Mit „Job und Wohnen“ reagieren Berliner Unternehmen auf Wohnungsdruck und Fachkräftemangel, indem sie eigene Wohnangebote für Mitarbeitende schaffen. In Spandau entsteht die „Havelschanze“ als Pilotprojekt mit Wohnungen, Kita, Werkstatt und Urban-Gardening-Bereichen, das neue Perspektiven für genossenschaftliche Stadtentwicklung eröffnet.

Auf der „Neustart Berlin 2025“ im Gasometer präsentierten Kreative und Unternehmen am 21. November 2025 neue Ideen für die Stadtentwicklung Berlins. / © Foto: Christian Kruppa, EUREF AG
© Fotos: Christian Kruppa, EUREF AG
Auf der Konferenz „Neustart Berlin“ rückte ein Konzept in den Mittelpunkt, das ein altbekanntes Prinzip in neuer Form aufgreift. Unter dem Titel „Job und Wohnen“ präsentierte der gleichnamige Verband ein Modell, das Unternehmen wieder stärker in die Verantwortung für den Wohnraum ihrer Beschäftigten einbindet. Hintergrund ist eine Lage, in der qualifizierte Fachkräfte Jobangebote in der Hauptstadt zunehmend ablehnen, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden.
Peter Diedrich vom Verband Job und Wohnen schilderte bei der Vorstellung, dass das Projekt den schwierigen Umständen der vergangenen Jahre standhalten musste. Er verwies auf politische und wirtschaftliche Krisen, die die Finanzierung erschwert hätten. Besonders das Erbbaurecht habe Banken abgeschreckt, da sie Grundstückseigentum als Sicherheit bevorzugten. Aus diesem Grund sprach sich Diedrich dafür aus, dass der Senat innovative Wohnmodelle mit Landesbürgschaften stützen sollte.
Job und Wohnen in Spandau: Pilotprojekt „Havelschanze“ nimmt Gestalt an
Der erste konkrete Schritt des Konzepts entsteht derzeit in Spandau. Dort wurde für das Vorhaben „Havelschanze“ kürzlich der Grundstein gelegt. Dreizehn Unternehmer haben sich zu einer Baugenossenschaft zusammengeschlossen, die durch Baukostenzuschüsse und Genossenschaftsanteile Belegungsrechte für die geplanten Wohnungen erhält.
Bis 2027 sollen 112 Wohnungen entstehen, ergänzt durch eine Kita, einen Bereich für mobiles Arbeiten, ein Waschhaus, eine Werkstatt für die Nachbarschaft und Flächen für Urban Gardening. Der größte Teil der Wohnungen wird über die Berliner Wohnungsbauförderung finanziert. Die Mieten sollen später zwischen sieben und elf Euro pro Quadratmeter liegen. Weitere Einheiten werden frei finanziert und entsprechend teurer ausfallen.
Junge Fachkräfte in Berlin: Job-und-Wohnen-Initiative erweitert das Angebot
Im Fokus des Projekts stehen vor allem Auszubildende und junge Fachkräfte. Für sie ist der reguläre Wohnungsmarkt kaum zugänglich. Die Jury der „Neustart“-Konferenz, die das Konzept zu einem der neun besten Projekte kürte, betonte seinen Modellcharakter.
Engelbert Lütke-Daldrup, früherer Staatssekretär und Flughafenchef, hob hervor, dass ein stärkeres Engagement der Unternehmen beim Bereitstellen von Wohnraum aus seiner Sicht längst überfällig sei.
Genossenschaftliche Modelle: Neue Optionen für kleine Unternehmen in Berlin
Gleichzeitig wirft das Modell neue Fragen auf. So berichtete Diedrich, dass Wohnberechtigungsscheine in Berlin bislang nicht zum Bezug eines WG-Zimmers berechtigten, was besonders für Azubi-WGs eine Hürde darstelle. Unklar ist zudem, wie mit Fällen umzugehen ist, in denen Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Grundsätzlich würde damit auch der Anspruch auf die Wohnung enden, allerdings soll eine soziale Härtefallregelung greifen.
Ob genossenschaftliche Unternehmermodelle die Wohnungsnot spürbar lindern können, ist noch offen. Für kleinere Firmen, die eigene Bauvorhaben nicht realisieren können, bietet das Konzept jedoch die Möglichkeit, Wohnraum für ihre Beschäftigten zu sichern. Neben Berlin befindet sich ein zweites Pilotprojekt bereits in München in Vorbereitung.
„Neustart Berlin 2025“: Konferenz präsentiert neue Konzepte für die Stadtentwicklung
Das Konzept „Job und Wohnen“ gehört zu neun Projekten, die im Rahmen der „Neustart Berlin 2025“ vorgestellt wurden. Diese neun Konzepten wurden aus insgesamt siebzig eingereichten Ideen, aus den Bereichen Stadtentwicklung, Mobilität, Umwelt und Klima sowie Kultur und Gemeinschaft, von einer Fachjury als die besten Zukunftsprojekte gekürt.
Die Konferenz richtet sich an Medienhäuser, Wirtschaftsvertreter und Akteure der Stadtgesellschaft und dient als Plattform, auf der neue Ideen vorgestellt und Perspektiven für die Entwicklung Berlins eröffnet werden. Die Veranstaltung im November bildete den Auftakt der Konferenz.

Die „Neustart“-Konferenz brachte am 21. November rund 500 Gäste aus Wirtschaft, Kultur, Medien und Stadtgesellschaft zusammen. / © Foto: Christian Kruppa, EUREF AG

Die Veranstaltung richtete den Blick auch auf die Impulse der Weltausstellung EXPO 2035. / © Foto: Christian Kruppa, EUREF AG
Quellen: EUREF-Campus, Neustart Berlin, Berliner Morgenpost
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Baukosten senken – Potenziale nutzen: ein Drittel Einsparung möglich
Die Initiative kostenreduziertes Bauen (Hamburg) hat in den drei Handlungsfeldern; Kostenreduzierende Baustandards, Optimierte Planung und Prozesse sowie Beschleunigte Verfahren Kosteneinsparpotenziale ermittelt, die es ermöglichen, Baukosten um bis zu 2.000 Euro brutto pro m² Wohnfläche zu senken.
https://www.bezahlbarbauen.hamburg/baukosten-senken-potenziale-nutzen-ein-drittel-einsparung-moeglich-1016028
Aber die Verbesserung bzw. Veränderung der Prozesse wird schon seit Jahren eingefordert.
Geringe operative Leistungsfähigkeit und Produktivität. (McKinsey)
https://www.mckinsey.de/news/presse/infrastruktur-und-wohnen-deutsche-ausbauziele-in-gefahr
Geringer Wertschöpfungsgrad von ca.30% (Roland Berger)
file:///C:/Users/Win10%20Pro%20×64/Documents/B.M/Eigene%20Bilder/dokumente/roland_berger_digitalisierung_bauwirtschaft_final.pdf
Exorbitante Fehlerquote (BauInfoConsult),
https://bauinfoconsult.de/presse-fehlerkosten-am-bau-in-2021-mit-rund-165-milliarden-immer-noch-zu-hoch/
also verbauter Schaden der wieder korrigiert werden muss.
(2020 ca.18,0 Milliarden Euro, 2021 ca.16,5 Milliarden Euro und 2022 ca.13,0 Milliarden Euro),