Nach langjähriger Bauzeit nähert sich die Jüdische Akademie an der Senckenberganlage in Frankfurt am Main ihrer Fertigstellung. Das Projekt des Zentralrats der Juden in Deutschland soll noch dieses Jahr fertiggestellt werden. Damit entsteht die erste überregionale jüdische Bildungseinrichtung dieser Art in Deutschland seit der Schoa.

Die Jüdische Akademie entsteht derzeit an der Senckenberganlage in Frankfurt am Main. Das Projekt des Zentralrats der Juden in Deutschland kombiniert einen sanierten Altbau mit einem Neubau nach einem Entwurf von Turkali Architekten. / © Visualisierung: Turkali Architekten
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
An der Senckenberganlage, unweit der Goethe-Universität Frankfurt, wird derzeit die Jüdische Akademie errichtet. Das Bauprojekt verbindet einen sanierten Altbau mit einem großzügigen Neubau. Zur geplanten Ausstattung gehören ein Veranstaltungssaal sowie eine Dachterrasse mit Blick auf die Frankfurter Skyline. Damit fügt sich die Akademie architektonisch in ein städtisches Umfeld ein, das bereits von Bildungs- und Kultureinrichtungen geprägt ist.
Frankfurt bietet für das Vorhaben einen historisch bedeutsamen Rahmen. Der Zentralrat der Juden hat seine Bildungsabteilung bereits dort angesiedelt, und die Stadt gilt wegen ihrer gewachsenen jüdischen Infrastruktur als besonders geeigneter Standort. Die Nähe zur Goethe-Universität ist dabei kein Zufall: Die Universität wurde maßgeblich durch jüdische Stiftende gegründet und steht stellvertretend für den engen Zusammenhang zwischen jüdischem Mäzenatentum und Wissenschaftstradition in Frankfurt.
Verzögerungen beim Bau der Jüdische Akademie: Fertigstellung nach längerer Bauzeit
Ursprünglich sollte die Akademie bereits 2023 fertiggestellt werden. Doch die Corona-Pandemie führte zu erheblicher Baustoffknappheit, die den Zeitplan deutlich verschob. Hinzu kamen die wirtschaftlichen Folgen des Ukrainekriegs, die den Baumaterialmarkt zusätzlich belasteten. Auch die aufwendige Sanierung des Altbaus erwies sich als zeitintensiver als geplant.
Nun soll die Eröffnung Ende 2026 stattfinden. Die Gesamtkosten des Projekts werden mit rund 38 Millionen Euro beziffert. Die Finanzierung teilen sich der Bund, das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und der Zentralrat der Juden in Deutschland. Damit handelt es sich um ein Vorhaben mit breiter öffentlicher Unterstützung auf allen föderalen Ebenen.

Nach mehreren Verzögerungen nähert sich die Jüdische Akademie in Frankfurt ihrer Fertigstellung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Konzept des Bildungsbaus an der Senckenberganlage: Ort für Bildung und gesellschaftlichen Dialog
Die Jüdische Akademie versteht sich als erste überregionale, nicht-universitäre jüdische Bildungseinrichtung dieser Art in Deutschland seit dem Holocaust. Sie richtet sich sowohl an die jüdische Gemeinschaft als auch an die allgemeine Öffentlichkeit. Geplant sind Konferenzen, Vorträge, Seminare und wissenschaftliche Publikationen. Mit der Goethe-Universität Frankfurt besteht bereits eine Kooperationsvereinbarung.
Zentralratspräsident Josef Schuster betonte, die Akademie solle jüdische Stimmen selbstbestimmt in gesellschaftliche Debatten einbringen und dabei Unterschiede aushalten sowie Gemeinsamkeiten stärken. Auch der interreligiöse Dialog spiele eine zentrale Rolle. Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef sprach von einem Bildungsauftrag für die Demokratie.
Quellen: Jüdische Allgemeine, Zvonko Turkali Architekten, Zentralrat der Juden in Deutschland, JOURNAL FRANKFURT
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


