit ist nicht klar, wie es mit dem Krankenhaus weitergehen soll. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Das Jüdische Krankenhaus Berlin (JKB) hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Die Beschäftigten wurden darüber informiert, dass die Klinikleitung eine wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung anstrebt. Ziel sei es, die gemeinnützige Ausrichtung und die jüdische Tradition des Hauses zu bewahren. Der Klinikbetrieb läuft weiter, auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten bleibt gesichert.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Krankenhauses haben sich über Jahre aufgebaut. Ein Wasserschaden im neuen Bettenhaus, ein erhebliches Defizit im laufenden Betrieb und die Anforderungen der Krankenhausreform belasten die Einrichtung spürbar. Die Geschäftsführung erklärte laut Pressemitteilung, strukturelle Veränderungen träfen auf eine angespannte finanzielle Lage, die sich nur mit rechtlichen Mitteln und externer Unterstützung lösen lasse.

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ver.di fordert öffentliche Trägerschaft: Zukunft des Jüdischen Krankenhauses bleibt offen

Gewerkschaften wie ver.di sehen die Insolvenz als Chance, eine langfristige Lösung zu entwickeln. Sie fordern die Überführung in öffentliche Trägerschaft, um die Versorgung und die Arbeitsplätze zu sichern. Die Gewerkschaft betont, die jüdische Identität des Hauses müsse erhalten bleiben und die Jüdische Gemeinde eng eingebunden werden. Auch die Beschäftigten verlangen Mitbestimmung sowie die Sicherung von Tarifbindung und funktionierenden Interessenvertretungen.

Das JKB ist das einzige jüdische Krankenhaus Deutschlands. Es wurde 1914 eröffnet und verfügt heute über 384 Betten sowie rund 820 Mitarbeitende. Die Fachabteilungen reichen von Innerer Medizin über Psychiatrie bis zur Radiologie. Viele dieser Bereiche sind stark ausgelastet, weshalb die bauliche Erweiterung des Standorts dringend benötigt wird.

Weiterbetrieb gesichert, Investitionsstau enorm: Berliner Kliniken fehlen jährlich rund 340 Millionen Euro

Die Insolvenz bedeutet nicht das Ende der Einrichtung. Das Verfahren in Eigenverwaltung ermöglicht der Geschäftsführung, gemeinsam mit einem Sachverwalter einen Insolvenzplan zu entwickeln und den Weiterbetrieb sicherzustellen.

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Laut Berliner Krankenhausgesellschaft liegt der jährliche Investitionsbedarf der Berliner Kliniken bei rund 500 Millionen Euro. Im Haushalt stehen jedoch nur 160 Millionen Euro zur Verfügung. Die fehlenden Mittel müssten Häuser wie das JKB aus dem laufenden Betrieb ausgleichen.

Kostenexplosion beim Neubau: Wasserschaden verzögert Eröffnung und verstärkt finanzielle Schieflage

Zusätzlich belastet ein 60-Millionen-Euro-Neubau das Budget, dessen Kosten die Klinik über ein Darlehen finanziert hat. Die geplante Eröffnung wurde wegen eines Wasserschadens verschoben, was Einnahmeausfälle zur Folge hatte. Diese Faktoren führten schließlich dazu, dass Zahlungsverpflichtungen nicht mehr bedient werden konnten.

Bereits seit einem Jahr sucht das Krankenhaus nach einem neuen Träger. Gespräche mit Vivantes, Sana oder der Johannesstift-Diakonie führten bislang zu keinem Ergebnis. Ein möglicher Weg könnte eine stärkere Integration in die Charité sein, ähnlich dem Modell des Deutschen Herzzentrums.

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Neubau „Haus K“ fast fertig: doch fehlende Trägerschaft verzögert Inbetriebnahme

Baulich wächst das Krankenhaus weiter: Der Erweiterungsbau „Haus K“ mit über 200 zusätzlichen Betten steht kurz vor der Fertigstellung. Er soll mehr Raum für Innere Medizin, Neurologie und Frührehabilitation schaffen und die Versorgung im Norden Berlins stärken. Doch ohne stabile Trägerschaft bleibt unklar, wann der Neubau in Betrieb gehen kann.

Das Insolvenzverfahren eröffnet neue Handlungsspielräume, zwingt aber zugleich zu schnellen Entscheidungen. Klinikleitung, Stiftung, Politik und potenzielle Partner müssen in den kommenden Monaten klären, wie das traditionsreiche Haus dauerhaft gesichert werden kann.

Zu sehen ist das moderne, dreigeschossige Gebäude während der Bauarbeiten. Das Bettenhaus ist fast fertiggestellt.

Derzeit entsteht am Jüdischen Krankenhaus an der Heinz-Galinski-Straße das neue Bettenhaus „Haus K“, ein dreigeschossiger Neubau, der kurz vor der Fertigstellung steht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Jüdisches Krankenhaus Berlin, Brunnenmagazin, Taz, Tagesschau, ver.di, Stiftung des bürgerlichen Rechts, Wikipedia

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